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Dekarldent und „Das Ende der Partei Die Linke“

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  TL;DR Nicht  der Antrag der Parteiführung von DIE LINKE gegen jede Form von Antisemitismus ist skandalös, sondern die Dekarldents Reaktion darauf. Ein Bekenntnis gegen Antisemitismus, zur jüdischen Selbstbestimmung und zum Existenzrecht Israels ist kein Bruch mit linker Politik, sondern politischer Mindeststandard. Dass Dekarldent dies als „Freitod“ der Partei deutet, zeigt vor allem eine tiefe Krise der Urteilskraft in Teilen der Linken. Im Zentrum der Kritik steht Dekarldents Redeweise: große moralische Begriffe wie „Völkermord“, „Kolonialstaat“ oder „Zionismus“ werden mit maximaler Gewissheit benutzt, aber ohne hinreichende Differenzierung. Die Kolumne hält dagegen, dass politische Analyse nicht aus Empörung besteht, sondern aus Unterscheidungen: zwischen Israelkritik und Dämonisierung, zwischen Staat und Regierung, zwischen Antizionismus und antisemitischen Mustern. Teile der deutschen Linken haben im Streit über Israel nicht bloß einen politischen Konflikt, son...

Die Moral der Aufmerksamkeit

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TL;DR: Ich schreibe über die Linke, weil in ihren Funktionsträger mit Reichweite z. B. Antisemitismus normalisieren. Wenn selektive Empörung (z. B. Schweigen zum Sudan) und die Relativierung von Antisemitismus unwidersprochen bleiben, werden sie zur Normalität. Genau das will ich nicht. Warum ich über die Linke, ihre Funktionäre und linken Antisemitismus schreibe Warum schreibe ich so oft über „Die Linke“ oder über Personen wie Ulrike Eifler, Özlem Alev Demirel oder Nicole Gohlke? Es gibt die Erwartung, man müsse mit politischen Zusammenhängen, aus denen man kommt, irgendwann abschließen. Als wäre Kritik eine Phase, die man hinter sich lässt. Aber politische Öffentlichkeit funktioniert nicht so. Wer spricht, prägt. Und wer prägt, trägt Verantwortung – auch über den eigenen Kreis hinaus. Ich schreibe darüber nicht aus Nostalgie oder persönlicher Verbundenheit. Sondern weil diese Personen Funktionen haben: Parteivorstand, Bundestag, Europaparlament. Das sind keine privaten Räume...

Frieden als Pose, Israel als Projektionsfläche: Die Linke zwischen Eifler und Ramelow

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TL;DR:  Die Auseinandersetzung zwischen Ulrike Eifler und Bodo Ramelow zeigt eine tiefere Spaltung der Linken: Während Eifler politische Gewissheit behauptet und Kritik – etwa an Antisemitismus – in einer Form der Selbstimmunisierung kategorisch zurückweist, erkennt Ramelow zwar die Eskalation der Begriffe, bleibt aber analytisch unentschlossen. Eiflers „Antikrieg“-Position erweist sich dabei weniger als universeller Maßstab denn als selektive politische Chiffre, insbesondere in Bezug auf Israel. Das Ergebnis ist eine Linke zwischen moralischer Selbstgewissheit und analytischer Sprachlosigkeit – und eine Debatte, die mehr bestätigt als erklärt.     Wenn Begriffe kämpfen und Gewissheiten siegen   Es beginnt, wie es oft beginnt: mit einem Streit über Worte. Und endet, wie es derzeit häufig endet: mit der Gewissheit, längst alles verstanden zu haben. Bodo Ramelow formuliert Zweifel, wenn er schreibt: „ Wenn Begriffe zur Keule werden und Freund/Feind zum Kampfpla...

Die falsche Wahl zwischen Flagge und Frömmigkeit

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TL;DR: Die Kolumne analysiert den 7. Oktober und seine politischen Nachwirkungen als Offenbarungseid einer Gegenwart, in der Antisemitismus, Islamismus, rassistische Staatsräson und identitäre Linkspolitik sich nicht gegenseitig ausschließen, sondern auf fatale Weise aufeinander bezogen sind. Sie kritisiert die Relativierung des Hamas-Massakers in Teilen der Linken ebenso wie die deutsche Neigung, Antisemitismuskritik in Repression, Abschottung und nationale Selbstentlastung zu verwandeln. Im Zentrum steht die Verteidigung einer emanzipatorischen Position, die weder antisemitische Gewalt als Widerstand verklärt noch antimuslimischen Rassismus als Aufklärung ausgibt.   Wie nach dem 7. Oktober aus Analyse Lagerkunde wurde und aus Kritik ein Geschäft mit der Moral Es gibt Sätze, die so geschniegelt auftreten, dass man schon an ihrer Frisur merkt, dass sie lügen. Einer davon lautet: Jetzt müsse man sich eben entscheiden. Für Israel oder für Palästina. Für Sicherheit oder für Mens...

