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Gaza, Antizionismus und das Elend von Teilen der Linken

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TL;DR: Die Debatte über Gaza, Zionismus und Antizionismus in Teilen der Linken wird von ideologischer Gewissheit statt von Analyse geprägt ist. Der 7. Oktober muss als ein durch Antisemitismus befeuertes Massaker an Zivilist*innen ernst genommen werden; wer das negiert, relativiert oder leugnet verlässt den Boden politischer Urteilskraft. Zugleich darf dieses Massaker nicht zur Rechtfertigung der israelischen Kriegsführung missbraucht werden. Kritik an Israels Krieg, an rechter israelischer Regierungspolitik und an realer Zerstörung in Gaza bleibt notwendig. Sie verliert aber ihren analytischen Wert dort, wo Israel oder der Zionismus zur Chiffre des absolut Bösen gemacht werden. Besonders in Teilen der Linken zeigt sich ein Antizionismus, der – etwa im Beschluss der Linksjugend ['solid] – den Zionismus einseitig als Kolonialismus und Rassismus deutet und seine historische Dimension als Reaktion auf antisemitische Verfolgung ausblendet. Die häufige Berufung auf den Genozidbegrif...

Am 15. April: Berlin tagt – Sudan verblutet

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TL;DR: Die Berliner Sudan-Konferenz am 15. April bringt internationale Akteure und sudanesische Zivilvertreter zusammen – jedoch ohne die Kriegsparteien SAF, RSF und die Regierung. Ziel ist es, humanitäre Hilfe zu stärken und zivile Lösungen zu fördern. Doch genau darin liegt das Problem: Ohne die bewaffneten Machtakteure droht politische Wirkungslosigkeit, mit ihnen wäre ihre Rolle legitimiert. Während in Berlin verhandelt wird, eskaliert im Sudan weiterhin eine der größten humanitären Krisen weltweit. Die Konferenz kann Aufmerksamkeit schaffen und Hilfe mobilisieren, aber keinen Frieden erzwingen. Sie steht damit exemplarisch für eine internationale Politik, die zwischen moralischem Anspruch und begrenzter Durchsetzungskraft gefangen bleibt.   Eine Konferenz über Frieden ohne die Kriegführenden, über Hilfe ohne Hebel und über Zivilität im Schatten der Gewehre Am 15. April, dem dritten Jahrestag des Kriegsbeginns im Sudan, trifft sich in Berlin, wer sich treffen kann: ...

Dekarldent und „Das Ende der Partei Die Linke“

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  TL;DR Nicht  der Antrag der Parteiführung von DIE LINKE gegen jede Form von Antisemitismus ist skandalös, sondern die Dekarldents Reaktion darauf. Ein Bekenntnis gegen Antisemitismus, zur jüdischen Selbstbestimmung und zum Existenzrecht Israels ist kein Bruch mit linker Politik, sondern politischer Mindeststandard. Dass Dekarldent dies als „Freitod“ der Partei deutet, zeigt vor allem eine tiefe Krise der Urteilskraft in Teilen der Linken. Im Zentrum der Kritik steht Dekarldents Redeweise: große moralische Begriffe wie „Völkermord“, „Kolonialstaat“ oder „Zionismus“ werden mit maximaler Gewissheit benutzt, aber ohne hinreichende Differenzierung. Die Kolumne hält dagegen, dass politische Analyse nicht aus Empörung besteht, sondern aus Unterscheidungen: zwischen Israelkritik und Dämonisierung, zwischen Staat und Regierung, zwischen Antizionismus und antisemitischen Mustern. Teile der deutschen Linken haben im Streit über Israel nicht bloß einen politischen Konflikt, son...

Arbeit, Krieg, Gewissen – und Ole Nymoens Sehnsucht nach einfachen Erklärungen

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TL;DR: Die „Schlafschaf“-Provokation von Ole Nymoen sagt weniger etwas über die Gesellschaft aus als über einen verarmten Diskurs: Komplexe Themen wie Arbeit, Krieg und Staat werden auf einfache, moralische Deutungen reduziert. Nymoens Systemkritik enthält valide Punkte (Ausbeutung, Machtinteressen), verabsolutiert sie aber so stark, dass Differenzierungen verloren gehen – etwa bei der Bewertung von Kriegen oder individueller Lebensrealität. Gleichzeitig verstärkt der zuspitzende Interviewstil diese Vereinfachung. Ergebnis: viel Pose, wenig Erkenntnis. Die eigentliche Frage ist nicht, ob Menschen „schlafen“, sondern warum einfache Erklärungen so attraktiv geworden sind. Warum die „Schlafschaf“-Provokation mehr über den Zustand des Diskurses verrät als über die Gesellschaft Es beginnt, wie solche Gespräche heute beginnen müssen: mit einer Provokation, die so grob geschnitzt ist, dass sie zugleich als Diagnose und als Beleidigung funktioniert. Wer 45 Jahre arbeiten gehe, sei ein „Sch...

