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Es werden Posts vom Februar, 2026 angezeigt.

Der Justizmörder der Islamischen Republik: Gholam-Hossein Mohseni-Ejei – ein Leben im Dienst des Urteils, ein Tod im Bombenhag

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TL;DR:  Irans oberster Justizfunktionär und notorischer Vollstrecker politischer Urteile, Gholam-Hossein Mohseni-Ejei, starb im Bombenhagel einen schnellen Tod. War das gerecht? Wahrscheinlich nicht. Aber die Welt ist ohne einen Mann besser dran, der tausendfach summarische Todesurteile gegen Demonstrant*innen verhängen ließ und Repression zur Staatsräson erhob. Update: Die Hoffnung, der Massenmörder Gholam-Hossein Mohseni-Ejei habe im Bombenhagel sein verdientes, frühes Ende gefunden, war verfrüht. Stattdessen geschah das Gegenteil: Nach dem Tod Ali Chameneis am 28. Februar 2026 rückte Mohseni-Ejei – zusammen mit Massud Peseschkian und Alireza Arafi – in den dreiköpfigen Übergangsrat auf. Der oberste Hüter des göttlich verbrämten Rechts ist tot. Er starb nicht im Bett, nicht im Ruhestand, nicht von Zweifeln geplagt, sondern im Bombenhagel. Ob das gerecht war? Diese Frage stellen gewöhnlich jene, die Gerechtigkeit sonst für ein Verwaltungsdetail halten. Man kann sie also getrost o...

Fairness als Karriereordnung: Boris Palmer zum Wahlkampf

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TL;DR: Palmer nennt die sexualisierte Rede eines Politikers über Schülerinnen eine „alte ungeschickte Aussage“ – und erklärt feministische Kritik daran zum Fairnessproblem. Nicht die sexualisierte Wahrnehmung von minderjährigen stört ihn, sondern das Thematisieren vor der Wahl. Wie aus der sexualisierten Wahrnehmung von Schülerinnen eine „alte ungeschickte Aussage“ wird – und aus feministischer Kritik ein Timingproblem Ich gestehe: Als Bewohner der Stadt Tübingen und überzeugter Nichtwähler von Boris Palmer zähle ich zu jenen Menschen, die es vorziehen, etwas Sinnvolleres zu tun – etwa einer Waschmaschine beim Waschen zuzusehen –, als die neuesten Elaborate ihres Oberbürgermeisters zu studieren. Ich hätte es auch im Falle jenes Beitrags halten sollen, der unter dem schlichten Titel „@Fairness im Wahlkampf“ firmiert und doch nichts anderes ist als eine weitere Übung in Selbstgerechtigkeit. Andererseits: Wenige Tage vor der Baden-Württemberg-Wahl drängt sich eine Einsicht auf, di...

Buchenwald ist kein Seminarraum – und kein Megafon

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TL;DR: Buchenwald ist kein Seminarraum – und kein Megafon. Wer am KZ-Ort „Israels Massenmord“ ruft, lädt Gegenwartspolitik historisch auf und funktionalisiert Erinnerung. Kritik daran ist nicht „rechte Agenda“, sondern die Frage nach Anstand und Maß am Tatort der Geschichte. Zum Artikel „Rechte Agenda“ (Nick Brauns, junge welt, 25.02.2026) Buchenwald ist kein Seminarraum. Man kann dort nichts „diskutieren“, ohne dass der Boden widerspricht. Und es ist erst recht kein Megafon, in das man Gegenwartsparolen spricht, damit sie im Echo der Geschichte moralischer klingen. Wer diesen Unterschied verwischt, verwechselt Ort mit Gelegenheit. Nick Brauns eröffnet seinen Text „ Rechte Agenda “ mit der Feststellung: „ In rechten Blättern herrscht helle Aufregung .“ Das mag sein. Rechte Blätter leben von Aufregung wie andere von Auflage. Aber die Aufregung der Falschen macht das Eigene nicht richtig. Der Hinweis auf Bild ersetzt kein Argument; er schafft nur eine Front, auf der man sich bequem...

