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Der Antisemitismus, den man widerlegen kann

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TL;DR: Nimrod Flaschenberg widerlegt den pauschalen Vorwurf, Die Linke sei eine antisemitische Partei. Doch damit ist die entscheidende Frage nicht beantwortet: Wie geht die Partei mit antisemitischen oder gewaltlegitimierenden Positionen in den eigenen Reihen um? Wer statt konkreter Vorfälle vor allem die Motive der Kritiker untersucht, verwechselt die mögliche Instrumentalisierung eines Vorwurfs mit dessen Widerlegung. Wer beweist, dass Die Linke keine antisemitische Partei ist, hat damit Antisemitismus in der Partei noch nicht widerlegt. Manchmal erledigt man eine unangenehme Frage am zuverlässigsten, indem man sie zunächst vergrößert. Aus der Frage, ob es in einer Partei antisemitische Akteure, Deutungsmuster oder politische Milieus gibt und wie die Organisation mit ihnen umgeht, wird die Behauptung: Diese Partei ist antisemitisch. Die ist leichter zurückzuweisen. Nicht alle Mitglieder sind Antisemiten, das Programm ist keines, die Führung erklärt sich dagegen – Fall geschlos...

Angriff auf die Vernunft

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TL;DR: Loren Balhorn, Chefredakteur von Jacobin, erklärt die Kontroverse um Dahabflex vor allem zum Versuch, die Berliner Linke politisch in die Defensive zu drängen. „Angriff auf die Vernunft“ hält dagegen: Dieser Versuch scheitert am Gegenstand selbst. Die Interessen und die Heuchelei der Kritiker widerlegen deren Kritik nicht. Wer „Tod für die IDF“, PFLP- und Leila-Khaled-Referenzen sowie Blut-, Volks-, Opfer- und Gewaltpathos zum bloßen Kommunikationsproblem erklärt, betreibt keine Kritik mehr. Er ersetzt sie durch Lagerdenken – und hält den Inhalt offenbar schon deshalb für progressiv, weil die Falschen ihn kritisieren. Wie aus Gewaltpathos eine Medienfrage wird und aus Kritik am eigenen Lager ein Verrat an der guten Sache. Loren Balhorns Kommentar „ In der Politik ist Angriff immer die beste Verteidigung “ hat eine erfreulich klare These: Die Berliner Linke soll sich durch die Affäre um den Rapper Dahabflex nicht in die Defensive treiben lassen. Statt „Aufarbeitung“ und „Kon...

Ein intellektueller Irrtum mit Roter Fahne

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TL;DR:   „Ein intellektueller Irrtum mit Roter Fahne“ – Corey Robins Plädoyer für eine humanitäre Intervention in Israel zeigt nicht moralische Stärke, sondern analytische Schwäche. Wer den Einmarsch in Israel fordert, verliert jede Glaubwürdigkeit als Linke. Zu Corey Robins im ‚ Jacobin ‘ erschienenen Text „Sollten wir im Namen der Humanität in Israel einmarschieren?“ Man soll dem Gedanken nicht vorwerfen, dass er gedacht wurde. Aber man darf, ja muss ihn prüfen, bevor man ihn zu Papier bringt – und erst recht, bevor man ihm die Maske der Moral überstreift. Corey Robin legt mit seinem Essay ein Dokument der Verwirrung vor, das sich als moralphilosophische Fortsetzung außenpolitischer Diskurse mit anderen Mitteln geriert, aber bei genauerem Hinsehen eine bittere Pointe hinterlässt: Wer im Namen der Menschlichkeit den Einmarsch in Israel erwägt, hat den Maßstab für Humanität verloren – und mit ihm das politische Koordinatensystem. Zunächst zur Struktur: Robins Text ist, formal g...