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DER SPIEGEL: Marx widerlegt, Linke erledigt?

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TL;DR: Christian Reiermann erklärt linke Reformpolitik kurzerhand zum Marxismus und deren vermeintliches Scheitern zur Widerlegung von Marx. Doch wer Mietpolitik, Umverteilung und Staatsintervention mit Marx’ Kapitalismuskritik gleichsetzt, widerlegt vor allem ein selbst geschaffenes Zerrbild. Christian Reiermann erklärt in Der Spiegel vom 17. September unter dem Titel "Die drei Lebenslügen von Reichinnek, Eralp und Mamdani" Reformpolitik zur Wiederkehr des Marxismus à la DDR – und widerlegt dann Marx mit den Fehlern eines Programms, das er ihm selbst erst zugeschrieben hat. Christian Reiermanns Polemik beginnt mit einem Gespenst und endet mit einem Kalauer. Dazwischen liegt eine geradlinige Beweisführung: Die neue Linke fordert Enteignungen, Umverteilung und mehr Staat; Marx gilt als geistiger Ahnherr; historische sozialistische Staaten scheiterten; also seien Marx und die heutigen Linken gemeinsam widerlegt. Der Text formuliert das ohne Zögern: „Es gibt wenig, was gr...

Huthi-Siege als gute Nachricht? Der irritierende Antiimperialismus der SAV

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TL;DR: Die SAV beschreibt den Vormarsch der Huthis ausführlich als Niederlage der USA und Saudi-Arabiens. Ihr islamistischer, patriarchaler und antisemitisch aufgeladener Charakter rückt dagegen erst spät ins Zentrum. Die Polemik fragt, was von marxistischer Gesellschaftskritik übrig bleibt, wenn geopolitische Frontstellungen wichtiger werden als die Verhältnisse, für die eine Bewegung selbst steht. Im Artikel „Offensive der ‚Huthis‘ im Jemen: Schwere Niederlage für Saudi-Arabien“ von Claus Ludwig auf Sozialismus.info der Sozialistischen Alternative (SAV) erscheint der Vormarsch der Huthis vor allem als schwere Niederlage des US-geführten Machtblocks. Ihr reaktionärer gesellschaftlicher Charakter rückt erst dort ins Zentrum, wo eine marxistische Analyse eigentlich enden müsste. Eine Niederlage hat die Sozialistischen Alternative (SAV) auf Sozialismus.info zu vermelden – und nicht irgendeine . Saudi-Arabiens Armee sei „zahnlos“, der amerikanische „Schutzschirm für die Golfstaaten...

Mit einer Fälschung gegen Antisemitismus

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TL;DR: Ein gefälschter „Intifada“-Sticker wird Elif Eralp und der Linken zugeschrieben. CDU-Staatssekretär Falko Liecke verbreitet das Motiv und verbindet es mit einem pauschalen Antisemitismusvorwurf gegen die Partei. Nach einem Bericht der Berliner Morgenpost stammt der Sticker jedoch nicht von der Linken. Wer Antisemitismus kritisieren will, sollte sich auf echte Aussagen und tatsächliches Handeln stützen. Fälschungen machen diese Auseinandersetzung unglaubwürdiger. Wer Antisemitismus in der Linken kritisieren will, braucht dafür keine erfundenen Belege. Im Gegenteil: Gerade Fälschungen schwächen die Glaubwürdigkeit einer notwendigen Kritik. Ein Satz wie „ Yallah Intifada mit Elif Eralp: Intifada ins Abgeordnetenhaus wählen “ wäre kaum eine harmlose Wahlkampfidee. Würde ein solcher Sticker tatsächlich von der Linken stammen, gäbe es einiges zu erklären: Warum wirbt eine Partei mit einem Begriff, der auch mit Terroranschlägen, Morden und antisemitischer Gewalt verbunden ist? We...

