Die Polemik ersetzt den Beleg
TL;DR: Der Artikel über Nicholas Potter setzt auf Spott, Zuschreibungen und politische Gewissheiten, liefert für seine schwersten Vorwürfe jedoch kaum Belege. Die Polemik ist sprachlich wirkungsvoll, argumentativ aber oft dünn. Dadurch entlarvt sie weniger ihren Gegenstand als ihre eigene Methode. Zu Susann Witt-Stahls Porträt über Nicholas Potter – und zu einer Methode, die ihr Urteil stets schon kennt Susann Witt-Stahls Text über Nicholas Potter („ Linker Journalist des Tages: Nicholas Potter “ in der junge welt vom 29.05.2026) möchte ein Porträt sein. Tatsächlich ist er etwas anderes: eine Anklageschrift, die ihren Angeklagten längst verurteilt hat und deshalb glaubt, auf den Nachweis der Schuld verzichten zu können. Das Problem beginnt bereits mit dem ersten Satz. Potter habe die „ Gaza-Genozidlüge “ entlarvt. Das Wort ist hier nicht Ergebnis einer Argumentation, sondern deren Voraussetzung. Die Autorin erklärt eine politische und juristische Streitfrage zur ausgemachten...