Die Linke ist verloren – Zeit für eine neue Linke

TL;DR: Die Entwicklung der Partei Die Linke zu einer autoritären Kaderpartei erscheint kaum noch umkehrbar. Statt Dogmatismus, Palästinakult, Antisemitismus und ideologischer Abschottung braucht es eine neue antiautoritäre Linke, die den Marxschen Imperativ ernst nimmt, Antisemitismus und Nationalismus bekämpft, soziale und ökologische Fragen verbindet und der extremen Rechten eine emanzipatorische Alternative entgegensetzt.

Screenshot eines Social-Media-Beitrags von Jutta Ditfurth (verifizierter Account, blaues Häkchen), veröffentlicht vor „5 Std.“.  Der Beitrag zeigt einen längeren deutschen Text. Darin kritisiert Ditfurth den „Jubel beim Wort ‚Genozid‘“ und argumentiert, es gehe dabei nicht um Mitgefühl mit Opfern, sondern um die Beförderung von Antisemitismus. Sie stellt die politische Entwicklung der Partei „Die Linke“ infrage, spricht von völkisch-nationalistischen und antisemitischen Positionen in der Palästinafrage und warnt vor einer autoritären Entwicklung. Außerdem äußert sie die Hoffnung, dass kritische Mitglieder die Partei verlassen und eine neue, antiautoritäre, internationalistische Linke entstehen könnte.  Über dem Screenshot liegt zentral ein großer, halbtransparenter weißer Text: „Die Linke ist Verlorene Zeit für eine neue Linke“.

Zwischen Autoritarismus und drohendem Rechtsruck braucht es eine antiautoritäre, internationalistische und ökosozialistische Kraft, die Freiheit und Emanzipation wieder ins Zentrum linker Politik stellt.

"Ich halte die Entwicklung in Richtung einer offen autoritären Partei für nicht mehr rückholbar und Ich hoffe, dass die klugen + freundlichen die Partei gut organisiert verlassen. Basis für eine neue antiautoritäre, wirklich internationationalistische Linke, die zwischen einer rechtsradikalen israelischen Regierung und dem Staat Israel, dem einzigen jüdischen Staat auf der Welt, Schutzraum für Juden und Jüdinnen, unterscheiden kann."  (Jutta Ditfurth  am 20.Juni 2026)

Jutta Ditfurth hat recht: Die Entwicklung der Partei DieLinke zu einer offen autoritären Formation scheint kaum noch umkehrbar. Wer die Debatten, Beschlüsse und innerparteilichen Verschiebungen der letzten Jahre verfolgt hat, wer gesehen hat, wie Kadergruppen, ideologische Kleingärtner und Milieus an Einfluss gewannen, die Autoritarismus immer nur beim Gegner erkennen, kann schwerlich zu einem anderen Befund kommen.

Das Problem ist nicht, dass diese Partei zu links wäre. Das Problem ist, dass sie vielerorts aufgehört hat, links im emanzipatorischen Sinn zu sein. Wo Marx21, SAV, Sol und Teile des sogenannten „palästinasolidarischen“ Spektrums den Ton setzen, wird Aufklärung gern durch Gewissheit ersetzt, Kritik durch Parole, Selbstbefreiung durch Organisationstreue. An die Stelle des mündigen Menschen tritt der Kader. An die Stelle der Befreiung die Linie.

Der Kult um Lenin, die Verharmlosung oder Relativierung von Stalinismus und Maoismus, die hartnäckige Weigerung, die Verbrechen autoritärer Regime ohne Wenn und Aber aufzuarbeiten, sind keine Folklore und keine Jugendsünden. Sie sind Auskunft über ein politisches Denken, in dem Freiheit immer erst nach der Machtergreifung vorgesehen ist — also nie.

Gerade jetzt, da die extreme Rechte in Deutschland nach der Macht greift, wäre das Gegenteil nötig: eine neue linke Kraft, die sich nicht an Fahnen, Führern und historischen Ersatzreligionen berauscht, sondern an jenem Marxschen Satz misst, „alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Menschein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesenis". Nicht als Wandtattoo für Parteitage. Als Maßstab.

Eine solche Linke müsste mit den autoritären Traditionen brechen, statt sie nostalgisch zu restaurieren. Sie müsste ökologische und soziale Fragen zusammendenken, antifaschistisch ohne Rabatt sein und zugleich jeden Nationalismus, jeden Antisemitismus und jede autoritäre Versuchung zurückweisen. Sie müsste begreifen, dass Emanzipation nicht von Avantgarden verordnet, nicht von Zirkeln verwaltet und nicht von Wahrheitsbesitzern zugeteilt wird. Sie entsteht nur durch die selbstbestimmte Beteiligung freier Menschen.

„Ich bin links“ ist noch keine politische Auskunft. Die Frage lautet: welche Linke?

Wer Dogmen über Menschen stellt, wer Palästinakult und Israelfeindschaft mir Antisemitischen Chiffres betreibt, wer Freiheit vertagt und Herrschaft und Unterdrückung nur unter anderer Fahne fortsetzen will, ist nicht Teil der Lösung. Er ist Teil des Problems.

Wer dagegen links-emanzipatorisch denkt, wer Freiheit, Gleichheit, Solidarität und ökologische Gerechtigkeit nicht gegeneinander ausspielt, wer Herrschaft kritisiert, statt sie bloß neu zu lackieren, mit dem lohnt der Streit um eine ökosozialistische Zukunft.

Die Zeit dafür ist übermorgen, nicht nach dem nächsten Parteitag, nicht nach der nächsten historischen Notwendigkeit.

Sie ist jetzt.

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