Posts

Posts mit dem Label "Gaza" werden angezeigt.

Gaza, Antizionismus und das Elend von Teilen der Linken

Bild
TL;DR: Die Debatte über Gaza, Zionismus und Antizionismus in Teilen der Linken wird von ideologischer Gewissheit statt von Analyse geprägt ist. Der 7. Oktober muss als ein durch Antisemitismus befeuertes Massaker an Zivilist*innen ernst genommen werden; wer das negiert, relativiert oder leugnet verlässt den Boden politischer Urteilskraft. Zugleich darf dieses Massaker nicht zur Rechtfertigung der israelischen Kriegsführung missbraucht werden. Kritik an Israels Krieg, an rechter israelischer Regierungspolitik und an realer Zerstörung in Gaza bleibt notwendig. Sie verliert aber ihren analytischen Wert dort, wo Israel oder der Zionismus zur Chiffre des absolut Bösen gemacht werden. Besonders in Teilen der Linken zeigt sich ein Antizionismus, der – etwa im Beschluss der Linksjugend ['solid] – den Zionismus einseitig als Kolonialismus und Rassismus deutet und seine historische Dimension als Reaktion auf antisemitische Verfolgung ausblendet. Die häufige Berufung auf den Genozidbegrif...

Friedensnobelpreis für Trump? Nein – aber Jäckels Mythos vom Schuldigen Trump ersetzt Analyse durch Legende

Bild
TL;DR:   Kein Applaus für Trump? Richtig. Aber auch nicht für Jäckels Kommentar, der Analyse durch Moralisieren ersetzt – und die Hamas, durch das Verschweigen ihrer Täterrolle im Gaza-Krieg, faktisch vom Täter zum Opfer macht. So verfehlt man den Kern des Konflikts.   Zu Pauline Jäckels Trump-Kommentar „Warum Trump nicht einmal Applaus verdient“ in der taz Pauline Jäckels Kommentar trägt den Titel „Warum Trump nicht einmal Applaus verdient“. Schon der Titel ein Crescendo der Selbstgewissheit, das vor allem eines ausstrahlt: moralische Hygiene. Das Problem beginnt nicht bei der These, sondern bei der Struktur des Denkens, die hinter ihr liegt. „Niemand außer dem US-Präsidenten hätte diesen Krieg beenden können, und zwar genau deshalb, weil er derjenige ist, der sein Fortführen überhaupt möglich gemacht hat.“ Das ist nicht nur eine steile Dialektik, sondern ein Hütchenspiel. Wer den Krieg ermöglicht, so Jäckels Logik, hat ihn zu verantworten – wer ihn beendet, erhält ...

Warum die autoritär-sektiererische deutsche Linke mit ihrer Ablehnung von Trumps Gaza-Plan kolossal irrt

Bild
TL;DR: Wer Trumps Gaza-Plan reflexhaft ablehnt, weil er nicht perfekt ist oder von Trump stammt, verwechselt Moral mit Realitätsverweigerung. Ein unvollkommener Frieden rettet Leben – ideologische Reinheit rettet niemande   Wenn der deutsche Linke empört ist, dann richtig: Er will keine Kompromisse, sondern Erlösung. Keine Pläne, sondern Programme. Keine Realität, sondern Richtigkeit. Und wenn es um Palästina geht, dann wird aus linker Gesinnung schnell ein dogmatischer Stehsatz – etwa: Jeder Plan, der nicht das Ende der Besatzung verkündet, ist kolonial, imperial, zionistisch – oder alles zugleich. Und also wird Trumps 20-Punkte-Plan, jenes blasse, pragmatische Dokument mit taktischem Stallgeruch, als „ Kapitulation “, „ Ein ungeheuerlicher Plan“ , „ ultra-kolonialistischen „Friedensplan“ Trumps “ und „ imperialistisches Täuschungsmanöver . “ denunziert. Nicht von Netanjahu, sondern von seinen vermeintlich glühendsten Gegnern: der linken Solidaritätsfraktion im Westen. Und hi...

