Posts

Der Antisemitismus, den das Kapital bestellt hat?

Bild
TL;DR: Springers Interesse an bestehenden Eigentumsverhältnissen ist real -   daraus folgt aber nicht, dass Antisemitismusvorwürfe gegen Teile der Linken falsch sind. Die Kolumne kritisiert die Reduktion der Debatte durch die junge welt & Schambergers auf Klasseninteressen ebenso wie pauschale Antisemitismusurteile des Zentralrates der Juden und anderer über die gesamte Partei Die Linke. Entscheidend ist die Differenzierung: Die Interessen des Anklägers entscheiden nicht über die Wahrheit der Anklage. Wer Springers Klasseninteresse erkennt, hat noch keinen Antisemitismusvorwurf widerlegt – denn die Interessen des Anklägers entscheiden nicht über die Wahrheit der Anklage Es gibt eine besonders bequeme Form der Gesellschaftskritik. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass die Gesellschaft am Ende weniger kompliziert aussieht als vorher. Kerem Schamberger liefert dafür in drei Sätzen das Taschenmodell : „ Es geht ihnen nicht um Antisemitismus. Es geht ihnen um die Verhinderung vo...

Der Fall Hannah Bruns!

Bild
TL;DR: Der Ausschlussantrag gegen Hannah Bruns ist mehr als ein Personalstreit der Berliner Linken. Er stellt die Frage, ob Antisemitismus auch dann erkannt und bekämpft wird, wenn er sich als Antikolonialismus und „Widerstand“ präsentiert – und ob ein Parteiausschluss wirkliche Selbstkritik ersetzt oder nur ein politisches Problem personell entsorgt. Der Ausschlussantrag gegen Hannah Bruns stellt die Berliner Linke vor eine unangenehme Frage: Gilt der Kampf gegen Antisemitismus auch dann, wenn er die eigenen Genossen etwas kostet? Es gibt Sätze, die durch Erläuterung nicht besser werden. „Ich werde mich von gar nichts distanzieren“ ist so einer. Hannah Bruns, Sprecherin der Berliner LAG Palästinasolidarität der Linken, sagte ihn im Juli 2025, nachdem ein Reporter wissen wollte, ob ih r „gerechtfertigter Kampf gegen das israelische Kolonialregime“ auch das Massaker der Hamas vom 7. Oktober 2023 einschließe. Man kann über politische Distanzierungsrituale einiges sagen. Parteien li...

Links sein schützt nicht vor Antisemitismus

Bild
TL;DR: Eine linke Haltung ist keine Immunisierung gegen Antisemitismus. Wo nicht konkrete israelische Politik kritisiert wird, sondern „der Zionismus“ zum allgegenwärtigen Feindbild gerät, kann Gesellschaftskritik in Ressentiment umschlagen. Eine emanzipatorische Linke muss deshalb beides zusammenbringen: die Rechte der Palästinenser verteidigen und jüdische Selbstbestimmung anerkennen. Solidarität mit Israel bedeutet dabei nicht, jede Entscheidung einer israelischen Regierung gutzuheißen. Es bedeutet zunächst, zwischen Kritik an einem Staat und der Forderung nach seiner Abschaffung zu unterscheiden. Links sein schützt nicht vor Antisemitismus: Warum linke Israelkritik palästinensische Rechte und jüdische Selbstbestimmung verbinden muss. Eine der bequemsten Erzählungen innerhalb der deutschen Linken lautet ungefähr so: Wer links ist, kann kein Antisemit sein. Antisemitismus, das ist etwas für Nazis, Rechte und Reaktionäre. Linke stehen gegen Rassismus, Faschismus und Kapitalismus,...

Der Antisemitismus, den man widerlegen kann

Bild
TL;DR: Nimrod Flaschenberg widerlegt den pauschalen Vorwurf, Die Linke sei eine antisemitische Partei. Doch damit ist die entscheidende Frage nicht beantwortet: Wie geht die Partei mit antisemitischen oder gewaltlegitimierenden Positionen in den eigenen Reihen um? Wer statt konkreter Vorfälle vor allem die Motive der Kritiker untersucht, verwechselt die mögliche Instrumentalisierung eines Vorwurfs mit dessen Widerlegung. Wer beweist, dass Die Linke keine antisemitische Partei ist, hat damit Antisemitismus in der Partei noch nicht widerlegt. Manchmal erledigt man eine unangenehme Frage am zuverlässigsten, indem man sie zunächst vergrößert. Aus der Frage, ob es in einer Partei antisemitische Akteure, Deutungsmuster oder politische Milieus gibt und wie die Organisation mit ihnen umgeht, wird die Behauptung: Diese Partei ist antisemitisch. Die ist leichter zurückzuweisen. Nicht alle Mitglieder sind Antisemiten, das Programm ist keines, die Führung erklärt sich dagegen – Fall geschlos...

