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Die letzten Deutschen

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  TL;DR:  Höcke sortiert „Deutsche“ wie Ware: West als amerikanisiert, Ost als angeblich unverfälschtes Reservat. Das ist keine Analyse, sondern ein Nationalmythos mit Verschwörung, Untergangspathos und dem Wunsch, Auschwitz aus dem Weg zu räumen. Imaginäres Volk, reale Feinde. Björn Höcke findet ein Volk – und zwar dort, wo es am verlässlichsten ist: in seinem Kopf. Nun hat Björn Höcke also inventarisiert. Er stellt die Deutschen in zwei Regale: hier die bloß noch „deutsch sprechenden Amerikaner“, dort – bevorzugt jenseits der Elbe – die „deutsch sprechenden Deutschen“. Man muss erst einmal auf die Idee kommen, einen Satz so zu bauen, dass er zugleich nichts sagt und alles behauptet. Die Rechte schafft das mit der Routine des schlechten Handwerks. Höcke redet von „Deutschland“ wie ein Antiquar von einer angeblich unersetzlichen Vase: einmal makellos, dann angeknackst, schließlich von fremden Fingern beschmutzt. Der politische Gehalt dieser Erzählung ist alt und unerquicklich:...

Der „Versöhner“ Höcke und die Bühne „Weltwoche“

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TL;DR: Der Weltwoche-Podcast von Roger Köppel mit Björn Höcke wirkt weniger durch neue Inhalte als durch seine Inszenierung. Höckes bekannte Positionen erscheinen in einem intellektuellen, kultivierten Rahmen als legitime Kulturkritik statt als politische Radikalität. Kritisiert wird vor allem, dass das Interview zentrale Annahmen – etwa die Erzählung einer deutschen „Identitätskrise“ – weitgehend übernimmt und dadurch zur Normalisierung rechter Narrative beiträgt. Wie ein Gespräch politische Radikalität in intellektuelle Gelassenheit verwandelt   Wenn der Podcast der Zeitung Weltwoche Björn Höcke mit den Worten „ Ich bin der Versöhner “ Titelte, ist der Dreh schon gesetzt, bevor er den ersten Satz sagt. Das Interview beginnt mit Kulisse und Licht. Der Mann, der seit Jahren als einer der schärfsten Akteure der deutschen Rechten gilt, kommt nicht als Krawallmacher, nicht als Dauerprovokation, nicht als Funktionär einer Partei, deren Verhältnis zum demokratischen Pluralismus i...

Die letzte Gewissheit der autoritären Linken: Israel als Weltformel

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TL;DR: Der Antrag G.36 der AKL zum Potsdamer Parteitag der Partei Die Linke ist weniger eine Analyse des Nahostkonflikts als Ausdruck einer  autoritären  Denkweise. Er ordnet komplexe Widersprüche in ein einfaches Schema von Herrschaft und Widerstand ein und macht Israel zum zentralen Symbol imperialer Macht. Die Kolumne fragt, ob diese politische Grammatik den Konflikt noch erklärt – oder vor allem die Krise von Teilen Linken selbst offenlegt. Wie der Antrag G.36 der Antikapitalistischen Linken und Anderer die Rückkehr eines antiimperialistischen Denkens markiert, das mehr über den Zustand der v on Teilen deutschen Linken verrät als über Israel, Palästina und Antisemitismus Manche politischen Texte geben vor, die Welt zu erklären. Andere legen, oft unfreiwillig, ihre Autoren offen. Der Antrag G.36 „Für gleiche Rechte in Westasien – gegen jeden Rassismus und Antisemitismus “, eingebracht von Strömungen der Partei Die Linke, gehört entschieden zur zweiten Sorte. Forma...