AfD-Wähler:innen als verhinderte Sozialist:innen

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TL;DR: Soziale Not erklärt politische Wut – aber weder Rassismus noch Nationalismus. Die AfD profitiert von realer gesellschaftlicher Ohnmacht, bietet darauf jedoch eine autoritäre Antwort: Abwertung statt Solidarität. Eine Linke darf deshalb weder den Status quo verteidigen noch AfD-Wähler zu verhinderten Klassenkämpfer verklären. Sie muss die Verhältnisse bekämpfen, die Ressentiments begünstigen – und zugleich den Ressentiments selbst widersprechen.   Sebastian Rave erklärt den Erfolg der AfD in Sachsen-Anhalt aus sozialer Verwüstung und der Schwäche der Linken. Die Diagnose trifft einen wichtigen Zusammenhang – und droht doch, rechte Wähler:innen zu verhinderte Klassenkämpfer:innen zu verklären. Soziale Wut ist noch kein Klassenbewusstsein. Sebastian Rave von der akl in Bremen hat am 10. September 2026 " Radikal gewinnt, brav verliert.7 Thesen zur Wahl in Sachsen-Anhalt" auf der Webseite der akl präsentiert. Sebastian Raves sieben Thesen zur Wahl in Sachsen-Anhalt...

Rechts wählen ist kein Missverständnis

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TL;DR: Soziale Unsicherheit, Kontrollverlust und mangelnde Anerkennung können erklären, warum Beschäftigte die AfD wählen. Sie erklären aber nicht den Nationalismus selbst. Rechte Politik deutet reale soziale Konflikte um Arbeit, Wohnen und gesellschaftliche Macht in Kämpfe um Herkunft und Zugehörigkeit um. Eine linke Antwort muss deshalb beides leisten: soziale Ohnmacht bekämpfen und zugleich Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus widersprechen. Wer rechte Wähler:innen ausschließlich als Opfer ihrer Verhältnisse versteht, unterschätzt ihre politische Entscheidung.     Soziale Unsicherheit, verlorene Kontrolle und mangelnde Anerkennung helfen zu erklären, warum Beschäftigte die AfD wählen. Doch wer im Nationalismus nur falsch verstandenen sozialen Protest sieht, unterschätzt, dass seine Anhänger:innen nicht nur Verhältnisse erleiden, sondern politische Entscheidungen treffen. Es gehört zu den Vorzügen von Rainer Beneckes Beitrag „ Warum Arbeiterinnen die AfD wählen ...

Der Faschist als enttäuschter Sozialdemokrat

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  TL;DR: Die AfD wird nicht bloß aus Protest gewählt. Wer ihren Erfolg allein mit sozialer Unsicherheit erklärt wie Thies Gleiss, unterschätzt Nationalismus, Rassismus und autoritäre Überzeugungen. Eine eigenständige Linke muss Klassenpolitik betreiben, ohne Arbeiter zu romantisieren, und zugleich die AfD verhindern, ohne deshalb die CDU zum politischen Verbündeten zu erklären. Die AfD wird nicht aus Versehen gewählt. Wer den Rechtsruck bekämpfen will, muss deshalb nicht nur über soziale Verhältnisse reden, sondern über Nationalismus, Rassismus, Antisemitismus und den politischen Willen derer, die rechts wählen. Thies Gleiss hat über die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit " RECHTSRUCK HÄLT AN – LINKE STELLT SICH SELBST EIN BEIN, Zum Ausgang der Landtagswahlen Sachsen-Anhalt 2026 “ einen Text geschrieben, der dort stark ist, wo er die übliche demokratische Selbstberuhigung verweigert. Die AfD, schreibt er sinngemäß, ist keine bloße Protestpartei mehr, sondern politisch gewoll...

Luigi Pantisano irrt: Ein anderer Busfahrplan schafft den Nationalismus nicht ab

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TL;DR:  Pantisano benennt die AfD zu Recht als rechtsextreme Gefahr und will ihre Regierungsübernahme in Sachsen-Anhalt verhindern. Doch seine Erklärung ihres Erfolgs greift zu kurz: Soziale Unsicherheit allein erklärt weder Nationalismus noch Rassismus und Antisemitismus. Bessere Krankenhäuser, Busverbindungen und Arbeitsplätze sind notwendig – aber sie beseitigen kein Ressentiment. Besonders problematisch bleibt, dass Pantisano von den „Erfahrungen unserer Geschichte“ spricht, ohne Auschwitz, die Shoah und Antisemitismus ausdrücklich zu benennen. Luigi Pantisano  erkennt nach der Wahl in Sachsen-Anhalt die rechtsextreme Gefahr der AfD. Doch seine Erklärung ihres Erfolgs bleibt eigentümlich beruhigend: Hinter dem Rechtsruck vermutet er vor allem enttäuschte soziale Interessen. Nationalismus und Rassismus werden damit zur falschen Antwort auf eigentlich richtige Fragen – und Antisemitismus kommt natürlich überhaupt nicht vor. Man könnte Luigi Pantisano zugutehalten, dass...