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Wenn antizionistische Empörung Realität formt

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TL;DR: Wenn antizionistische Empörung Realität formt: Aus „fehlenden Leichen“ wird „Verdampfung“, aus Bericht Anklage, aus Tragödie Weltbild. Moral ersetzt Physik, Dramaturgie ersetzt Prüfung. Wer Gewissheit produziert, bevor Beweise geprüft sind, gefährdet journalistische Glaubwürdigkeit. Über moralische Gewissheit, politische Dramaturgie und den Verlust journalistischer Maßstäbe oder Wenn moralische Empörung die Physik ersetzt und Antizionismus zur Erzählung gerinnt Es gibt Texte, die berichten. Und es gibt Texte, die bezeugen. Der Al-Jazeera-Beitrag „ Israel used weapons in Gaza that made thousands of Palestinians evaporate “ vom 10. Februar 2026 will beides zugleich sein – Reportage und Anklage, Forensik und Tribunal. Das Ergebnis ist ein Lehrstück darüber, wie Journalismus ins Rutschen gerät, wenn er sich nicht mehr mit der Wirklichkeit begnügt, sondern sie dramaturgisch zuspitzt. „ 2.842 Palästinenser … ‚verdampft ‘“, heißt es dort, dokumentiert vom Zivilschutz in Gaza. Kei...

„Hyper-Zionism“: Erlösung als Argument

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TL;DR: „Hyper-Zionism“ erklärt Deutschlands Israel-Politik zur Erlösungsneurose und wittert „Zionist McCarthyism“. Doch wo Belege nötig wären, stehen Metaphern & Fake-News . Wer Daten ignoriert um Motive zu „beweisen“, betreibt weniger Kritik als Umcodierung der Debatte. Haltung ersetzt kein Argument. Ein Buch tut so, als zerlege es einen ideologischen Block. Tatsächlich errichtet es selbst einen. „Hyper-Zionism“ will abrechnen. Mit Deutschland. Mit seiner Erinnerung. Mit seiner Haltung zu Israel. Hans Kundnani eröffnet den Band mit der Behauptung, Deutschland betreibe eine „quasi-redemptive politics“ gegenüber Israel. Unterstützung Israels erscheine als „means of moral purification“. Das klingt analytisch. Es ist aber weniger Analyse als Motivunterstellung. Wer Israels Existenzrecht bejaht, wird hier nicht politisch verortet, sondern psychologisch erklärt. Politik schrumpft zur Therapie. Man kann das versuchen. Aber man müsste dann zeigen, dass diese „Erlösungspolitik“ konsi...

Die Gewissheit der Selbstgerechten

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  TL;DR: Wenn linke Politik aufhört zu fragen und beginnt, sich moralisch sicher zu sein, wird Geschichte zur Ressource und Kritik zum Bekenntnis. Antizionistische Gewissheit ersetzt Analyse – und reproduziert, was sie bekämpfen will. Wie ein linker Arbeitskreis Israel erklärt – und sich selbst dabei erlöst Man erkennt politische Programme nicht nur an dem, was sie fordern, sondern an dem, was sie nicht mehr fragen. Wenn Zweifel verschwinden, beginnt die Gewissheit. Und wo Gewissheit regiert, ist Denken nur noch Staffage. Das Selbstverständnis der LAG Palästinasolidarität Baden-Württemberg liest sich wie ein Dokument dieser Gewissheit: geschlossen, eindeutig, moralisch aufgeräumt. Wer hier spricht, weiß bereits, wer Täter ist, wer Opfer, wer auf der richtigen Seite der Geschichte steht – und wer nicht. Schon der Einstieg setzt den Ton. Die LAG sei eine „offene Arbeitsgemeinschaft“, heißt es, offen allerdings nur in der Form, nicht im Inhalt. Man setze sich ein für die „ Beend...

Epstein, Israel und die Abkürzung des Denkens

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TL;DR:  Epsteins Akten zeigen globale Elitennetzwerke, kein israelisches Komplott. FBI-Dokumente protokollieren Gerüchte, keine Beweise. Aus Herkunft oder Namen wie Rechtsextreme Amerikaner wie Tucker Carlson oder Deutsche Linke eine „Nähe zum Mossad“ zu destillieren ist keine Aufklärung, sondern Projektion. Jeffrey Epstein war vieles: ein Serienverbrecher, ein Pädophiler, ein Zyniker der Macht, ein Nutznießer elitärer Gleichgültigkeit. Was er nicht war: der Beweis für eine jahrhundertealte Erzählung, die immer dann aus der Mottenkiste geholt wird, wenn Komplexität lästig wird. Dennoch scheint es für erstaunlich viele Menschen keine fünf Minuten zu dauern, bis aus einem amerikanischen Sexualstraftäter ein israelisches Komplott wird. Das Muster ist bekannt. Es beginnt mit einer scheinbar harmlosen Frage – „Warum wird darüber nicht gesprochen?“ – und endet zuverlässig bei Mossad, Israel oder „den Juden“. Dazwischen liegt kein Erkenntnisgewinn, sondern eine Abkürzung. Sie führt...

