Epstein, Israel und die Abkürzung des Denkens
TL;DR: Epsteins Akten zeigen globale Elitennetzwerke, kein israelisches Komplott. FBI-Dokumente protokollieren Gerüchte, keine Beweise. Aus Herkunft oder Namen wie Rechtsextreme Amerikaner wie Tucker Carlson oder Deutsche Linke eine „Nähe zum Mossad“ zu destillieren ist keine Aufklärung, sondern Projektion. Jeffrey Epstein war vieles: ein Serienverbrecher, ein Pädophiler, ein Zyniker der Macht, ein Nutznießer elitärer Gleichgültigkeit. Was er nicht war: der Beweis für eine jahrhundertealte Erzählung, die immer dann aus der Mottenkiste geholt wird, wenn Komplexität lästig wird. Dennoch scheint es für erstaunlich viele Menschen keine fünf Minuten zu dauern, bis aus einem amerikanischen Sexualstraftäter ein israelisches Komplott wird. Das Muster ist bekannt. Es beginnt mit einer scheinbar harmlosen Frage – „Warum wird darüber nicht gesprochen?“ – und endet zuverlässig bei Mossad, Israel oder „den Juden“. Dazwischen liegt kein Erkenntnisgewinn, sondern eine Abkürzung. Sie führt...