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Afghanistan: Der zweite Verrat

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TL;DR: Fünf Jahre nach der Machtübernahme der Taliban wird aus dem Versagen von 2021 politische Normalität: Damals ließen die demokratischen Staaten ihre afghanischen Verbündeten zurück, heute suchen sie aus geopolitischen, wirtschaftlichen und migrationspolitischen Interessen wieder die Nähe zum Taliban-Regime. Während Frauen und Mädchen entrechtet und Kritiker verfolgt werden, schwindet die internationale Isolation der Islamisten. Besonders zynisch ist die Rückkehrpolitik: Wer Menschen in ein von den Taliban beherrschtes Afghanistan abschiebt, setzt den Verrat von 2021 mit anderen Mitteln fort. Notwendige humanitäre Kontakte dürfen nicht zur politischen Normalisierung werden. Kommentar zum 5. Jahrestag des 15. August 2021 und zur Normalisierung der Taliban-Herrschaft Am 15. August 2021 nahmen die Taliban Kabul. Wenig später saßen ihre Kämpfer im Präsidentenpalast und verkündeten einen Sieg, den sie sich gewiss erkämpft hatten, den ihnen aber andere erst ermöglichten. Die demokrat...

Freiheit für die Rolex

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TL;DR: Die NZZ macht aus Klingbeils halbherzigem Vorgehen gegen kriminelles Vermögen einen Angriff auf die Freiheit. Ihr Freiheitsbegriff verrät die Schieflage: Gefährdet erscheint der Besitz durch den Staat – nicht die Freiheit der Besitzlosen gegenüber der Macht des Eigentums. Klingbeil will kriminelles Vermögen leichter festsetzen. Die NZZ entdeckt darin den Anfang vom Ende der Freiheit – und verrät dabei vor allem, welche Freiheit ihr besonders teuer ist. Es gehört zu den zuverlässigsten Reflexen des Bürgertums, die Freiheit dort in Gefahr zu sehen, wo das Eigentum Unannehmlichkeiten bekommt. Lars Klingbeil möchte dem Zoll erlauben, Vermögen unter bestimmten Voraussetzungen auch dann sicherzustellen, wenn noch kein Strafverfahren läuft. Darüber kann und muss man rechtsstaatlich streiten. Wer Eigentum festsetzt, braucht Gründe, Regeln, Kontrolle und Widerspruchsmöglichkeiten. Der Staat wird nicht dadurch vertrauenswürdig, dass ein Sozialdemokrat ihn „gerecht“ nennt. Der NZZ g...

Der Vorwurf und die Wahrheit

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TL;DR: Die Kolumne kritisiert eine Schieflage im Gespräch von Peter Merg mit Gerhard Hanloser: Der Antisemitismusvorwurf wird als mögliches Herrschaftsinstrument ausführlich analysiert, linker Antisemitismus dagegen als „Dummheit“ oder „Ausnahme“ verharmlost. Beides kann zugleich wahr sein: Der Staat kann Antisemitismusvorwürfe repressiv instrumentalisieren – und der konkrete Vorwurf kann trotzdem zutreffen. Entscheidend ist deshalb zuerst die Frage nach seinem Wahrheitsgehalt, erst danach nach Interessen und politischer Verwendung. Der Antisemitismusvorwurf kann zum Instrument staatlicher Repression werden. Daraus folgt nicht, dass er falsch ist. Das Gespräch von Peter Merg mit Gerhard Hanloser zeigt, wie notwendige Kritik deutscher Staatsräson in linke Selbstentlastung umschlagen kann. Zum Gespräch „ Was bislang ein Diskurs war, hat sich verpolizeilicht „ von Peter Merg   für die junge welt mit Gerhard Hanloser Gerhard Hanloser hat für eine reale Entwicklung ein brauchbares...

