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Wenn der ‚Nazi‘ zum verfolgten Juden phantasiert wird

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TL;DR: Waldemar Hartmann erklärt „Werbt nicht bei Nazis“ zur Umkehrung von „Kauft nicht bei Juden“. Damit reduziert er den NS-Boykott von 1933 auf das abstrakte Mittel „Boykott“ und blendet dessen historischen Charakter aus: Juden wurden als antisemitisch definierte Minderheit systematisch aus Wirtschaft und Gesellschaft verdrängt. Die Analogie macht so aus politisch Boykottierten imaginierte historische Opfer – und aus konkreter Geschichte eine beliebig verwendbare Empörungsformel. Wie aus „Werbt nicht bei Nazis“ die Wiederkehr von „Kauft nicht bei Juden“ konstruiert wird – und der Unterschied zwischen politischem Boykott und antisemitischer Verfolgung verschwindet. Waldemar Hartmann ist fassungslos. Das ist sein gutes Recht und vermutlich auch die günstigste Voraussetzung für einen Tweet. Eine Boykottliste von Campact, schreibt er, bedeute „ im Prinzip ja nix anderes alsdie Umkehrung der Nazi-Parole: Kauft nicht bei Juden “. Heute heiße es: „Werbt nicht bei Nazis.“ Und weil der R...