Antisemitismus im März 2026
Wer wissen möchte, wie Antisemitismus im Jahr 2026 aussieht, muss keine Archive öffnen. Es genügt, die Nachrichten eines halben Monats zu lesen.
Am 2. März in Toronto wurden während der Purim-Feierlichkeiten Schüsse auf die Synagoge Temple Emanu-El abgegeben. Die Polizei fand Patronenhülsen und Einschusslöcher. Dass niemand verletzt wurde, gilt als Glück – nicht als Beruhigung.
Am 6. März in Oslo nahm die Polizei drei Personen vor der Synagoge fest. In ihrem Besitz: illegale Schusswaffen und Sprengstoffausrüstung. Es fehlte offenbar nur noch der Moment.
Am 7. März, wieder Toronto:
zwei Synagogen innerhalb von dreißig Minuten.
Erst Shaarei Shomayim,
kurz darauf Beth Avraham Yoseph (BAYT).
Wer hier noch von Einzelfällen spricht, betreibt nicht Analyse, sondern Verharmlosung.
Am 9. März in Lüttich zerstörte eine Explosion Teile der historischen Synagoge der Stadt. Die Behörden nannten es, was es ist: einen gezielten antisemitischen Anschlag.
Am 12. März in West Bloomfield, Michigan rammte ein bewaffneter Angreifer ein mit Feuerwerkskörpern und Benzin beladenes Fahrzeug in das Gebäude von Temple Israel. In der Kindertagesstätte des Hauses befanden sich zu diesem Zeitpunkt 140 Kinder. Der Täter schoss durch seine eigene Windschutzscheibe, lieferte sich ein Feuergefecht mit dem Sicherheitspersonal und tötete sich schließlich selbst.
Am 13. März in Rotterdam detonierte ein Sprengsatz am Eingang einer Synagoge im Stadtzentrum und setzte das Gebäude in Brand. Vier Verdächtige zwischen 17 und 19 Jahren wurden festgenommen – jung genug, um noch als „Jugendliche“ zu gelten, alt genug, um zu wissen, wohin sie den Sprengsatz legen.
Am 14. März in Amsterdam erschütterte eine Explosion eine jüdische Schule für orthodoxe Kinder. Die Bürgermeisterin sprach von einem „feigen Akt der Aggression“. Eine Formulierung, die vor allem eines vermeidet: das Wort Antisemitismus.
Die jüdischen Menschen in Amsterdam sind nur die jüngsten Opfer.
Die eigentliche Frage lautet längst nicht mehr, ob es weitergeht.
Sondern nur noch: Wo – und wann – als Nächstes.