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Warum ich Die Linke nicht wähle – obwohl der Wahl-O-Mat es mir nahelegt

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TL;DR: Warum ich Die Linke Baden-Württemberg nicht wähle – trotz 100 % Wahl-O-Mat:  Wer Antisemitismus im eigenen Milieu verharmlost oder übersieht, verliert den emanzipatorischen Anspruch. Sozialpolitik teile ich. Geschichtsbewusstsein fehlt. Antifaschismus ohne Juden bleibt leer. Warum ich trotz 100 % Übereinstimmung im Wahl-O-Mat die Linke in Baden-Württemberg nicht wählen werde Der Wahl-O-Mat ist ein merkwürdiges Instrument. Er misst politische Nähe wie ein Thermometer Fieber: in Grad, nicht in Gründen. Mein Ergebnis ist seit Jahrzehnten stabil. Die höchste Übereinstimmung: Die Linke. Und dennoch werde ich sie diesmal nicht wählen. Nicht trotz, sondern wegen dieses Ergebnisses. Denn selten hat ein politischer Befund so klar gezeigt, dass Übereinstimmung in Positionen nicht dasselbe ist wie Übereinstimmung in Prinzipien. Die Broschüre Was ist Sozialismus heute? von Bernd Riexinger und Raul Zelik liefert eine Art theoretischen Hintergrund für das, was sich programmatis...

Die neue Volksfront von Dresden bis Gaza

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T L;DR: „Gestern Dresden – heute Gaza“: Wenn Neonazis Israel als „Völkermörder“ brandmarken und Linke ihnen rhetorisch Beifall klatschen, verschwimmt die Grenze. Wer Israel zum „Genozid“-Projekt erklärt, betreibt keine Kritik, sondern Delegitimierung – und entsorgt Geschichte zugunsten der Pose. Wie sich Rechte und Linke im Hass auf Israel begegnen – und dabei die eigene Geschichte entsorgen Man muss sich das Transparent nur lange genug ansehen, um zu begreifen, dass es nicht von gestern handelt, sondern von vorgestern. „Gestern Dresden – heute Gaza. Völkermörder zur Rechenschaft ziehen.“ Ein Satz wie eine Gleichung, die schon falsch ist, bevor sie aufgestellt wird. Dresden steht links vom Gedankenstrich, Gaza rechts davon – und dazwischen die Behauptung moralischer Identität. Geschichte als Rechenaufgabe für Anfänger. Es marschieren die Üblichen. Früher hießen sie NPD, heute „Die Heimat“. Der neue Name klingt nach Baumarkt, das alte Programm bleibt. Jedes Jahr im Februar ziehen si...

Mit Herzchen gegen die materialistische Analyse

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TL;DR: Ein Herz-Emoji ersetzt keine Klassenanalyse. Wer Marx zitiert, sollte Helden demystifizieren – nicht ikonisieren. Der Glückwunsch an Chomsky zeigt: Hier wird Personalisierung über Materialismus gestellt. So wird Marxismus zur Marke. Und das ist politisch aufschlussreich. Warum die sich marxistisch verstehende Partei MERA25 an einem Geburtstagsgruß scheitern muss – und was das über ihren Marxismus sagt Man kann vieles feiern. Geburtstage zum Beispiel. Auch den 94. eines großen Linguisten. Aber wenn eine Partei, die sich marxistisch versteht, einem ihrer Mitglieder öffentlich zuruft: „Herzlichen Glückwunsch … ❤️ “, dann ist das weniger eine Höflichkeit als ein Bekenntnis. Und Bekenntnisse sind im Marxismus verdächtig; Marx verstand Ideologie als Ausdruck gesellschaftlicher Verhältnisse, nicht als moralisches Selbstbekenntnis. Im Marxismus zählen Verhältnisse, nicht Verehrungen. Der Tweet von MERA25 Deutschland ist knapp, affirmativ, kontextfrei. „Herzlichen Glückwunsch … ❤️...

