Sevim Dağdelens Gedenken ohne Gedächtnis
TL;DR: Gedenken als Geopolitik: Sevim Dağdelen erklärt Auschwitz zum Friedenssymbol zwischen Deutschen und Russen – und lässt dabei die jüdischen Opfer verschwinden. Wer so erinnert, spricht nicht über die Shoah, sondern über sich selbst. Über Sevim Dağdelens Geschichtsdeutung im Gewand des Gedenkens „ Am 27. Januar 1945 beendete die Rote Armee im antifaschistischen Krieg den Holocaust durch die Befreiung von Auschwitz “ – ein Satz, wie mit Hammer und Sichel in den Marmor gemeißelt. Nur leider nicht in den der Erinnerung, sondern in den des geopolitischen Recyclings. Dass Auschwitz nicht befreit, sondern entdeckt wurde – zu spät für über eine Million Ermordete –, stört in diesem Memorial-Realismus der besonderen Art offenbar nicht. Geschichte wird hier nicht erinnert, sie wird geglättet, gefaltet und auf dem Altar tagespolitischer Loyalitäten geopfert. Die Autorin, Ex-Bundestagsabgeordnete und diplomatische Spezialistin im Dienste des autoritären Internationalismus, versteigt ...