Tiszas politisches Angebot: Pläne für ein Ungarn nach Orbán

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TL;DR:  Ungarns Wahlsiegerin Tisza verspricht die Rückkehr Ungarns in die europäische Normalität – weniger Blockade, mehr Kooperation. Doch viele Positionen bleiben nah an Orbáns politischem Terrain so zu Migration, Ukraine, LGBTQ+-Rechte; der Bruch liegt eher im Stil und in der Methode als im Inhalt. Entscheidend wird sein, ob sich ein von Fidesz geprägter Staat überhaupt so leicht „normalisieren“ lässt. Nach fast 16 Jahren Fidesz-Herrschaft hat die Mitte-Rechts-Partei Tisza die ungarischen Wahlen gewonnen. Sie verspricht Kooperation mit Europa statt systematischer Blockade Wer verstehen will, was Tisza verspricht, muss sich vergegenwärtigen, was Orbán geliefert hat: ein politisches System, in dem „Kontrolle und Gegenstand“ nicht zufällig nebeneinander stehen. Die Pensionierung „hunderter Richter“ per Gesetz, die Neuzuschneidung von Wahlkreisen, die Erweiterung des Wahlkörpers um wohlgesonnene Diaspora – das war keine Entgleisung, sondern Methode. Dass Orbán „die Vorwürf...

Sudan schreiben – Anatomie eines Krieges in Fragmenten

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TL;DR:  Kurz vor dem dritten Jahrestag des Kriegsbeginns im Sudan habe ich meine Artikel aus dem  Jungle World -Blog „Von Tunis nach Teheran“ hier zusammengestellt, thematisch geordnet und jeweils kurz eingeordnet. Meine Texte begreifen den Sudan nicht als „Konflikt“, sondern als System: Gewalt, Hunger, sexualisierte Verbrechen, Ressourcenökonomie und internationale Verflechtungen greifen ineinander. Die Liste zeigt, wie sich daraus eine Analyse eines Krieges ergibt, der keiner einzelnen Logik folgt – sondern vielen zugleich.   Eine kommentierte Liste meiner Artikel zum Sudan aus dem Jungle world Blog „Von Tunis nach Teheran“ Die hier versammelten Blogtexte sind für mich keine lose Folge von Kommentaren zum Sudan. In ihrer Gesamtheit bilden sie den Versuch, ein analytisches Archiv eines Krieges zu schreiben, der sich einfachen Erklärungen entzieht. Während viele Darstellungen zwischen „Machtkampf“ und „Ethnienkonflikt“ pendeln, gehe ich einen anderen Weg: Ich zerlege den ...

Die Moral der Aufmerksamkeit

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TL;DR: Ich schreibe über die Linke, weil in ihren Funktionsträger mit Reichweite z. B. Antisemitismus normalisieren. Wenn selektive Empörung (z. B. Schweigen zum Sudan) und die Relativierung von Antisemitismus unwidersprochen bleiben, werden sie zur Normalität. Genau das will ich nicht. Warum ich über die Linke, ihre Funktionäre und linken Antisemitismus schreibe Warum schreibe ich so oft über „Die Linke“ oder über Personen wie Ulrike Eifler, Özlem Alev Demirel oder Nicole Gohlke? Es gibt die Erwartung, man müsse mit politischen Zusammenhängen, aus denen man kommt, irgendwann abschließen. Als wäre Kritik eine Phase, die man hinter sich lässt. Aber politische Öffentlichkeit funktioniert nicht so. Wer spricht, prägt. Und wer prägt, trägt Verantwortung – auch über den eigenen Kreis hinaus. Ich schreibe darüber nicht aus Nostalgie oder persönlicher Verbundenheit. Sondern weil diese Personen Funktionen haben: Parteivorstand, Bundestag, Europaparlament. Das sind keine privaten Räume...