Posts

Die Kapitulation der Unbeugsamen

Bild
TL;DR:  Die Antikapitalistische Linke (AKL) erklärt die Berliner Verständigung zum Kampf gegen Antisemitismus zur politischen Kapitulation. Dabei hatte Die Linke wesentliche Verpflichtungen längst selbst beschlossen. Wer Antisemitismusvorwürfe pauschal als Koalitionsintrige abtut, ersetzt Gesellschaftskritik durch Selbstentlastung. Die eigentliche Bewährungsprobe einer linken Regierung liegt nicht in ihrer Empörung über SPD und Grüne, sondern im Konflikt mit Eigentum, Kapital und gesellschaftlicher Macht. Sozialismus beginnt nicht mit der richtigen Gesinnung – und Antisemitismus verschwindet nicht durch sozialistische Bekenntnisse. Über die Berliner Linke, die Angst vor dem Regieren und einen Antikapitalismus, der vor allem an sich selbst glaubt. Die Berliner Linke hat eine Wahl gewonnen, und schon herrscht unter ihren Antikapitalisten die Stimmung, als sei die Revolution verloren. Nicht etwa, weil die Immobilienkonzerne enteignet, die Banken verstaatlicht oder die Produktionsv...

Die Einheit der Unbelehrbaren

Bild
TL;DR: Die Erklärung „Niemals alleine, immer gemeinsam“ beklagt die Spaltung der Linken, weicht aber einer konkreten Prüfung von Antisemitismusvorwürfen aus. Unter Berufung auf Lenins Kritik an abstrakter Kompromisslosigkeit zeigt der Kommentar, wie politische Prinzipientreue zur Denkverweigerung verkommt, wenn Solidarität wichtiger wird als die Auseinandersetzung mit den eigenen Widersprüchen.   „ Ein Rezept oder eine allgemeine Regel, brauchbar für alle Fälle („keinerlei Kompromisse“!), fabrizieren zu wollen wäre Unsinn. “ W. I. Lenin, Der „linke Radikalismus“, die Kinderkrankheit im Kommunismus, Kapitel VIII: „Keinerlei Kompromisse?“ (1920). Wie eine Erklärung gegen die angebliche Spaltung der Linken den Antisemitismus zur Nebensache erklärt und politische Solidarität mit der Pflicht zur gemeinsamen Selbsttäuschung verwechselt. Wer wissen möchte, wie eine Partei ihre politische Urteilskraft gegen die Gewissheit eintauscht, im Besitz der richtigen Gesinnung zu sein, dem...

Die Linke, wie sie leibt und lebt

Bild
TL;DR: Die Linke zerlegt sich lieber selbst, als politische Macht zu organisieren. Während Funktionäre ihre Ohnmacht beklagen und rote Linien beschwören, profitiert womöglich die CDU. Die Wählerschaft wollte Elif Eralp und bekam Martha Kleedörfer. Haltung ersetzt keine Politik.   Die Wählerschaft wollte Elif Eralp. Sie bekam Martha Kleedörfer. Und am Ende womöglich einen CDU-Bürgermeister. Es gehört zu den zuverlässigsten Leistungen der deutschen Linken, dass sie ihre Niederlagen noch dann als moralische Siege zu verkaufen versteht, wenn sie gerade dabei ist, dem politischen Gegner das Rathaus aufzuschließen. Man hat schließlich Haltung. Und wo Haltung ist, muss Politik nicht unbedingt stattfinden. Martha Kleedörfer ist erschüttert. Das Papier sei unzureichend, die Verhandlungen enttäuschend, die eigenen Leute hätten sich unterworfen. Man habe sie nicht ausreichend informiert, ihr Dokumente vorenthalten, die Sozialdemokraten hätten womöglich etwas an die Presse durchgestoch...

CDU – oder: Antisemitismus ist nicht verhandelbar, außer in eigener Sache

Bild
 TL;DR:  Die CDU verurteilt den Antisemitismus in der Linken, verdrängt aber die NS-Kontinuitäten ihrer eigenen Geschichte und stimmt in Heidenau mit der AfD gegen weitere Stolpersteine. Wer Antisemitismus zum moralischen Ausschlusskriterium erklärt, muss sich selbst daran messen lassen. Sonst wird aus historischer Verantwortung parteipolitische Heuchelei. Über Antisemitismus als politische Waffe der CDU, verdrängte NS-Kontinuitäten und die Doppelmoral einer Partei, die anderen historische Verantwortung predigt, aber ihre eigenen Maßstäbe selektiv anwendet. Die CDU hat eine Entdeckung gemacht: den Antisemitismus. Nicht den eigenen, versteht sich, sondern den der anderen. „ Antisemitismus ist nicht verhandelbar! Er darf nicht relativiert oder verharmlost werden. Er muss zurückgedrängt und bekämpft werden. Die geplante Zusammenarbeit von SPD und Grünen mit der Linken in Berlin ist ein schwerer politischer Fehler. “ Ein prächtiger Grundsatz. Man möchte ihn der CDU über ...

