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„Einfach mal die Klappe halten“, Frau Knaul?

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TL;DR: Susanne Knaul rät zum Schweigen – natürlich nicht sich selbst. Josef Schuster dürfe denken, sogar recht haben, nur bitte nicht öffentlich sprechen. Denn wer als Präsident des Zentralrats redet, überschreitet für Susanne Knaul offenbar seine Zuständigkeit. Meinung ja. Stimme lieber nicht. Einfach mal die Klappe halten . Ein guter Rat. Nur richtet Susanne Knaul ihn nicht an sich selbst. Sie richtet ihn an Josef Schuster. Nicht ausdrücklich natürlich. Die Form bleibt höflich, der Ton moderat, der Gedanke aber ist klar: Schuster darf denken, vielleicht auch fühlen. Reden sollte er lieber nicht. Jedenfalls nicht über das, was er tatsächlich gesagt hat. Denn Knaul beginnt mit Verständnis. Sie schreibt: „Niemand nimmt Schuster das Recht, die Angriffe zu befürworten.“ Das klingt großzügig. Fast liberal. Doch der Satz funktioniert wie eine Tür, die nur kurz geöffnet wird, damit man sie gleich wieder schließen kann. Denn kaum ist das Recht zugestanden, folgt die Einschränkun...

Wenn Umfragen Außenpolitik machen: Deutscher Frieden von rechts und links

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TL;DR: In Deutschland erklären Rechte und Linke Außenpolitik gern mit Parolen: Die einen zählen Umfragen und rufen „Deutschland zuerst“, die anderen warnen vor Weltkrieg. Viel moralische Gewissheit, wenig Analyse – während die Realität anderswo entschieden wird. Wie rechter Nationalpazifismus und linke Weltuntergangsrhetorik denselben deutschen Reflex bedienen – viel moralische Gewissheit, wenig politische Analyse. Der deutsche Diskurs über Krieg und Frieden hat eine erstaunliche Eigenschaft: Er vereint Menschen, die sich sonst nicht einmal denselben Aufzug teilen würden. Auf der einen Seite Jürgen Elsässer, der ehemalige Linke, der inzwischen das Kunststück vollbracht hat, nationalistische Ressentiments als Friedenspolitik zu verkaufen. Er präsentiert eine Umfrage und glaubt damit die Weltpolitik erledigt zu haben. Achtzehn Prozent dafür, neunundfünfzig dagegen – und schon weiß der deutsche Patriot, wo Gut und Böse stehen. Dass Außenpolitik nicht nach Mehrheitsumfragen funktioni...

Keine Bomben - keine Analyse

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TL;DR: „Keine Bomben!“ ruft die Antikapitalistische Linke – und erklärt den Krieg zur Weltformel des Imperialismus. Moralisch eindeutig, analytisch dünn. Wer alles mit Hegemonie erklärt, erspart sich die Mühe des Denkens. Parolen ersetzen keine Politik. Wie die Antikapitalistische Linke den Krieg gegen die iranische Diktatur zur imperialistischen Weltformel erklärt Es ist ein beruhigendes Gefühl: Man kann gegen alles sein. Gegen Bomben sowieso. Gegen „US-Imperialismus“. Gegen „israelischen Kolonialismus“. Gegen Monarchisten, gegen Mullahs, gegen Hegemonie. Man kann sogar gegen „Weltneuordnungskriege“ sein. Und während man so umfassend Nein sagt, bleibt man moralisch sauber, politisch eindeutig, gedanklich unangreifbar – weil man gar nicht erst in die Nähe einer Zumutung kommt: der Wirklichkeit. Die Stellungnahme der Antikapitalistischen Linken vom 1. März 2026 trägt den Titel: „Sofortiger Stopp der Intervention im Iran! Keine Befreiung durch US-amerikanische Bomben!“ Der Titel...