Die Wiederkehr des Judenmords

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TL;DR: Am 7. Oktober 2023 wurden Juden massakriert. Zwei Jahre später gilt nicht der Täter als barbarisch, sondern der Verteidiger als Kriegsverbrecher. Die Aufklärung ist dort gescheitert, wo man Vernichtung „Widerstand“ nennt – und die Geisel zum Schuldigen macht. Zur Regression der Aufklärung in linken Milieus nach dem 7. Oktober Es gibt Ereignisse, die die Zeit nicht nur in ein Davor und Danach spalten, sondern die auch das Gedächtnis in Geiselhaft nehmen. Der 7. Oktober 2023 ist so ein Tag. Für Israel war es ein Pogrom. Für die Hamas: ein Triumph. Für viele Linke im Westen: ein Betriebsunfall in der Argumentation. Denn während am Shabbat in israelischen Kibbuzim Menschen verbrannten, verstümmelt, vergewaltigt und entführt wurden – unter Allahu-Akbar-Rufen, die nicht nur zu Göttern sprechen wollten, sondern zur Weltöffentlichkeit –, verteilten Hamas-Anhänger*innen in Berlin- Neukölln - Süßigkeiten. Es war die Art von Empathie, die ihre eigene Abwesenheit feiert. Und es war ...

Wenn ein Liede zu Anklagen wird – Bruce Springsteenss "Streets of Minneapolis"

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Mit „Streets of Minneapolis“ erhebt Bruce Springsteen seine Stimme gegen staatliche Gewalt – für zwei Menschen, deren Leben im Januar 2026 durch ICE-Beamte brutal beendet wurde: Alex Pretti , ein 37-jähriger Intensivpfleger, und Renee Good , dreifache Mutter. In einer Stadt, die unter der winterlichen Kälte und politischem Frost gleichermaßen leidet, erinnert Springsteen an ihre Namen – und klagt die Realität eines gewaltsamen Einwanderungssystems an. „Und da waren blutige Fußspuren, wo Barmherzigkeit hätte stehen sollen…“ Pretti filmte die Konfrontation mit seinem Handy, wurde überwältigt – und erschossen. Good saß in ihrem Auto, als ein Schuss sie traf. Die Regierung sprach von „Selbstverteidigung“. Doch unabhängige Recherchen und Videoanalysen zeichnen ein anderes Bild. „Glaub bloß nicht deinen Augen, es ist unser Blut und unsere Knochen, unsere Pfeifen und Telefone gegen Millers und Noems schmutzige Lügen.“ Springsteen nennt Trump den „König“, seine Bundesbeamten eine „Pr...

Antisemitismus als Lackmustest – und „Die Linke“ fällt durch

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TL;DR:  Antisemitismus ist das ideologische Bindeglied unserer Zeit – das auszusprechen reicht, um die Linke ins ideologische Schneckenhaus zu treiben. Statt Debatte gibt’s Psychologisierung. Wer so reagiert, bestätigt nur, was er bestreiten will. Warum die Twitter-Austausch zwischen Andreas Büttner und Özlem Alev Demirel mehr verrät, als beiden lieb sein dürfte Manchmal reicht ein einziger Tweet, um den politischen Zustand einer ganzen Partei auf den Punkt zu bringen. Andreas Büttner, Mitglied der Linken in Brandenburg und dort auch Antisemitismusbeauftragter des Landes, wagte es, das Offensichtliche auszusprechen: „ Antisemitismus ist das ideologische Bindeglied unserer Zeit. Rechtsextreme, Linksextreme und Islamisten – drei Gruppen, die sonst nichts verbindet, außer der tief verwurzelte Hass auf Jüdinnen und Juden .“ Ein Satz, so klar wie unbequem. Denn wer sich dieser Diagnose stellt, muss mehr tun, als nur die Ränder der Gesellschaft zu beschimpfen. Er oder sie müsste in...