Die Polemik ersetzt den Beleg

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  TL;DR: Der Artikel über Nicholas Potter setzt auf Spott, Zuschreibungen und politische Gewissheiten, liefert für seine schwersten Vorwürfe jedoch kaum Belege. Die Polemik ist sprachlich wirkungsvoll, argumentativ aber oft dünn. Dadurch entlarvt sie weniger ihren Gegenstand als ihre eigene Methode. Zu Susann Witt-Stahls Porträt über Nicholas Potter – und zu einer Methode, die ihr Urteil stets schon kennt Susann Witt-Stahls Text über Nicholas Potter („ Linker Journalist des Tages: Nicholas Potter “ in der junge welt vom 29.05.2026) möchte ein Porträt sein. Tatsächlich ist er etwas anderes: eine Anklageschrift, die ihren Angeklagten längst verurteilt hat und deshalb glaubt, auf den Nachweis der Schuld verzichten zu können. Das Problem beginnt bereits mit dem ersten Satz. Potter habe die „ Gaza-Genozidlüge “ entlarvt. Das Wort ist hier nicht Ergebnis einer Argumentation, sondern deren Voraussetzung. Die Autorin erklärt eine politische und juristische Streitfrage zur ausgemachten...

Und Geld stinkt doch

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TL;DR: Die GdP Rheinland-Pfalz trennt sich von einem AfD-Fördermitglied und überweist den Beitrag zurück – ein spätes, aber klares Signal: Demokratie lässt sich nicht mit völkischem Geld vereinbaren.  Die GdP Rheinland-Pfalz hat etwas entdeckt, das in dieser Republik oft als Zumutung gilt: Man kann nicht gleichzeitig demokratische Interessenvertretung sein und sich von AfD-Funktionären aushalten lassen, also schmutziges Geld annehmen. Eine Einsicht, für die andere bekanntlich erst dann reif sind, wenn der Laden schon brennt. Horst Wollenweber, AfD-Mandatsträger aus Westerburg, verliert seine Fördermitgliedschaft. Nicht wegen schlechten Benehmens. Nicht wegen falschen Parkens. Sondern weil selbst eine Polizeigewerkschaft irgendwann merkt, dass zwischen „konservativ“ und „völkisch“ mehr liegt als ein missratener Witz am Tresen. Unangenehm wird es, sobald man das Umfeld betrachtet. Wollenweber und sein Sohn Bailey bewegen sich im Netzwerk um Joachim Paul – jenem Milieu also, das...

Der Sozialdemokrat als nützlicher AfD-Türöffner

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TL;DR: Albigs „pragmatischer“ Vorstoß zur AfD-tolerierten Minderheitsregierung ist weniger neu als nützlich – für rechte Medien. Sie feiern ihn, weil er die Brandmauer sprachlich erodiert und die AfD weiter normalisiert Torsten Albig, die SPD und die politische Sehnsucht nach Gewöhnung Politische Verschiebungen erkennt man oft nicht am Argument, sondern am Applaus. Torsten Albig, einst Ministerpräsident in Schleswig-Holstein und lange als SPD-Zukunft gehandelt, riet seiner Partei im Mai 2026, sich auch auf von der AfD geduldete Minderheitsregierungen einzulassen. Das Echo kam pünktlich: in der SPD Empörung, bei der AfD Zustimmung, und rechts außen stellte man schon den Sekt kalt. Dabei ist an Albigs Vorschlag kaum etwas überraschend. Neu war vor allem, wer ihn sofort als Zeichen las – als Einladung. Der Jubel der falschen Freunde Süddeutsche Zeitung und ZDF heute behandelten Albigs Aussagen als parteiinternen Krach und als Risiko für die demokratische Abgrenzung. NIUS un...

Das Ressentiment kommentiert mit

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TL;DR: Die Distanzierung des Zentralrats der Juden in Deutschland von Itamar Ben-Gvir hätte ein Beispiel politischer Differenzierung sein können: Eine jüdische Institution kritisiert öffentlich einen rechten israelischen Minister. Doch im Facebook-Kommentarbereich wird daraus binnen Stunden ein Tribunal gegen „die Juden“, „Israel“, „die Medien“ und angebliche jüdische Machtstrukturen. Die Kolumne zeigt, wie antisemitisches Ressentiment gerade durch solche Distanzierungen aktiviert wird, weil es keine Widersprüche akzeptiert, sondern jede Differenz sofort als Täuschung deutet. Aus legitimer Kritik an Politik wird ethnische Zuschreibung, aus Analyse moralische Totalisierung. Der moderne Antisemitismus erscheint dabei selten offen, sondern tarnt sich als Medienkritik, Elitenverdacht oder vermeintig mutiges „Aussprechen“. Soziale Medien verstärken diese Dynamik, weil sie Vereinfachung belohnen und Differenzierung verdächtig machen. Wie aus der Distanzierung des Zentralrats der Juden in D...