Die Alternative zur AfD?

TL;DR: Das BSW trat mit dem Anspruch an, Unzufriedenen eine Alternative zur AfD zu bieten. Die dargestellte Wählerwanderung zeichnet jedoch ein paradoxes Bild: Von 49.000 Nettozugängen sollen lediglich 2.000 von der AfD stammen. Der Kommentar fragt deshalb, ob das BSW die AfD tatsächlich schwächt – oder durch die Übernahme rechter Problemdeutungen am Ende genau jene politische Verschiebung normalisiert, die es angeblich verhindern wollte.

Infografik zur „Wählerwanderung zum BSW“ bei der Landtagswahl Sachsen-Anhalt 2026. Pfeile zeigen den Zugewinn von insgesamt 49.000 Stimmen: 15.000 von der Linken (30,6 %), 12.000 von der CDU (24,5 %), 11.000 von Nichtwählern (22,4 %), 6.000 von der SPD (12,2 %), 3.000 von der FDP (6,1 %) und 2.000 von der AfD (4,1 %). Quelle: infratest dimap/ARD, 7. September 2026. Darüber steht als Kommentar: „Die Alternative zur AfD?“ Unten das Logo des BSW-Landesverbands Bayern.

Das BSW wollte der AfD enttäuschte Wähler abnehmen. Doch ausgerechnet die eigene Wählerwanderung erzählt eine andere Geschichte: Die „Alternative zur Alternative“ gewinnt fast überall – nur kaum bei der AfD.

49.000 Wählende meldet das Bündnis Sahra Wagenknecht(BSW) nach der Wahl in Sachsen-Anhalt und weil eine Partei Zahlen hauptsächlich deshalb veröffentlicht, damit niemand über ihre Bedeutung nachdenkt, wird der Nettozugewinn gleich in einen schönen roten Pfeil verwandelt.

Ausgerechnet die kleinste Zahl erzählt die Geschichte.

2.000.

Von 49.000 Zugewanderten sollen ganze 2.000 von der AfD gekommen sein. Die Partei, deren historische Rechtfertigung unter anderem darin bestand, den angeblich von der Politik Verlassenen eine andere Adresse als die AfD zu geben, hat demnach vor allem jene gefunden, die ihre Adresse bereits bei Linken, CDU, SPD oder FDP hatten oder überhaupt nicht zur Wahl gingen.

Der Patient AfD erfreut sich unterdessen bester Gesundheit.

Das Unternehmen BSW hatte eine hübsche Geschäftsidee: Man nehme die soziale Frage von links, die Flüchtlingsfrage von rechts, den Frieden aus einem deutschen Stammbuch und erkläre die Mischung zur letzten Möglichkeit, den Aufstieg der Rechten aufzuhalten. Man werde, hieß es sinngemäß, den Protestierenden zeigen, dass man gegen „die da oben“ sein könne, ohne AfD zu wählen.

Nun zeigt die eigene Reklame: Die AfD-Wählenden ließen sich von der Alternative zur Alternative kaum beeindrucken.

Das wäre nur das Scheitern einer Partei, hätte die Sache nicht einen unangenehmeren Nebeneffekt. Wer dem Publikum jahrelang erklärt, die Rechten würden hauptsächlich deshalb rechts wählen, weil die übrigen Parteien ihre Sorgen nicht ernst genug nähmen, bekämpft das Ressentiment nicht. Er adelt es zum überhörten Hilferuf. Aus dem politischen Willen wird eine therapeutische Notlage, aus dem Nationalisten ein missverstandener Sozialfall.

Und während man ihm beweisen möchte, dass auch Linke Grenzen, Nation, Großmachtinteressen und kulturelle Bedrohungslagen ernst nehmen können, lernt er vor allem eines: Dass die AfD mit der Beschreibung der Welt offenbar gar nicht so falsch gelegen haben kann, wenn inzwischen auch ihre Gegner ihre Vokabeln benötigen.

Die Rechte muss nicht jeden Wähler gewinnen, um zu gewinnen. Es genügt ihr manchmal, wenn ihre Gegner anfangen, die Welt mit ihren Augen zu erklären.

Vielleicht ist deshalb die wichtigste Zahl dieser Grafik nicht 49.000, sondern 2.000. Sie misst nicht den Erfolg des BSW.

Sie misst die Entfernung zwischen Anspruch und Ergebnis.

Und dafür sind 2.000 erstaunlich viel.

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