Heidegger im Bioladen

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TL;DR: Die taz präsentiert Martin Heidegger als bedeutenden Philosophen und frühen Kritiker von Technik, Wachstum und Naturzerstörung. Dabei droht sein Antisemitismus zur Randnotiz zu werden. Die Kolumne warnt: Heidegger muss gelesen werden – aber ohne seine völkischen Begriffe und die antisemitischen Strukturen seines Denkens von seiner Philosophie zu trennen. Philosophische Größe verleiht keine politische Immunität. Wie aus dem Philosophen des Seins ein Kronzeuge der ökologischen Moderne wird – und warum die linke Begeisterung für seine Technikfeindschaft bisweilen dort endet, wo die Frage nach seinem Antisemitismus erst beginnt. Es gibt in Deutschland kaum eine verlässlichere kulturelle Bewegung als die periodische Wiederkehr Martin Heideggers. Alle paar Jahre steigt der Schwarzwälder Denker metaphysisch nach dem Willen seiner Apologeten aus seiner Hütte herab, diesmal nicht als Existenzphilosoph, nicht als Prophet der Eigentlichkeit und auch nicht als Rektor des Jahres 1933 d...

Die Tote und die Tagesordnung

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TL;DR: Am Tod der 20-jährigen Fußballerin Faten Ben Amar El Aziz wird gezeigt, wie Europas Migrationspolitik Menschen zu Zahlen und Sicherheitsproblemen macht. Während über Grenzschutz, Rückführungen und Schengen beraten wird, geraten individuelle Schicksale, politische Ursachen und Europas Mitverantwortung aus dem Blick. Gefordert werden sichere Zugangswege, rechtsstaatliche Verfahren und eine Politik, die Menschenwürde nicht vom Pass abhängig macht. Faten Ben Amar El Aziz war zwanzig Jahre alt, Fußballerin und ein Mensch mit Zukunft. In der Sprache europäischer Innenpolitik wurde sie mit ca. 60.000 anderen Menschen aus Afrika zu jemanden dessen „Grenzübertritt die europäische Außengrenze infrage stell", zum Sicherheitsproblem, zur Zahl unter 88 Toten. Während ihre Familie trauert, berät Europa darüber, wie es sich noch wirksamer gegen Menschen wie sie verteidigen kann. Auf der einen Seite des Mittelmeers liegt d er Körper einer jungen Frau, die schwimmend Ceuta erreichen wol...

Der Antiimperialismus und die Juden

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TL;DR: Teile des westlichen Antiimperialismus kritisieren Israel nicht nur, sondern machen es zum Symbol für Imperialismus, Kapitalismus und Kolonialismus. Dadurch wird Antizionismus mit antisemitischen Denkmustern verknüpft und komplexe politische Realitäten auf ein moralisches Schwarz-Weiß-Schema reduziert. Wie Teile einer Linken, die den Menschen befreien wollte, im Antizionismus den zuverlässigsten Ersatz für verlorene Gewissheiten fanden Der westliche Antiimperialismus hat viele Niederlagen erlitten. Die Revolution kam nicht, die Arbeiterklasse blieb widerspenstig unhistorisch, und selbst der Kapitalismus erwies sich als weniger höflich, als nach der Lektüre einiger Flugblätter zusammenzubrechen. Geblieben ist in Teilen des antiimperialistischen Milieus eine Welterklärung, die mit der Wirklichkeit ungefähr so verfährt wie ein schlecht sortierter Werkzeugkasten: Was nicht passt, wird passend geschlagen. Israel nimmt in diesem System eine privilegierte Stellung ein. Der jüdische...

Ceuta und der alte Verdacht im neuen Gewand

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TL;DR: Die Ceuta-Krise wurde zur Grundlage einer von Rechten und Linken verbreiteten Verschwörungserzählung, nach der Israel und die USA den Grenzansturm organisiert hätten. Der Artikel zeigt, wie aus politischen Spannungen vermeintliche Beweise werden und wie der alte Verdacht einer verborgenen jüdischen Macht im Vokabular des Antizionismus wiederkehrt. Entscheidend ist nicht die Härte der Kritik an Israels Politik, sondern ob sie konkrete Handlungen belegt oder Israel zum universellen Drahtzieher erklärt. Wie die Ceuta-Krise zur Projektionsfläche wurde – und warum aus Kritik an Israels Politik eine Theorie vom allmächtigen Drahtzieher werden kann Zehntausende Menschen durchbrachen am 30. und 31. Juli 2026 die Grenze zwischen Marokko und der spanischen Exklave Ceuta; mindestens 57, später 67 Tote wurden gemeldet. Während spanische Behörden Schleusernetzwerke, soziale Not und die Fehlinterpretation eines Gerichtsurteils als Ursachen nannten, verbreiteten Politiker, Aktivisten und pro...