Antisemitismuskritik im Kriegsmodus

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TL;DR: Antisemitismuskritik ist notwendig. Aber sie verliert ihre Kraft, wenn sie Entmenschlichung normalisiert und moralische Gewissheit für Analyse hält. Über den Artikel „Auf sie mit Gebrüll!“ und die Selbstbeschädigung eines richtigen Anliegens im falschen Ton. Wie „ Auf sie mit Gebrüll!“ von   Antje Jelinek in den Ruhrbarone Entmenschlichung normalisiert und moralische Gewissheit mit politischer Analyse verwechselt Es gibt Menschen, die halten Antisemitismusprävention für eine Arbeit an Begriffen. Und es gibt Menschen, die halten sie für eine Arbeit mit Begriffen – als Wurfgeschosse. Wer sich fragt, wie so etwas aussieht, braucht keine Fortbildung. Es reicht ein Blick in die Ruhrbarone, wo Antje Jelinek am 26.02.2026 die Leiterin eines staatlich geförderten Projekts gegen Hass im Netz gegen den Vorwurf der Hassrede verteidigt – mit einer Inbrunst, die man sonst nur aus Fankurven kennt. „ Auf sie mit Gebrüll! “ heißt das Stück: Programm, Methode, Ergebnis. Die Verteidigung...

Antisemitismusprävention als Kulturkampf-Accessoire

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TL;DR:  Das Berliner ZERA-Institut: 390.000 € für „Antisemitismusprävention“ – und an der Spitze eine Social-Media-Rhetorik aus „Parasiten“ für Soros (einen Juden), „Pali-Orks“ und „Token“-Juden. Prävention als Kulturkampf-Accessoire. Wer stoppt das?   Über das Berliner  ZERA-Institut , die CDU-Förderlogik und eine Chefin, die „Hass“ bekämpft wie andere Leute Streichhölzer testen Man stelle sich vor, die Feuerwehr würde Brandbeschleuniger verteilen, „um das Feuer besser zu verstehen“. Man stelle sich vor, ein Ernährungsrat empfiehlt Zuckerwürfel, „in zugespitzter Auseinandersetzung“. Und man stelle sich vor, eine staatlich geförderte Einrichtung gegen Antisemitismus wird von einer Person geführt, deren öffentliche Rhetorik so zuverlässig eskaliert, dass man sie eher als Testlabor für Enthemmung liest denn als Präventionsinstanz. Willkommen im Berliner Förderrealismus, jener Spielart politischer Vernunft, die mit dem einen Auge auf Haushaltsreste schielt und mit de...

Neukölln ist nicht überall

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TL;DR: „ Neukölln ist überall“ behauptet Weltformel und liefert Weltbild: Genozid, Faschisierung, Staatsräson. Viel Verdichtung, wenig Differenz. Antisemitismus erscheint als Vorwurf, nicht als Problem. Wer alles erklärt, erklärt am Ende zu viel – und zu wenig zugleich. Wie man mit großen Worten kleine Differenzen tilgt „ Neukölln ist überall “, schreibt Jorinde Schulz. Man könnte das für eine soziologische These halten. Tatsächlich ist es eine Weltformel. Sie behauptet, was im Berliner Süden geschieht, sei nicht lokal, sondern exemplarisch – ein „ politisches Brennglas “. Wer so beginnt, will nicht berichten, sondern deuten. Und wer deutet, setzt Maßstäbe. Schulz setzt ihre Maßstäbe früh. „ Krieg ist Frieden “, zitiert sie Arundhati Roy. Dann folgt die Kaskade: „ Aufrüstung ist Friedenssicherung, Zivilist innen sind Terrorist innen, Palästina existiert nicht .“ Das ist nicht Analyse, das ist Verdichtung. Worte werden hier nicht erklärt, sondern aufgeladen. Der Text lebt von die...

Die immergleiche Platte der Susann Witt-Stahl – oder: Wie man sich die Welt zurechtstalinisiert

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TL;DR: Susann Witt-Stahl erklärt 1989 zur „Kernschmelze“ der Westdeutschen Linken und die Antideutschen zum Zerfallsprodukt. Doch wer Geschichte nur als Verrat an der eigenen Gewissheit liest, ersetzt Analyse durch Ideologie. Komplexität ist kein Verrat – sie ist die Zumutung der Wirklichkeit. Über die Lust an der Gewissheit und die Angst vor der Geschichte Es gibt Debatten, die verlaufen wie alte Schallplatten. Man weiß, wo sie knistern werden, man kennt die Stellen, an denen die Nadel springt, und doch wird jedes Mal so getan, als höre man gerade etwas Neues. Das Gespräch zwischen Ignacio Rosaslanda und Susann Witt-Stahl über die „Genese der Antideutschen“ ist eine solche Aufnahme. Titel: „ Von ›Nie wieder Deutschland‹ zu ›Nie wieder Gaza‹ “. Untertitel könnte lauten: Wie man aus jeder historischen Zäsur eine Verschwörung macht. Witt-Stahl spricht von einer „ Kernschmelze der antikapitalistischen Linken “ 1989/90. Das ist ein starkes Bild. Kernschmelzen sind Katastrophen, sie ...

