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Posts mit dem Label "Antizionismus" werden angezeigt.

Die behauptete Kampagne als Antwort auf Kritik

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  TL;DR:  Tweets von Ulrike Eifler und ein Kommentar der jungen Welt reagieren auf Kritik, indem sie sie zur „Kampagne“ erklären. Durch moralische Selbstzuschreibung („humanistisch“) und Anti-Establishment-Rhetorik entsteht ein geschlossenes Deutungsmuster, das sich der Prüfung entzieht – und so den ursprünglichen Vorwurf ersetzt.   Über eine Argumentation, die Kritik nicht widerlegt, sondern zur „Kampagne“ erklärt – und sich so ihrer Prüfung entzieht. Am Anfang steht kein Argument, sondern eine Umdeutung. „ Die aktuelle Kampagne … ist politisch motiviert “, schreibt Ulrike Eifler, und mit diesem Satz verschiebt sich der Gegenstand. Was als Kritik beginnt, erscheint nun als Angriff. Der Vorwurf wird nicht geprüft, sondern verortet. Kernsatz: Nicht der Antisemitismusvorwurf soll geklärt werden, sondern die Kritik selbst wird zur erklärungsbedürftigen „Kampagne“ umcodiert. Von hier aus entfaltet sich eine Logik, die weniger widerlegt als ersetzt. „ Die Linke hat ...

Wie Daniel Bax den Antizionismus-Beschluss der Linken rhetorisch entschärft – und Özlem Alev Demirel Beifall spendet

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TL;DR: Der taz-Kommentar von Daniel Bax verharmlost den umstrittenen Antizionismus-Beschluss der Linken, indem er zentrale Inhalte wie „Genozid“ und „Apartheid“ ausblendet und ihn auf bloße Regierungskritik reduziert. Das Gefällt Özlem Alev Demirel die auf Twitter Daniel Bax „ für diesen weisen Kommentar. “ lobt. Statt den Inhalt zu analysieren, verschiebt Bax den Fokus auf Streitkultur und politische Wirkung. Das Lob aus dem antiimperialistischen Parteiflügel zeigt, wem diese Darstellung nützt. So entsteht keine Analyse, sondern eine rhetorische Entschärfung: Ein grundlegender politischer Konflikt wird verkleinert, ohne gelöst zu werden – und kehrt deshalb zwangsläufig wieder zurück. Wie ein radikaler Beschluss verharmlost wird – und was dabei unsichtbar blei Man kann einen politischen Text kritisieren. Man kann ihn verteidigen. Oder man kann ihn verkleinern, bis er in die eigene Argumentation passt. Die dritte Variante hat einen Vorteil: Sie erspart die Auseinandersetzung. Wora...

Die Kunst der falschen Balance

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TL;DR: Die Erklärung der Linken-Führung zur Nahost-Debatte versucht, durch Ausgewogenheit und Sprachdisziplin den innerparteilichen Konflikt zu befrieden, verliert dabei aber politische Klarheit. Indem sie Antizionismus teils kritisiert, teils legitimiert, historische Verantwortung relativiert und Begriffe wie „Zionist“ und „Antisemit“ symmetrisch behandelt, verwischt sie entscheidende Unterschiede. Der universalistische Appell („beide Seiten“) ersetzt eine klare Positionierung. So wird ein politischer Konflikt zu einem Debattenproblem umgedeutet – und genau dadurch nicht gelöst. Wie Die Linke den Nahostkonflikt befrieden will – und dabei an der Wirklichkeit vorbeiredet Es gibt Texte, die wollen schlichten – und verraten gerade darin, was sie nicht verstehen. Die Erklärung der Linken-Vorsitzenden zur Nahost-Debatte ( Debatte um Nahost verlangt besondere Verantwortung ) gehört in diese Kategorie: ein Dokument der Ausgewogenheit, das sich an der Wirklichkeit blamiert. Man erkennt d...

