Posts

Posts mit dem Label "Susann Witt-Stahl" werden angezeigt.

Die Polemik ersetzt den Beleg

Bild
  TL;DR: Der Artikel über Nicholas Potter setzt auf Spott, Zuschreibungen und politische Gewissheiten, liefert für seine schwersten Vorwürfe jedoch kaum Belege. Die Polemik ist sprachlich wirkungsvoll, argumentativ aber oft dünn. Dadurch entlarvt sie weniger ihren Gegenstand als ihre eigene Methode. Zu Susann Witt-Stahls Porträt über Nicholas Potter – und zu einer Methode, die ihr Urteil stets schon kennt Susann Witt-Stahls Text über Nicholas Potter („ Linker Journalist des Tages: Nicholas Potter “ in der junge welt vom 29.05.2026) möchte ein Porträt sein. Tatsächlich ist er etwas anderes: eine Anklageschrift, die ihren Angeklagten längst verurteilt hat und deshalb glaubt, auf den Nachweis der Schuld verzichten zu können. Das Problem beginnt bereits mit dem ersten Satz. Potter habe die „ Gaza-Genozidlüge “ entlarvt. Das Wort ist hier nicht Ergebnis einer Argumentation, sondern deren Voraussetzung. Die Autorin erklärt eine politische und juristische Streitfrage zur ausgemachten...

Feindbild statt Lektüre: Witt-Stahls Jagdfieber

Bild
TL;DR: Die Rezension von Witt-Stahl kritisiert Nicholas Potter für Vereinfachung und Feindmarkierung – greift dabei jedoch selbst auf solche Mittel zurück. Statt Argumente zu prüfen, werden Motive unterstellt und Gegensätze zugespitzt. So entsteht weniger eine Buchkritik als eine Gegenpolemik, die mehr über ihre eigene Logik verrät als über das kritisierte Werk. Eine Kritik, die den Vorwurf der Vereinfachung erhebt – und dabei selbst auf Differenz verzichtet. Über eine Rezension, die mehr zuschreibt als überprüft. Susanne Witt-Stahl will in „ Autoritäres Jagdfieber “ in der junge welt vom 23.03.2026 ein Buch kritisieren. Heraus kommt ein Text, der weniger das Buch trifft als das, was sie darin wiedererkennt – oder wiedererkennen möchte. Schon der erste Satz setzt den Rahmen: Potter lege „mit der Ideologieschrotflinte auf alle Gegner des imperialen Westens an “. Das ist ein Bild, kein Argument. Es ersetzt die Frage, wie Potter argumentiert, durch die Behauptung, warum er es ange...

Die immergleiche Platte der Susann Witt-Stahl – oder: Wie man sich die Welt zurechtstalinisiert

Bild
TL;DR: Susann Witt-Stahl erklärt 1989 zur „Kernschmelze“ der Westdeutschen Linken und die Antideutschen zum Zerfallsprodukt. Doch wer Geschichte nur als Verrat an der eigenen Gewissheit liest, ersetzt Analyse durch Ideologie. Komplexität ist kein Verrat – sie ist die Zumutung der Wirklichkeit. Über die Lust an der Gewissheit und die Angst vor der Geschichte Es gibt Debatten, die verlaufen wie alte Schallplatten. Man weiß, wo sie knistern werden, man kennt die Stellen, an denen die Nadel springt, und doch wird jedes Mal so getan, als höre man gerade etwas Neues. Das Gespräch zwischen Ignacio Rosaslanda und Susann Witt-Stahl über die „Genese der Antideutschen“ ist eine solche Aufnahme. Titel: „ Von ›Nie wieder Deutschland‹ zu ›Nie wieder Gaza‹ “. Untertitel könnte lauten: Wie man aus jeder historischen Zäsur eine Verschwörung macht. Witt-Stahl spricht von einer „ Kernschmelze der antikapitalistischen Linken “ 1989/90. Das ist ein starkes Bild. Kernschmelzen sind Katastrophen, sie ...