Klassenkampf ohne Schatten

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TL;DR: Antikommunismus kritisieren ist legitim. Aber wer wie Susann Witt-Stahl Gulag, Antisemitische KPD-Agitation & Antisemitische stalinistische Kampagnen ausblendet, ersetzt Analyse durch Frontstellung. Klassenkampf ohne Selbstkritik bleibt Pose. Emanzipation braucht doppelte Kritik – auch der eigenen Tradition Warum die Kritik am Antikommunismus nicht von der Pflicht zur Selbstkritik entbindet Wer heute „Antikommunismus“ sagt, meint selten nur ein Vorurteil. Er meint eine Ideologie, eine Staatsräson, eine Disziplinierungsmaschine. Susann Witt-Stahl hat in der junge welt vom 11. Februar 2026 einen solchen Befund vorgelegt. Ihr Text „ Der antikommunistische Impuls “ ist kein Bericht, sondern eine Intervention. Er will nicht abwägen, sondern entlarven. Das ist legitim. Aber wer entlarvt, sollte nicht selbst im Halbdunkel stehen. Witt-Stahl zeichnet ein Panorama, das von Connewitz bis zur NATO-Osterweiterung reicht. „ Linksautoritäre Gruppen mobilisieren mit Unterstützung von...

Wenn antizionistische Empörung Realität formt

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TL;DR: Wenn antizionistische Empörung Realität formt: Aus „fehlenden Leichen“ wird „Verdampfung“, aus Bericht Anklage, aus Tragödie Weltbild. Moral ersetzt Physik, Dramaturgie ersetzt Prüfung. Wer Gewissheit produziert, bevor Beweise geprüft sind, gefährdet journalistische Glaubwürdigkeit. Über moralische Gewissheit, politische Dramaturgie und den Verlust journalistischer Maßstäbe oder Wenn moralische Empörung die Physik ersetzt und Antizionismus zur Erzählung gerinnt Es gibt Texte, die berichten. Und es gibt Texte, die bezeugen. Der Al-Jazeera-Beitrag „ Israel used weapons in Gaza that made thousands of Palestinians evaporate “ vom 10. Februar 2026 will beides zugleich sein – Reportage und Anklage, Forensik und Tribunal. Das Ergebnis ist ein Lehrstück darüber, wie Journalismus ins Rutschen gerät, wenn er sich nicht mehr mit der Wirklichkeit begnügt, sondern sie dramaturgisch zuspitzt. „ 2.842 Palästinenser … ‚verdampft ‘“, heißt es dort, dokumentiert vom Zivilschutz in Gaza. Kei...

„Hyper-Zionism“: Erlösung als Argument

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TL;DR: „Hyper-Zionism“ erklärt Deutschlands Israel-Politik zur Erlösungsneurose und wittert „Zionist McCarthyism“. Doch wo Belege nötig wären, stehen Metaphern & Fake-News . Wer Daten ignoriert um Motive zu „beweisen“, betreibt weniger Kritik als Umcodierung der Debatte. Haltung ersetzt kein Argument. Ein Buch tut so, als zerlege es einen ideologischen Block. Tatsächlich errichtet es selbst einen. „Hyper-Zionism“ will abrechnen. Mit Deutschland. Mit seiner Erinnerung. Mit seiner Haltung zu Israel. Hans Kundnani eröffnet den Band mit der Behauptung, Deutschland betreibe eine „quasi-redemptive politics“ gegenüber Israel. Unterstützung Israels erscheine als „means of moral purification“. Das klingt analytisch. Es ist aber weniger Analyse als Motivunterstellung. Wer Israels Existenzrecht bejaht, wird hier nicht politisch verortet, sondern psychologisch erklärt. Politik schrumpft zur Therapie. Man kann das versuchen. Aber man müsste dann zeigen, dass diese „Erlösungspolitik“ konsi...

Die Gewissheit der Selbstgerechten

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  TL;DR: Wenn linke Politik aufhört zu fragen und beginnt, sich moralisch sicher zu sein, wird Geschichte zur Ressource und Kritik zum Bekenntnis. Antizionistische Gewissheit ersetzt Analyse – und reproduziert, was sie bekämpfen will. Wie ein linker Arbeitskreis Israel erklärt – und sich selbst dabei erlöst Man erkennt politische Programme nicht nur an dem, was sie fordern, sondern an dem, was sie nicht mehr fragen. Wenn Zweifel verschwinden, beginnt die Gewissheit. Und wo Gewissheit regiert, ist Denken nur noch Staffage. Das Selbstverständnis der LAG Palästinasolidarität Baden-Württemberg liest sich wie ein Dokument dieser Gewissheit: geschlossen, eindeutig, moralisch aufgeräumt. Wer hier spricht, weiß bereits, wer Täter ist, wer Opfer, wer auf der richtigen Seite der Geschichte steht – und wer nicht. Schon der Einstieg setzt den Ton. Die LAG sei eine „offene Arbeitsgemeinschaft“, heißt es, offen allerdings nur in der Form, nicht im Inhalt. Man setze sich ein für die „ Beend...