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Zwischen Boulevardpanik und antizionistischem Ressentiment

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TL;DR: Kubicki liest eine BILD-Schlagzeile und ruft „Zeitbombe“. ‚Klassenkämpfer Markus‘ ruft „Rassismus“ und „Mossad“. Zwei Lager, ein Problem: Rechts ersetzt Analyse durch Alarm, Links Kritik durch Beschimpfung. Denken fällt zwischen Schlagzeile und Schimpfwort aus. Eine kleine Szene aus der deutschen Twitter-Provinz und das große Missverständnis der Gegenwart Aus der deutschen Twitter-Provinz erreicht uns wieder ein Lehrstück politischer Arbeitsteilung. Der eine sieht eine Schlagzeile der Bild und hört „alle Alarmglocken“. Der andere liest dieselbe Schlagzeile und hält schon die Existenz einer Studie für den Beweis des Rassismus. Dazwischen liegt kein Denken, sondern nur die Zeit, die der Daumen braucht, um „Posten“ zu treffen. Wolfgang Kubicki, der Mann für den freiheitlichen Ausnahmezustand mit Einstecktuch, entdeckt also eine Bild -Zeile: „Fast jeder zweite junge Muslim fühlt sich zum Islamismus hingezogen“. Schon ist „eine gesellschaftliche Zeitbombe“ gefunden. Man kennt ...

Alter Wahn in neuem Gewand: Wie moderner Antisemitismus wissenschaftliche Halbsätze missbraucht

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 TL;DR:  Moderner Antisemitismus braucht keine Theorie mehr: Ein Halbsatz über Stammzellen reicht, und sofort entsteht die Fantasie geheimer jüdischer Kliniken. Der Fortschritt ändert nur die Requisiten – aus Brunnenvergiftung wird Zahnpulpa. Der alte Wahn bleibt derselbe. Es gehört zu den stabilsten Errungenschaften der Moderne, dass jeder Fortschritt der Wissenschaft zuverlässig eine neue Dummheit hervorbringt. Kaum teilt irgendwo ein halbwegs seriöser Account mit, dass in Weisheitszähnen Stammzellen stecken, die womöglich einmal der regenerativen Medizin dienen könnten, springt im Internet ein Mann aus der Verschwörungshecke und ruft: Aha! Die Juden! Der betreffende Tweet fragt scheinbar harmlos, ob es nicht „verrückt“ wäre, wenn man unsere Weisheitszähne ernte, um daraus ein geheimes Langlebigkeitselixier „für die Juden“ zu machen. Die Form des Satzes ist die übliche Feigheit des modernen Antisemiten: Man behauptet nichts, man fragt nur. Aber gefragt wird so, dass der Ged...

Der Frieden der anderen – oder: Wenn Pazifismus nur gegen den Westen funktioniert

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  TL;DR:  Der Berliner Ostermarsch-Aufruf spricht viel vom Frieden und verschweigt die Angreifer. Russlands Überfall auf die Ukraine fehlt, der Hamas-Terror vom 7. Oktober auch. Der Völkermord und das andauernde Abschlachten im Sudan sind den „Friedensfreunden“ kein Wort wert. Es liegt offenbar daran, dass dort weder NATO noch USA oder Israel als Schuldige auftreten. Ein Krieg ohne NATO und ohne Israel eignet sich für die Berliner „Friedensfreunde“ offenbar weniger für Demonstrationen.  Übrig bleibt ein Pazifismus, der einzig Demokratien angreift und Despoten sowie Terroristen durch das Ignorieren ihrer Verbrechen hofiert. Über den Berliner Ostermarsch-Aufruf, der viel vom Frieden spricht und erstaunlich wenig vom Krieg. Es gibt Texte, die erklären wollen. Und es gibt Texte, die verraten mehr, als sie erklären. Der Aufruf der Friedenskoordination Berlin zum Ostermarsch 2026 gehört zur zweiten Sorte. Schon die Überschrift ist ein kleines Drama: „Kriegstüchtig und...