Menschenfresser und Medienverschwörung – Wie der Antizionismus seine Maske fallen lässt

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TL;DR: Essay über den Facebook-Diskurs zu Naidoos „Menschenfresser“-Rhetorik: Wie aus Empörung über Kindesmissbrauch eine alte antisemitische Semantik wird – Zionisten als Dämonen, Rothschild als Chiffre, Israel als Strippenzieher. Antizionismus erscheint hier nicht als Kritik, sondern als Traditionspflege. Wie Antizionismus im Facebook-Diskurs alte antisemitische Muster und Verschwörungsmythen reaktiviert. Als die Jüdische Allgemeine über Xavier Naidoos Rede berichtete, in der von „Menschenfressern“ die Rede war, empörte sich der Facebook-Mob nicht über die ritualmordnahe Metaphorik. Empört war man über die Zeitung. Nicht das Ressentiment war das Problem – sondern dass es benannt wurde. Das ist der erste Befund. Und er ist entscheidend. Denn was sich im Kommentarbereich entfaltete, war keine missverstandene Sorge um Kindesmissbrauch. Es war die strukturierte Wiederkehr eines alten Musters: die Personalisierung gesellschaftlicher Abstraktion im Bild des „zionistischen Strippenzi...

Die Autobahn nach Gaza

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TL;DR: „Nicht alles war schlecht“ – so beginnt die rhetorische Entlastung. Wer Autobahnen oder Schulen gegen Terror aufrechnet, verschiebt den Zweck hinter die Fassade. Infrastruktur ist kein moralisches Gegengewicht. Entscheidend ist, welchem politischen Projekt sie dient. Wie Sozialpolitik zur Entlastungsrhetorik von Antisemiten wird wird „Nicht alles war schlecht.“ Mit diesem Satz beginnt jede nachträgliche Amnestie. Er klingt wie eine Differenzierung, ist aber eine Verschiebung. Plötzlich geht es nicht mehr um Vernichtung, sondern um Beton. Nicht mehr um Ideologie, sondern um Asphalt. Verwaltung statt Gewalt. „Dass Nazis Autobahnen bauten, ist m. E. keine Lüge“, heißt es in einem der Tweets. Richtig. Es ist keine 100% Lüge aber eben auch keine 100% Warheit. Es ist Propaganda , die, nach 1945 zur Volks-Mythologie wurde, ähnlich war wie die Kyffhäusersage . Aber es ist auch kein Argument. Die Autobahn ist Faktum. Ihre argumentative Funktion entscheidet. Die Forschung ist e...

Bündnis, Blindheit und die Kunst, nichts gehört zu haben

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TL;DR: Feminismus beginnt an der Tür: Wer jüdische oder israelische Frauen „nicht willkommen“ nennt, verlässt den Boden der Solidarität. Antisemitismus verschwindet nicht, nur weil man ihn Staatskritik nennt. Die Frage bleibt: Ideologie verteidigen – oder Menschen? Über einen feministischen Streit, der mehr verrät als er erklärt Manchmal reicht ein einziger Satz, um eine politische Debatte zu entkernen. In diesem Fall lautet er: Jüdische oder israelische Frauen sollten sich auf einer feministischen Demonstration „ nicht willkommen “ fühlen und müssten sich dort „ nicht sicher fühlen “. Wenn das stimmt, dann ist jede weitere Diskussion eine Fußnote. Die GRÜNE JUGEND Hamburg zieht daraus eine Konsequenz, die man weder revolutionär noch heldenhaft nennen muss, wohl aber folgerichtig: Sie verlässt das 8M-Bündnis. Begründung: „antisemitische Äußerungen sowie ein transfeindlicher Übergriff“. Wer die eigenen Vertreter*innen mit „Es“ anspricht, demonstriert nebenbei, dass auch Pronomen...