Die iranische Frauen-Nationalmannschaft – Schweigen als Akt des Widerstands

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  TL;DR: Die iranische Frauen-Nationalmannschaft – Schweigen als Akt des Widerstands: Keine erhobene Faust, kein Pathos. Nur geschlossene Lippen. Während die Hymne erklingt, sagen sie nichts – und sagen alles. Mut ist manchmal leise. Und gerade deshalb unüberhörbar. Es gibt Augenblicke, in denen das Pathos versagt – und das Schweigen beginnt zu sprechen. Da stehen sie also. Junge Frauen, geschniegelt für ein Spiel, das angeblich nur ein Spiel sein soll. Reihenweise aufgestellt, geschniegelt nicht nur von Funktionären, sondern von Erwartungen. Die Hymne erklingt, wie sie immer erklingt: als akustische Pflichtübung nationaler Selbstvergewisserung. Und doch geschieht etwas Unerhörtes – sie singen nicht. Keine große Geste. Kein theatralischer Aufschrei. Kein erhobener Arm. Nur ein Verzicht. Nur das Schweigen. Wer je geglaubt hat, Mut müsse laut sein, sollte sich diese Szene vor Augen führen: Frauen, die wissen, dass jede Kamera ihr Gesicht festhält; Frauen, die wissen, dass jedes...

Die Friedensfreunde vom Rand

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TL;DR: AfD, Linke und BSW rufen „Frieden“ – und meinen doch Verschiedenes. Mal schützt er den Benzinpreis, mal das Völkerrecht, mal das eigene Weltbild. So wird „Frieden“ zur Parole und zur bequemen Ausrede – und erspart die Frage, was die Menschen im Iran statt dieser Diktatur wollen.   Wie Linke, BSW und AfD den Frieden zur Parole und zur Ausrede machen Es ist ein seltener Moment politischer Harmonie, wenn AfD, Linke und BSW im selben Ton sprechen.  Der Angriff auf Iran? Ein Fehler. Eine „Destabilisierung“. Eine „Gefahr für die Region“. Die Vokabeln klingen wie aus einem Restposten der politischen Moraltheologie. Nur die Motive unterscheiden sich – noch. Die AfD, die sich gern als letzte Bastion gegen den politischen Islam geriert, entdeckt plötzlich ihre pazifistische Ader. Nicht aus Sympathie für die Mullahs, versteht sich, sondern aus Sympathie für das eigene Benzinpreisniveau. Außenpolitik, das ist für sie vor allem Heizkostenabrechnung mit Fernwirkung. Wer inte...

Zu „Bombenschütze des Tages: Stephan Grigat“ von Matthias Rude in der junge welt

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TL;DR: Rudes „Bombenschütze des Tages“ etikettiert statt zu analysieren. Zitate ersetzen Kontext, Metaphern die Auseinandersetzung. Wer Grigat kritisiert, müsste seine Bedrohungsanalyse prüfen – nicht ihn zum Typus erklären. So bleibt Polemik ohne Vergleich und Positionsbekundung ohne Argument. Wie politische Parteinahme zur publizistischen Gefolgschaft wird – und Analyse im Dienst der Frontstellung verschwindet Matthias Rude hat mit seinem Text „ Bombenschütze des Tages: Stephan Grigat “ nicht einfach eine Kritik an Stephan Grigat geschrieben. Er hat eine Figur gebaut. Und wie bei solchen Figuren üblich, ist sie weniger ein Gegenstand der Analyse als ein Träger der Abneigung. Der Titel setzt den Ton: „Bombenschütze des Tages“. Das ist keine These, sondern ein Etikett. Wer so einsteigt, will nicht prüfen, sondern festlegen. Man könnte auch sagen: Der Text weiß schon, was er von seinem Gegenstand zu halten hat, bevor er ihn zitiert. Rude schreibt, Grigat habe „schon 2007 ‚geziel...

Unter dem Teppich

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TL;DR: Frankfurt streitet vor der Wahl am 15. März nicht über Mieten, sondern über Antisemitismus bei DIE Linke. Nach „United4Gaza“, Tweet-Skandal und Ausladung durch die Jüdische Gemeinde steht die Frage im Raum: Blindheit oder Problem? Wer eine ‚Antifaschistische‘ Partei sein will, muss hier Klarheit schaffen. Wie Frankfurt am Main über Antisemitismus streitet – und warum das Problem größer ist als eine Partei Der Frankfurter Kommunalwahlkampf 2026 hat ein Thema, das sich nicht plakatieren lässt: Antisemitismus. Nicht der von rechts, der ist politisch eingepreist. Sondern der linke, der sich als Menschenrecht tarnt und als Israelkritik auftritt. Er riecht nicht nach Springerstiefeln, sondern nach Weltgewissen. Und genau deshalb wird er so verbissen bestritten. Den Satz, der die Debatte auslöste, schrieb nicht die CDU, nicht die FAZ, sondern Jutta Ditfurth. Unter der Überschrift „ Unter dem Teppich reformistischen Wohlverhaltens brodelt der Antisemitismus “ behauptet sie, im  ...