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Blinde Flecken

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TL;DR: In jüdischen Gemeinden wird wieder gefragt: Kämpfen die Parteien genug gegen Judenhass? AfD ausgeladen – klar. Doch auch Die Linke. Antisemitismus kommt nicht nur von rechts. Wer ihn nur beim Gegner sucht, verteidigt Moral – nicht jüdisches Leben. Wer zahlt den Preis? Warum der Kampf gegen Antisemitismus in Deutschland so gern beim politischen Gegner beginnt – und dort endet In deutschen jüdischen Gemeinden wird wieder diskutiert. Wieder gefragt. Wieder beschworen. Kämpfen die Parteien beherzt genug gegen Judenhass? Auf dem Podium: CDU, SPD, Grüne, FDP, Volt. Nicht eingeladen: die AfD – vom Zentralrat der Juden treffend beschrieben als „eine Partei, in der sich Antisemiten zu Hause fühlen können“. Ebenfalls nicht eingeladen: Die Linke. Das ist die eigentliche Nachricht. Die Frankfurter Jüdische Gemeinde hat sich entschieden, nicht nur die AfD auszuladen – „ eine Selbstverständlichkeit “, wie ihr Vorsitzender Benjamin Graumann in der FAZ sagte –, sondern auch die Linke....

Zu „Junge Welt: Ein Geschäft, auf das man Bock haben muss“ von Thomas Blum, erschienen im nd am 16.02.2026

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TL;DR: Thomas Blum schreibt mit „Junge Welt: Ein Geschäft, auf das man Bock haben muss“ keinen Verriss des Dokumentarfilms „Träume und andere Realitäten“ der junge Welt, sondern eine Anklage: Gegen einen Film, der „Dialektik“ sagt und Widerspruch meidet. Seine Kritik an der „Jungen Welt“ zielt nicht auf Parteilichkeit, sondern auf Intransparenz. Weniger Pose, mehr Streit – das ist sein Maßstab. Thomas Blum schreibt keinen Verriss. Er schreibt eine Anklage. Und Anklagen leben vom Maßstab, den sie setzen. Thomas Blum beginnt mit einer Vorahnung. „ Manchmal geschieht es, dass man, bevor der Film beginnt, als Zuschauer bereits ahnt, was auf einen zukommt .“ Das ist kein billiger Effekt, sondern eine Setzung: Erwartung als Erkenntnisinstrument. Wer einen Film über die „Junge Welt“ sieht, so Blum, sieht nicht nur Bilder, sondern ein Selbstverständnis. Er beschreibt die Eröffnung mit Ulbricht, mit „rotierenden Druckmaschinen“, mit der „Aktuellen Kamera“. Das ist mehr als Spott über Ästh...

Strohmann im Bühnenlicht – Wie man aus Art. 21 GG eine Gesinnungsfrage macht

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  TL;DR: Art. 21 GG prüft keine Gesinnung, sondern ob eine Partei die freiheitlich-demokratische Grundordnung beseitigen will – und es auch könnte (Potentialität, NPD II). Wer die Debatte wie  Harald Martenstein   zum Kulturkampf „rechts vs. links“ macht, ersetzt Rechtsdogmatik durch Dramaturgie. Warum die Debatte über ein AfD-Verbot juristisch ist – und nicht kulturell Grundlage aller Zitate ist das Video bzw. sein Transkript ab 2:16:24 bis 2:33:09 Prozess gegen Deutschland - Eröffnung: Auftaktplädoyers & Eröffnungsreden Im Theater wird gern mit Licht gearbeitet. Spot an, Argument groß. Spot aus, Zweifel klein. Harald Martenstein durfte im Thalia Theater den Schlussakkord setzen. Sechzehn Minuten Monolog, ein Plädoyer gegen das AfD-Verbot – und gegen jene, die darüber nachdenken. Seine Grundfigur war einfach: Wer die AfD verbieten wolle, wolle „ rechte Politik “ verbieten. Und wer rechte Politik verbieten wolle, schaffe die Demokratie ab. Das klingt nach Ve...