Der Weltkrieg als Redensart der Ulrike Eifler

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TL;DR: Wenn Ulrike Eifler (Mitglied im Parteivorstand ‚Die Linke‘) „Dritter Weltkrieg“ ruft, ersetzt das die Analyse. Weltkriege entstehen nicht aus moralischer Empörung, sondern aus der Konfrontation von Großmächten. Wer die Apokalypse beschwört, sollte wenigstens sagen, wer gegen wen kämpfen sollte – und warum. Zur Gewohnheit deutsche Friedensbewegter Linker, geopolitische Konflikte mit nichts als moralischer Empörung und apokalyptischer Rhetorik zu erklären. Ulrike Eifler erklärt auf X: Es sei „unanständig“, dass die Bundesregierung einen „völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen den Iran unterstützt“, der „sich schnell zu einem Dritten Weltkrieg entwickeln kann“. Der Satz ist ein kleines Meisterstück deutscher Friedensrhetorik. Er beginnt mit Moral, fährt fort mit Geopolitik und endet mit der Apokalypse – ohne zwischendurch einmal erklären zu müssen, wie das alles zusammenhängt. „Unanständig“ ist dabei kein politischer Begriff, sondern ein Ersatz für einen. Wer ein Reg...

Fünf Frauen, ein Schweigen – und ein Regime, das Angst hat

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TL;DR: Die Spielerinnen der iranischen Frauen-Nationalmannschaft schwiegen bei der Hymne – und wurden durch Irans Diktatur zu „Verräterinnen“ erklärt. Ihr Schweigen war Mut! Jetzt bekommen fünf von ihnen Schutz in Australien.   Die Spielerinnen der iranischen Frauen-Nationalmannschaft schwiegen bei der Hymne in Australien und riskierten ihr Leben. Fünf von ihnen erhalten nun Schutz in Australien – über Mut, Widerstand und Solidarität. Die iranische Frauenfußballnationalmannschaft hat in diesen Tagen mehr über Mut gelehrt als manch Regierung über Menschenrechte. Fünf ihrer Spielerinnen haben in Australien humanitäre Visa erhalten. Das ist eine gute Nachricht – und zugleich eine Anklage gegen jene Weltordnung, in der Frauen dafür um ihr Leben fürchten müssen, dass sie schweigen. Denn geschwiegen haben sie. Als vor dem Auftaktspiel gegen Südkorea die Hymne der Islamischen Republik erklang, standen die Spielerinnen da – und sangen nicht. Manche sahen darin einen Akt des Wi...

Frohnmaiers altes Netzwerk, neu etikettiert

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TL;DR:  Markus Frohnmaier (#AfD) will Ministerpräsident in Baden-Württemberg werden. Dafür soll er seine Biografie geschönt haben: Kontakte zu prorussischen Netzwerken und rechtsextremen Kreisen verschwinden aus der Darstellung, auch sein Privatleben wurde offenbar anders dargestellt.   Recherchen der „Süddeutschen Zeitung“ legen nahe, dass der AfD-Spitzenkandidat in Baden-Württemberg seine Nähe zu einem prorussischen Milieu nicht nur verharmlost, sondern zeitlich falsch eingeordnet hat. Das Problem ist damit nicht bloß biografisch. Es ist politisch. Am Ende geht es um eine einfache Frage, die für Markus Frohnmaier unerquicklich ist, weil sie so unerquicklich einfach ist: Wenn sein letzter Kontakt „zu diesem Personenkreis“ wirklich, wie er im Februar gegenüber Correctiv sagte, „über ein Jahrzehnt“ zurückliegt, warum arbeitete dann ein Mann aus genau diesem Kreis nach Recherchen der Süddeutschen Zeitung bis vor Kurzem noch in seinem unmittelbaren politischen Umfeld? D...

Wenn Kritik zur Kulisse wird

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 TL;DR:  Medienkritik kann aufklären – oder selbst zur Erzählung werden. Der nd-Artikel „Berichte zum Iran-Krieg“ wirft deutschen Medien Propaganda vor, liefert aber statt Belegen vor allem Beispiele. Wer Selektivität kritisiert, sollte selbst den Kontext nicht ausblenden. Über Medienkritik, die mehr erzählt, als sie untersucht – am Beispiel des Artikels „Berichte zum Iran-Krieg: Viel Propaganda, wenig Journalismus“, von Fabian Goldmann, nd,04.03.2026 über den Irankrieg Es gehört zu den Eigenheiten der deutschen Nahostdebatte, dass sie selten mit einer Frage beginnt. Meist steht das Urteil bereits fest. Der Rest ist Begründung. So auch in einem Artikel des Journalisten Fabian Goldmann, erschienen am 4. März 2026 in der Zeitung nd unter dem Titel „ Berichte zum Iran-Krieg: Viel Propaganda, wenig Journalismus “. Der Text beginnt mit einer Feststellung, die keinen Zweifel lässt: Deutschland unterstütze „wieder einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg“, und deutsche Journal...