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Posts mit dem Label "Antizionismus" werden angezeigt.

Antirassismus ohne Juden?

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TL; DR:  Ein Flugblatt, das auf dem Campus der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle aushängt, behauptet, eine Zusammenarbeit mit der Jüdischen Gemeinde Halle bedeute die Unterstützung von „Genozid“ – und ersetzt damit Argumente durch moralische Urteile. Es zeigt exemplarisch, wie ein Teil einer sich als antirassistisch verstehenden Generation jüdische Institutionen nur dann akzeptiert, wenn sie in das eigene ideologische Raster passen. Die Gemeinde wird nicht als konkrete, historisch verwundbare Institution wahrgenommen – trotz des rechtsterroristischen Anschlags von 2019 –, sondern als Stellvertreterin für Israel. Gleichzeitig werden „passende“ jüdische Stimmen selektiv aufgewertet. So entsteht ein Antirassismus, der Vielfalt behauptet, aber Unterschiede nicht aushält. Die eigentliche Frage lautet daher: Wann kippt politische Haltung in die Ausgrenzung genau derjenigen, die sie zu schützen vorgibt? Über ein Flugblatt, eine Kunsthochschule und den Antirassismus, der jüdis...

Gaza, Antizionismus und das Elend von Teilen der Linken

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TL;DR: Die Debatte über Gaza, Zionismus und Antizionismus in Teilen der Linken wird von ideologischer Gewissheit statt von Analyse geprägt ist. Der 7. Oktober muss als ein durch Antisemitismus befeuertes Massaker an Zivilist*innen ernst genommen werden; wer das negiert, relativiert oder leugnet verlässt den Boden politischer Urteilskraft. Zugleich darf dieses Massaker nicht zur Rechtfertigung der israelischen Kriegsführung missbraucht werden. Kritik an Israels Krieg, an rechter israelischer Regierungspolitik und an realer Zerstörung in Gaza bleibt notwendig. Sie verliert aber ihren analytischen Wert dort, wo Israel oder der Zionismus zur Chiffre des absolut Bösen gemacht werden. Besonders in Teilen der Linken zeigt sich ein Antizionismus, der – etwa im Beschluss der Linksjugend ['solid] – den Zionismus einseitig als Kolonialismus und Rassismus deutet und seine historische Dimension als Reaktion auf antisemitische Verfolgung ausblendet. Die häufige Berufung auf den Genozidbegrif...

Dekarldent und „Das Ende der Partei Die Linke“

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  TL;DR Nicht  der Antrag der Parteiführung von DIE LINKE gegen jede Form von Antisemitismus ist skandalös, sondern die Dekarldents Reaktion darauf. Ein Bekenntnis gegen Antisemitismus, zur jüdischen Selbstbestimmung und zum Existenzrecht Israels ist kein Bruch mit linker Politik, sondern politischer Mindeststandard. Dass Dekarldent dies als „Freitod“ der Partei deutet, zeigt vor allem eine tiefe Krise der Urteilskraft in Teilen der Linken. Im Zentrum der Kritik steht Dekarldents Redeweise: große moralische Begriffe wie „Völkermord“, „Kolonialstaat“ oder „Zionismus“ werden mit maximaler Gewissheit benutzt, aber ohne hinreichende Differenzierung. Die Kolumne hält dagegen, dass politische Analyse nicht aus Empörung besteht, sondern aus Unterscheidungen: zwischen Israelkritik und Dämonisierung, zwischen Staat und Regierung, zwischen Antizionismus und antisemitischen Mustern. Teile der deutschen Linken haben im Streit über Israel nicht bloß einen politischen Konflikt, son...

Die falsche Wahl zwischen Flagge und Frömmigkeit

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TL;DR: Die Kolumne analysiert den 7. Oktober und seine politischen Nachwirkungen als Offenbarungseid einer Gegenwart, in der Antisemitismus, Islamismus, rassistische Staatsräson und identitäre Linkspolitik sich nicht gegenseitig ausschließen, sondern auf fatale Weise aufeinander bezogen sind. Sie kritisiert die Relativierung des Hamas-Massakers in Teilen der Linken ebenso wie die deutsche Neigung, Antisemitismuskritik in Repression, Abschottung und nationale Selbstentlastung zu verwandeln. Im Zentrum steht die Verteidigung einer emanzipatorischen Position, die weder antisemitische Gewalt als Widerstand verklärt noch antimuslimischen Rassismus als Aufklärung ausgibt.   Wie nach dem 7. Oktober aus Analyse Lagerkunde wurde und aus Kritik ein Geschäft mit der Moral Es gibt Sätze, die so geschniegelt auftreten, dass man schon an ihrer Frisur merkt, dass sie lügen. Einer davon lautet: Jetzt müsse man sich eben entscheiden. Für Israel oder für Palästina. Für Sicherheit oder für Mens...

Die behauptete Kampagne als Antwort auf Kritik

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  TL;DR:  Tweets von Ulrike Eifler und ein Kommentar der jungen Welt reagieren auf Kritik, indem sie sie zur „Kampagne“ erklären. Durch moralische Selbstzuschreibung („humanistisch“) und Anti-Establishment-Rhetorik entsteht ein geschlossenes Deutungsmuster, das sich der Prüfung entzieht – und so den ursprünglichen Vorwurf ersetzt.   Über eine Argumentation, die Kritik nicht widerlegt, sondern zur „Kampagne“ erklärt – und sich so ihrer Prüfung entzieht. Am Anfang steht kein Argument, sondern eine Umdeutung. „ Die aktuelle Kampagne … ist politisch motiviert “, schreibt Ulrike Eifler, und mit diesem Satz verschiebt sich der Gegenstand. Was als Kritik beginnt, erscheint nun als Angriff. Der Vorwurf wird nicht geprüft, sondern verortet. Kernsatz: Nicht der Antisemitismusvorwurf soll geklärt werden, sondern die Kritik selbst wird zur erklärungsbedürftigen „Kampagne“ umcodiert. Von hier aus entfaltet sich eine Logik, die weniger widerlegt als ersetzt. „ Die Linke hat ...

Wie Daniel Bax den Antizionismus-Beschluss der Linken rhetorisch entschärft – und Özlem Alev Demirel Beifall spendet

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TL;DR: Der taz-Kommentar von Daniel Bax verharmlost den umstrittenen Antizionismus-Beschluss der Linken, indem er zentrale Inhalte wie „Genozid“ und „Apartheid“ ausblendet und ihn auf bloße Regierungskritik reduziert. Das Gefällt Özlem Alev Demirel die auf Twitter Daniel Bax „ für diesen weisen Kommentar. “ lobt. Statt den Inhalt zu analysieren, verschiebt Bax den Fokus auf Streitkultur und politische Wirkung. Das Lob aus dem antiimperialistischen Parteiflügel zeigt, wem diese Darstellung nützt. So entsteht keine Analyse, sondern eine rhetorische Entschärfung: Ein grundlegender politischer Konflikt wird verkleinert, ohne gelöst zu werden – und kehrt deshalb zwangsläufig wieder zurück. Wie ein radikaler Beschluss verharmlost wird – und was dabei unsichtbar blei Man kann einen politischen Text kritisieren. Man kann ihn verteidigen. Oder man kann ihn verkleinern, bis er in die eigene Argumentation passt. Die dritte Variante hat einen Vorteil: Sie erspart die Auseinandersetzung. Wora...