Die behauptete Kampagne als Antwort auf Kritik

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  TL;DR:  Tweets von Ulrike Eifler und ein Kommentar der jungen Welt reagieren auf Kritik, indem sie sie zur „Kampagne“ erklären. Durch moralische Selbstzuschreibung („humanistisch“) und Anti-Establishment-Rhetorik entsteht ein geschlossenes Deutungsmuster, das sich der Prüfung entzieht – und so den ursprünglichen Vorwurf ersetzt.   Über eine Argumentation, die Kritik nicht widerlegt, sondern zur „Kampagne“ erklärt – und sich so ihrer Prüfung entzieht. Am Anfang steht kein Argument, sondern eine Umdeutung. „ Die aktuelle Kampagne … ist politisch motiviert “, schreibt Ulrike Eifler, und mit diesem Satz verschiebt sich der Gegenstand. Was als Kritik beginnt, erscheint nun als Angriff. Der Vorwurf wird nicht geprüft, sondern verortet. Kernsatz: Nicht der Antisemitismusvorwurf soll geklärt werden, sondern die Kritik selbst wird zur erklärungsbedürftigen „Kampagne“ umcodiert. Von hier aus entfaltet sich eine Logik, die weniger widerlegt als ersetzt. „ Die Linke hat ...

Die Kunst der falschen Balance

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TL;DR: Die Erklärung der Linken-Führung zur Nahost-Debatte versucht, durch Ausgewogenheit und Sprachdisziplin den innerparteilichen Konflikt zu befrieden, verliert dabei aber politische Klarheit. Indem sie Antizionismus teils kritisiert, teils legitimiert, historische Verantwortung relativiert und Begriffe wie „Zionist“ und „Antisemit“ symmetrisch behandelt, verwischt sie entscheidende Unterschiede. Der universalistische Appell („beide Seiten“) ersetzt eine klare Positionierung. So wird ein politischer Konflikt zu einem Debattenproblem umgedeutet – und genau dadurch nicht gelöst. Wie Die Linke den Nahostkonflikt befrieden will – und dabei an der Wirklichkeit vorbeiredet Es gibt Texte, die wollen schlichten – und verraten gerade darin, was sie nicht verstehen. Die Erklärung der Linken-Vorsitzenden zur Nahost-Debatte ( Debatte um Nahost verlangt besondere Verantwortung ) gehört in diese Kategorie: ein Dokument der Ausgewogenheit, das sich an der Wirklichkeit blamiert. Man erkennt d...

Antisemitismus im März 2026

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Wer wissen möchte, wie Antisemitismus im Jahr 2026 aussieht, muss keine Archive öffnen. Es genügt, die Nachrichten eines halben Monats zu lesen. Am 2. März in Toronto wurden während der Purim-Feierlichkeiten Schüsse auf die Synagoge Temple Emanu-El abgegeben. Die Polizei fand Patronenhülsen und Einschusslöcher. Dass niemand verletzt wurde, gilt als Glück – nicht als Beruhigung. Am 6. März in Oslo nahm die Polizei drei Personen vor der Synagoge fest. In ihrem Besitz: illegale Schusswaffen und Sprengstoffausrüstung. Es fehlte offenbar nur noch der Moment. Am 7. März, wieder Toronto : zwei Synagogen innerhalb von dreißig Minuten. Erst Shaarei Shomayim, kurz darauf Beth Avraham Yoseph (BAYT). Wer hier noch von Einzelfällen spricht, betreibt nicht Analyse, sondern Verharmlosung. Am 9. März in Lüttich zerstörte eine Explosion Teile der historischen Synagoge der Stadt. Die Behörden nannten es, was es ist: einen gezielten antisemitischen Anschlag. Am 12. März in West Bloomfield, Michigan rammt...

Zwischen Boulevardpanik und antizionistischem Ressentiment

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TL;DR: Kubicki liest eine BILD-Schlagzeile und ruft „Zeitbombe“. ‚Klassenkämpfer Markus‘ ruft „Rassismus“ und „Mossad“. Zwei Lager, ein Problem: Rechts ersetzt Analyse durch Alarm, Links Kritik durch Beschimpfung. Denken fällt zwischen Schlagzeile und Schimpfwort aus. Eine kleine Szene aus der deutschen Twitter-Provinz und das große Missverständnis der Gegenwart Aus der deutschen Twitter-Provinz erreicht uns wieder ein Lehrstück politischer Arbeitsteilung. Der eine sieht eine Schlagzeile der Bild und hört „alle Alarmglocken“. Der andere liest dieselbe Schlagzeile und hält schon die Existenz einer Studie für den Beweis des Rassismus. Dazwischen liegt kein Denken, sondern nur die Zeit, die der Daumen braucht, um „Posten“ zu treffen. Wolfgang Kubicki, der Mann für den freiheitlichen Ausnahmezustand mit Einstecktuch, entdeckt also eine Bild -Zeile: „Fast jeder zweite junge Muslim fühlt sich zum Islamismus hingezogen“. Schon ist „eine gesellschaftliche Zeitbombe“ gefunden. Man kennt ...