Empörung als Ersatzhandlung: Jan van Aken über Trumps Plan

Bild
TL;DR:   Van Aken zerreißt Trumps Plan moralisch, bleibt aber jede strategische Analyse schuldig. Statt Machtverhältnisse zu durchdringen, liefert er Empörung mit Wohlfühlfaktor – und scheitert so an dem, was er kritisiert: politischer Realitätssinn.   Wenn Jan van Aken schreibt, Trumps Plan sei „ leider kein Friedensplan “ , dann ist das ungefähr so erkenntnisreich wie die Feststellung, dass ein Vorschlaghammer sich nur bedingt als Flöte eignet. Der Text beginnt mit hunderttausend Demonstranten in Berlin und endet – wie könnte es anders sein – mit dem Ruf nach Den Haag. Dazwischen: eine Moraldröhnung, garniert mit kolonialismuskritischen Allgemeinplätzen, der unerschütterliche Glaube an „die Menschen vor Ort“ und ein Schurkenpanoptikum aus Netanjahu, Trump und – pflichtschuldigst – der Hamas. Doch dieser Beitrag, der vorgibt, den Trump’schen Plan zu zerpflücken, verrät mehr über die Unzulänglichkeiten einer bestimmten linken Analyseweise als über die tatsächliche Bescha...

Die Moral als Marschbefehl

Bild
 TL;DR:  Bax ruft in der taz zur Intervention gegen Israel, doch sein Kommentar blendet den 7. Oktober aus. Wer moralisch urteilt, darf den Kontext nicht streichen. Kritik braucht Maß, nicht Pathos – und Verantwortung beginnt mit vollständiger Erinnerung. Zu Daniel Bax' Ruf in der taz nach „humanitärer Intervention“ Daniel Bax will nicht nur beschreiben, sondern eingreifen. Sein Text zur Lage in Gaza ist kein analytischer Essay, sondern ein Aufruf im Gewand eines Kommentars– getragen von moralischer Dringlichkeit, gerichtet an eine Weltgemeinschaft, die aus seiner Sicht zu lange weggesehen hat. Israel begehe Kriegsverbrechen. Die internationale Gemeinschaft müsse handeln. Und wenn die UNO schweigt, müsse „der Westen“ sprechen – mit Sanktionen, Embargos, notfalls mit Intervention. Doch was Bax als „humanitäre Pflicht“ vorträgt, verliert durch das, was fehlt, an intellektueller Erdung. Der 7. Oktober, der Ausgangspunkt des aktuellen Krieges, erscheint in seinem Text nicht...

Dialog unter Druck – Stimmen aus Israel und Gaza im Gespräch mit der Progressiven Linken

Bild
  Zwischen Gaza und Tel Aviv: Linker Dialog gegen den Hass   In einem Livestream der „Progressiven Linken“ trafen israelische und palästinensische Aktivist*innen virtuell aufeinander. Der Abend zeigte eindrücklich, wie schwer echter Dialog heute ist – und warum er dennoch unverzichtbar bleibt.   Berlin, 19. Juli 2025. Während draußen die Berliner Sommernacht anbricht, versammelt sich ein digitales Publikum vor Bildschirmen. Der Livestream der Veranstaltung "Voices from Israel & Gaza" , organisiert vom Netzwerk Progressive Linke, verspricht einen seltenen Moment: ein öffentliches Gespräch zwischen israelischen und palästinensischen Stimmen – differenziert, konfrontativ, ehrlich. Zu Gast im Stream sind Shai Dashevsky, Hamza Howidy, Hanan Liguori und Rosa Jellinek – vier Menschen mit sehr unterschiedlichen Biografien, vereint in der Einsicht, dass Polarisierung keine Lösung ist. Der Livestream offenbart: Diese Stimmen sprechen nicht für Regierungen oder ideologische...

