Wenn Antizionismus zur Straßenpatrouille wird
TL;DR: Kritik an Israel ist legitim. Wer aber behauptet, Teile einer Stadt seien von „parasitär israelischem Kapital infiltriert“, und Menschen willkürlich als „Zionisten“ markiert, macht sie kollektiv zu Feinden. Damit tritt an die Stelle von Kapitalismuskritik eine Personalisierung gesellschaftlicher Widersprüche. Das ist keine linke Analyse, sondern falsche Kapitalismuskritik mit strukturell antisemitischem Muster. Die „antizionistische Patrouille“ in Thessaloniki zeigt, wie schnell legitime Kritik an israelischer Politik in etwas anderes kippen kann: Nicht mehr das Kapitalverhältnis wird kritisiert, sondern „das israelische Kapital“. Damit verschiebt sich der Blick weg von ökonomischen Strukturen und hin zu einer national markierten Gruppe. Genau darin liegt das klassische Muster strukturellen Antisemitismus. Schon die Bezeichnung der Aktion ist aufschlussreich. Die Organisatoren sprechen von einer „antizionistischen Patrouille“. Patrouillen gehen nicht in eine Debatte. ...