Nicole Gohlke und die Kunst der Verkleinerung

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Tl;DR: Beschlossen wurde von der Niedersächsischen Partei die Linke nicht, wie Nicole Gohlke schreibt, bloß Kritik an Netanjahus rechtem Zionismus, sondern die Ablehnung des „heute real existierenden Zionismus“. Wer das nachträglich zur Regierungskritik verkleinert, betreibt nicht Aufklärung, sondern Textkosmetik mit Friedensvokabular.   Nicole Gohlke Twittert: „ Der Antrag der Linken Niedersachsen, den rechten Zionismus der Netanjahu-Regierung zu verurteilen, … ist kein Skandal, sondern notwendig .“ Das ist der erste Kunstgriff. Denn beschlossen wurde mehr. Im Antrag steht nicht: Ablehnung des rechten Zionismus der Netanjahu-Regierung. Dort steht: „ Die Linke Niedersachsen lehnt den heute real existierenden Zionismus ab .“ Zwischen beiden Sätzen liegt keine Fußnote, sondern Politik. Der erste Satz des Antrags ist breit. Der Post macht ihn schmal. Aus einer Ablehnung des „heute real existierenden Zionismus“ wird Kritik am „ rechten Zionismus der Netanjahu-Regierung “. Das ...

Antizionismus alter Schule: Der Beschluss der Linken Niedersachsen

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TL:DR; Der Landesparteitag der Linken Niedersachsen beschloss am Wochenende  die Ablehnung des Zionismus. Die Argumentation des Antrags folgt in zentralen Punkten einem Muster, das bereits im antizionistischen Diskurs der Sowjetunion und des Stalinismus entwickelt wurde. Wie ein Parteitagsbeschluss der Linken Niedersachsen eine Doktrin der Stalin-Zeit Recycelt. Vorbemerkung: Die nachfolgende Kolumne bezieht sich ausdrücklich auf die beschlossene Version des Antrags A01 „Ablehnung des Zionismus“ , wie sie auf der Webseite der Linken Niedersachsen veröffentlicht is t. Es gibt politische Beschlüsse, die so sehr von sich überzeugt sind, dass sie gar nicht merken, wie alt sie sind. Der Landesparteitag der Linken Niedersachsen hat am 15. März 2026 mit Zweidrittelmehrheit beschlossen, den „ heute real existierenden Zionismus “ abzulehnen. Der Antragsteller Erik Uden kommentierte den Erfolg auf Mastodon mit sichtbarem Stolz: „ Mein Antrag zur Ablehnung des Zionismus wurde von ⅔ des Land...

Zwischen Boulevardpanik und antizionistischem Ressentiment

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TL;DR: Kubicki liest eine BILD-Schlagzeile und ruft „Zeitbombe“. ‚Klassenkämpfer Markus‘ ruft „Rassismus“ und „Mossad“. Zwei Lager, ein Problem: Rechts ersetzt Analyse durch Alarm, Links Kritik durch Beschimpfung. Denken fällt zwischen Schlagzeile und Schimpfwort aus. Eine kleine Szene aus der deutschen Twitter-Provinz und das große Missverständnis der Gegenwart Aus der deutschen Twitter-Provinz erreicht uns wieder ein Lehrstück politischer Arbeitsteilung. Der eine sieht eine Schlagzeile der Bild und hört „alle Alarmglocken“. Der andere liest dieselbe Schlagzeile und hält schon die Existenz einer Studie für den Beweis des Rassismus. Dazwischen liegt kein Denken, sondern nur die Zeit, die der Daumen braucht, um „Posten“ zu treffen. Wolfgang Kubicki, der Mann für den freiheitlichen Ausnahmezustand mit Einstecktuch, entdeckt also eine Bild -Zeile: „Fast jeder zweite junge Muslim fühlt sich zum Islamismus hingezogen“. Schon ist „eine gesellschaftliche Zeitbombe“ gefunden. Man kennt ...