Zur Handreichung „Veranstaltungen zur Situation in Gaza“ der Partei Die Linke

Bild
TL;DR:   Die Linke nennt Israel „Täter“ und Gaza „Völkermord“, ohne auch nur ein Wort über den Hamas-Terror oder die Geiseln zu verlieren. Keine Analyse, nur Propaganda: moralisch entrüstet, historisch blind, politisch einäugig – und parteiisch zugunsten der Antisemiten von Hamas. Wenn die Partei Die Linke in ihrer Handreichung „Veranstaltungen zur Situation in Gaza“ Israel einzig als Täter, Besatzer, Blockierer von Hilfslieferungen und als Betreiber eines „Zerstörungskriegs“ darstellt, ohne  auch nur in einem Satz  zu erwähnen, was dem Ganzen vorausging – nämlich der 7. Oktober 2023, als Hamas-Kommandos über 1.200 Menschen massakrierten, Babys köpften, Frauen vergewaltigten und über 200 Geiseln verschleppten –, dann ist das keine politische Analyse, sondern Vorurteil mit moralischem Lack. Die Handreichung klingt streckenweise wie aus dem Repertoire jener, die Israel als das Böse schlechthin imaginieren. Diese Haltung zeigt sich hier in Reinform: Kein Wort zur Hamas, kein...

Zur „Pressemitteilung von United4Gaza zur Demonstration am 21. Juni 2025“ oder Der Sieg der reinen Gesinnung

Bild
TL;DR:  Laut  Pressemitteilung  " ü ber 70.000 marschieren in Berlin – gegen Israel, gegen Deutschland, für ein verkürztes Weltbild. Kein Wort zu islamistischem Terror, kein Zweifel am Antizionismus. Wer „Nie wieder“ ruft, aber Juden meint, schweigt zu Auschwitz – und verrät die Aufklärung. Laut  Pressemitteilung  marschierten  "üb er 70.000 Menschen" (in der Realität waren es ungefähr 15.000 Menschen) in Berlin und verkünden, der Feind heiße Israe l, die Schuldige sei Deutschland, und der Genozid finde – natürlich – nicht in Ruanda, in Syrien oder im Sudan statt, sondern einzig und allein dort, wo sich Juden gegen ihre Auslöschung verteidigen. Die  Pressemitteilung  zur Demonstration „ United4Gaza “ liest sich wie das Sprechblatt einer moralisch durchtherapierten Linken, die gelernt hat, dass Antisemitismus kein Makel ist, solange man ihn „Antizionismus“ nennt. Man inszeniert sich als Widerstand gegen ein „imperialistisches System“ – das heißt:...

In Memoriam Paul Spiegel und seinem „Hinter dem Ruf nach Frieden verschanzen sich die Mörder.“ - Zur kritik der „United for Gaza“-Demo am 21. Juni 2025 in Berlin

Bild
 TL;DR:  Die Aufrufer*innen zu   „United4Gaza“ nennt es Frieden, meint aber das Ende Israels. Wer am 21. Juni marschiert, klagt nicht an, er vertauscht Täter und Opfer – und macht aus Verteidigung ein Verbrechen. Paul Spiegel hatte recht: Hinter dem Ruf nach Frieden verschanzen sich die Mörder. Wenn sich eine Demonstration in Berlin zum moralischen Tribunal erhebt, ist Vorsicht geboten. Denn nicht immer steht hinter dem Ruf nach Frieden ein Bekenntnis zum Leben – manchmal das Gegenteil. Die Organisatoren der sogenannten „United4Gaza“-Demo verkünden große Ziele: ein Ende des angeblichen Genozids, den sie Israel zuschreiben, ein sofortiger Stopp aller Waffenlieferungen an diesen Staat, die Aufhebung der Blockade des Gazastreifens und die Entkriminalisierung ihrer eigenen Proteste. Was sie nicht sagen – aber permanent durchscheinen lassen – ist das eigentliche Anliegen: die De-Legitimierung des jüdischen Staates unter dem Banner der Menschenrechte. Die Wortwahl ist verräteri...