Die Toten, die nicht ins Weltbild passen

Bild
TL;DR: Am Jahrestag des Hamas-Massakers vom 7. Oktober veröffentlicht die Linken-Abgeordnete Stella Merendino einen Beitrag über israelische Kriegsverbrechen, ohne die ermordeten jüdischen Menschen oder die verschleppten Geiseln zu erwähnen. Der Kommentar kritisiert diese selektive Erinnerungskultur: Wer universelle Menschlichkeit beansprucht, darf jüdisches Leid nicht ausblenden.   Wie Stella Merendino, Bundestagsabgeordnete der Partei Die Linke, am Jahrestag des antisemitischen Massakers vom 7. Oktober das Leid jüdischer Menschen übergeht – und damit die Frage aufwirft, wie viel die vielbeschworene universelle Menschlichkeit wert ist, wenn sie ausgerechnet jüdischen Menschen nicht gilt. Am gestrigen 7. Oktober wurden wir wieder daran erinnert, dass das Leid jüdischer Menschen in Deutschland nicht nur auf Anteilnahme stößt, sondern auch auf Gleichgültigkeit, Verharmlosung und jene besondere Form moralischer Selbstgerechtigkeit, die sich für Solidarität hält, solange sie n...

Wie Deutschland seinen ersten rechtsextremen Landtagspräsidenten seit 1945 bekam

Bild
TL;DR:   Die Brandmauer fällt nicht mit einem Knall. Sie fällt Abstimmung für Abstimmung – und während die AfD in die Staatsämter einzieht, gratuliert selbst die Linke artig. Clara Zetkin wusste 1932 noch, dass Antifaschismus etwas anderes ist. Wie aus der Brandmauer gegen die extreme Rechte Stein für Stein ein roter Teppich in die Staatsämter wird. Die Brandmauer hat in Sachsen-Anhalt gehalten! Die AfD sitzt jetzt dahinter. Mit Tobias Rausch ist erstmals seit 1945 ein Vertreter der extremen, in Teilen Faschistischen Rechten Präsident eines deutschen Landesparlaments geworden. 48 Abgeordnete wählten ihn. AfD und BSW verfügen zusammen über 44 Abgeordnete. Den Rest besorgten warscheinlich Abgeordnete jener Partei, deren wichtigste politische Leistung im Kampf gegen rechts bisher darin bestand, regelmäßig zu versichern, mit rechts nichts zu tun zu haben. Man wird nun nach den Abweichlern suchen. Als wäre das Problem gelöst, sobald die CDU ihre schwarzen Schafe gefunden hat...

Antisemitismus kommt vor. Nur begriffen wird er nicht.

Bild
TL;DR: Der Parteivorstand der Partei Die Linke erwähnt in seinem Beschluss Antisemitismus, begreift aber seine Besonderheit nicht. Die Kolumne kritisiert, dass er im allgemeinen Raster von Rassismus und Diskriminierung aufgeht. Dabei kann Antisemitismus seine Opfer gerade als mächtig imaginieren und sich als Kapitalismus-, Macht- oder Herrschaftskritik tarnen. Wer diese Struktur nicht versteht, erkennt womöglich das Wort, aber nicht die Ideologie. Wie der Parteivorstand der Linken den Antisemitismus in seinen Antirassismus einsortiert – und dabei seine gesellschaftliche Spezifik, seine mörderische Geschichte und seine Fähigkeit verfehlt, sich als Kapitalismus-, Macht- und Herrschaftskritik zu verkleiden. Die einfachste Kritik am Beschluss des Parteivorstands der Linken „Antirassismus ist keine Identitätspolitik“ wäre die Behauptung, die Partei habe den Antisemitismus vergessen. Sie wäre auch die bequemste, denn sie ließe sich mit einem Zitat erledigen. Antisemitismus steht drin....