Menschenfresser und Medienverschwörung – Wie der Antizionismus seine Maske fallen lässt

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TL;DR: Essay über den Facebook-Diskurs zu Naidoos „Menschenfresser“-Rhetorik: Wie aus Empörung über Kindesmissbrauch eine alte antisemitische Semantik wird – Zionisten als Dämonen, Rothschild als Chiffre, Israel als Strippenzieher. Antizionismus erscheint hier nicht als Kritik, sondern als Traditionspflege. Wie Antizionismus im Facebook-Diskurs alte antisemitische Muster und Verschwörungsmythen reaktiviert. Als die Jüdische Allgemeine über Xavier Naidoos Rede berichtete, in der von „Menschenfressern“ die Rede war, empörte sich der Facebook-Mob nicht über die ritualmordnahe Metaphorik. Empört war man über die Zeitung. Nicht das Ressentiment war das Problem – sondern dass es benannt wurde. Das ist der erste Befund. Und er ist entscheidend. Denn was sich im Kommentarbereich entfaltete, war keine missverstandene Sorge um Kindesmissbrauch. Es war die strukturierte Wiederkehr eines alten Musters: die Personalisierung gesellschaftlicher Abstraktion im Bild des „zionistischen Strippenzi...

Blinde Flecken

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TL;DR: In jüdischen Gemeinden wird wieder gefragt: Kämpfen die Parteien genug gegen Judenhass? AfD ausgeladen – klar. Doch auch Die Linke. Antisemitismus kommt nicht nur von rechts. Wer ihn nur beim Gegner sucht, verteidigt Moral – nicht jüdisches Leben. Wer zahlt den Preis? Warum der Kampf gegen Antisemitismus in Deutschland so gern beim politischen Gegner beginnt – und dort endet In deutschen jüdischen Gemeinden wird wieder diskutiert. Wieder gefragt. Wieder beschworen. Kämpfen die Parteien beherzt genug gegen Judenhass? Auf dem Podium: CDU, SPD, Grüne, FDP, Volt. Nicht eingeladen: die AfD – vom Zentralrat der Juden treffend beschrieben als „eine Partei, in der sich Antisemiten zu Hause fühlen können“. Ebenfalls nicht eingeladen: Die Linke. Das ist die eigentliche Nachricht. Die Frankfurter Jüdische Gemeinde hat sich entschieden, nicht nur die AfD auszuladen – „ eine Selbstverständlichkeit “, wie ihr Vorsitzender Benjamin Graumann in der FAZ sagte –, sondern auch die Linke....

Die neue Volksfront von Dresden bis Gaza

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T L;DR: „Gestern Dresden – heute Gaza“: Wenn Neonazis Israel als „Völkermörder“ brandmarken und Linke ihnen rhetorisch Beifall klatschen, verschwimmt die Grenze. Wer Israel zum „Genozid“-Projekt erklärt, betreibt keine Kritik, sondern Delegitimierung – und entsorgt Geschichte zugunsten der Pose. Wie sich Rechte und Linke im Hass auf Israel begegnen – und dabei die eigene Geschichte entsorgen Man muss sich das Transparent nur lange genug ansehen, um zu begreifen, dass es nicht von gestern handelt, sondern von vorgestern. „Gestern Dresden – heute Gaza. Völkermörder zur Rechenschaft ziehen.“ Ein Satz wie eine Gleichung, die schon falsch ist, bevor sie aufgestellt wird. Dresden steht links vom Gedankenstrich, Gaza rechts davon – und dazwischen die Behauptung moralischer Identität. Geschichte als Rechenaufgabe für Anfänger. Es marschieren die Üblichen. Früher hießen sie NPD, heute „Die Heimat“. Der neue Name klingt nach Baumarkt, das alte Programm bleibt. Jedes Jahr im Februar ziehen si...