Warum ich Die Linke nicht wähle – obwohl der Wahl-O-Mat es mir nahelegt

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TL;DR: Warum ich Die Linke Baden-Württemberg nicht wähle – trotz 100 % Wahl-O-Mat:  Wer Antisemitismus im eigenen Milieu verharmlost oder übersieht, verliert den emanzipatorischen Anspruch. Sozialpolitik teile ich. Geschichtsbewusstsein fehlt. Antifaschismus ohne Juden bleibt leer. Warum ich trotz 100 % Übereinstimmung im Wahl-O-Mat die Linke in Baden-Württemberg nicht wählen werde Der Wahl-O-Mat ist ein merkwürdiges Instrument. Er misst politische Nähe wie ein Thermometer Fieber: in Grad, nicht in Gründen. Mein Ergebnis ist seit Jahrzehnten stabil. Die höchste Übereinstimmung: Die Linke. Und dennoch werde ich sie diesmal nicht wählen. Nicht trotz, sondern wegen dieses Ergebnisses. Denn selten hat ein politischer Befund so klar gezeigt, dass Übereinstimmung in Positionen nicht dasselbe ist wie Übereinstimmung in Prinzipien. Die Broschüre Was ist Sozialismus heute? von Bernd Riexinger und Raul Zelik liefert eine Art theoretischen Hintergrund für das, was sich programmatis...

Die neue Volksfront von Dresden bis Gaza

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T L;DR: „Gestern Dresden – heute Gaza“: Wenn Neonazis Israel als „Völkermörder“ brandmarken und Linke ihnen rhetorisch Beifall klatschen, verschwimmt die Grenze. Wer Israel zum „Genozid“-Projekt erklärt, betreibt keine Kritik, sondern Delegitimierung – und entsorgt Geschichte zugunsten der Pose. Wie sich Rechte und Linke im Hass auf Israel begegnen – und dabei die eigene Geschichte entsorgen Man muss sich das Transparent nur lange genug ansehen, um zu begreifen, dass es nicht von gestern handelt, sondern von vorgestern. „Gestern Dresden – heute Gaza. Völkermörder zur Rechenschaft ziehen.“ Ein Satz wie eine Gleichung, die schon falsch ist, bevor sie aufgestellt wird. Dresden steht links vom Gedankenstrich, Gaza rechts davon – und dazwischen die Behauptung moralischer Identität. Geschichte als Rechenaufgabe für Anfänger. Es marschieren die Üblichen. Früher hießen sie NPD, heute „Die Heimat“. Der neue Name klingt nach Baumarkt, das alte Programm bleibt. Jedes Jahr im Februar ziehen si...

Mit Herzchen gegen die materialistische Analyse

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TL;DR: Ein Herz-Emoji ersetzt keine Klassenanalyse. Wer Marx zitiert, sollte Helden demystifizieren – nicht ikonisieren. Der Glückwunsch an Chomsky zeigt: Hier wird Personalisierung über Materialismus gestellt. So wird Marxismus zur Marke. Und das ist politisch aufschlussreich. Warum die sich marxistisch verstehende Partei MERA25 an einem Geburtstagsgruß scheitern muss – und was das über ihren Marxismus sagt Man kann vieles feiern. Geburtstage zum Beispiel. Auch den 94. eines großen Linguisten. Aber wenn eine Partei, die sich marxistisch versteht, einem ihrer Mitglieder öffentlich zuruft: „Herzlichen Glückwunsch … ❤️ “, dann ist das weniger eine Höflichkeit als ein Bekenntnis. Und Bekenntnisse sind im Marxismus verdächtig; Marx verstand Ideologie als Ausdruck gesellschaftlicher Verhältnisse, nicht als moralisches Selbstbekenntnis. Im Marxismus zählen Verhältnisse, nicht Verehrungen. Der Tweet von MERA25 Deutschland ist knapp, affirmativ, kontextfrei. „Herzlichen Glückwunsch … ❤️...

Klassenkampf ohne Schatten

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TL;DR: Antikommunismus kritisieren ist legitim. Aber wer wie Susann Witt-Stahl Gulag, Antisemitische KPD-Agitation & Antisemitische stalinistische Kampagnen ausblendet, ersetzt Analyse durch Frontstellung. Klassenkampf ohne Selbstkritik bleibt Pose. Emanzipation braucht doppelte Kritik – auch der eigenen Tradition Warum die Kritik am Antikommunismus nicht von der Pflicht zur Selbstkritik entbindet Wer heute „Antikommunismus“ sagt, meint selten nur ein Vorurteil. Er meint eine Ideologie, eine Staatsräson, eine Disziplinierungsmaschine. Susann Witt-Stahl hat in der junge welt vom 11. Februar 2026 einen solchen Befund vorgelegt. Ihr Text „ Der antikommunistische Impuls “ ist kein Bericht, sondern eine Intervention. Er will nicht abwägen, sondern entlarven. Das ist legitim. Aber wer entlarvt, sollte nicht selbst im Halbdunkel stehen. Witt-Stahl zeichnet ein Panorama, das von Connewitz bis zur NATO-Osterweiterung reicht. „ Linksautoritäre Gruppen mobilisieren mit Unterstützung von...