Issa Remmo, ein jüdische Gütesiegel und Linker Antisemitismus

Bild
TL:DR: Der Besuch Issa Remmos auf einer öffentlichen Wahlparty beweist keine politische Nähe zur Linken. Interessanter ist, wie die Partei über sich selbst spricht: Wenn eine jüdische Kandidatin als Beleg für „Diversität“ präsentiert wird, wird ausgerechnet ihre Herkunft zum politischen Gütesiegel. Wer beurteilen will, ob die Linke ein Antisemitismusproblem hat, sollte deshalb weniger auf Partygäste als auf Aussagen, Bündnisse und politische Praxis schauen.  Issa Remmo auf einer Wahlparty beweist wenig. Aussagekräftiger wird es, wenn eine jüdische Kandidatin zum Diversitätsnachweis ihrer Partei gerät. Über Antisemitismus, Tokenismus und die sonderbare linke Sehnsucht nach dem richtigen Gütesiegel. Ja, die Berliner Linke hat eine Antisemitismusdebatte. Aber der Besuch Issa Remmos auf einer ihrer Wahlpartys beweist ungefähr so zuverlässig politische Nähe wie der Besuch eines Taschendiebs im KaDeWe dessen Geschäftsmodell. Die Feier war öffentlich zugänglich, Remmo nach Angaben...

DER SPIEGEL: Marx widerlegt, Linke erledigt?

Bild
TL;DR: Christian Reiermann erklärt linke Reformpolitik kurzerhand zum Marxismus und deren vermeintliches Scheitern zur Widerlegung von Marx. Doch wer Mietpolitik, Umverteilung und Staatsintervention mit Marx’ Kapitalismuskritik gleichsetzt, widerlegt vor allem ein selbst geschaffenes Zerrbild. Christian Reiermann erklärt in Der Spiegel vom 17. September unter dem Titel "Die drei Lebenslügen von Reichinnek, Eralp und Mamdani" Reformpolitik zur Wiederkehr des Marxismus à la DDR – und widerlegt dann Marx mit den Fehlern eines Programms, das er ihm selbst erst zugeschrieben hat. Christian Reiermanns Polemik beginnt mit einem Gespenst und endet mit einem Kalauer. Dazwischen liegt eine geradlinige Beweisführung: Die neue Linke fordert Enteignungen, Umverteilung und mehr Staat; Marx gilt als geistiger Ahnherr; historische sozialistische Staaten scheiterten; also seien Marx und die heutigen Linken gemeinsam widerlegt. Der Text formuliert das ohne Zögern: „Es gibt wenig, was gr...

Huthi-Siege als gute Nachricht? Der irritierende Antiimperialismus der SAV

Bild
TL;DR: Die SAV beschreibt den Vormarsch der Huthis ausführlich als Niederlage der USA und Saudi-Arabiens. Ihr islamistischer, patriarchaler und antisemitisch aufgeladener Charakter rückt dagegen erst spät ins Zentrum. Die Polemik fragt, was von marxistischer Gesellschaftskritik übrig bleibt, wenn geopolitische Frontstellungen wichtiger werden als die Verhältnisse, für die eine Bewegung selbst steht. Im Artikel „Offensive der ‚Huthis‘ im Jemen: Schwere Niederlage für Saudi-Arabien“ von Claus Ludwig auf Sozialismus.info der Sozialistischen Alternative (SAV) erscheint der Vormarsch der Huthis vor allem als schwere Niederlage des US-geführten Machtblocks. Ihr reaktionärer gesellschaftlicher Charakter rückt erst dort ins Zentrum, wo eine marxistische Analyse eigentlich enden müsste. Eine Niederlage hat die Sozialistischen Alternative (SAV) auf Sozialismus.info zu vermelden – und nicht irgendeine . Saudi-Arabiens Armee sei „zahnlos“, der amerikanische „Schutzschirm für die Golfstaaten...