Die große Auslassung – Wie Die Linke-MdB Ulrich Thoden den Islamismus wegformuliert

TL;DR: Die Presseerklärung von Die Linken-MdB Ulrich Thoden zum Anschlag auf den Berliner CSD verurteilt Hass, Spaltung und Rechtsextreme, verschweigt jedoch den islamistischen Hintergrund der Tat. Statt die Ideologie des Täters zu benennen, richtet sich der Fokus auf die Gefahr rechter Instrumentalisierung. Wer, wie Linken-MdB Ulrich Thoden, Islamismus aus falsch verstandener Rücksicht nicht klar benennt, schwächt die Verteidigung von Freiheit, Emanzipation und queeren Rechten.

Screenshot eines Blogartikels der Partei „Die Linke“ (Landesverband Nordrhein-Westfalen). Oben links ist das rote Parteilogo zu sehen.  Der Titel des Beitrags lautet: „Anschlag auf CSD ist ein Angriff auf demokratische Vielfalt“. Darunter stehen Datum (27. Juli 2026) und der Autor Ulrich Thoden, MdB. Es folgt ein längerer Text, der den Anschlag auf den Berliner CSD verurteilt, Mitgefühl für Opfer ausdrückt und zur Solidarität sowie zum Schutz demokratischer Vielfalt aufruft.  Über den Screenshot gelegt ist eine große, hervorgehobene Überschrift: „Die große Auslassung – Wie Die Linke-MdB Ulrich Thoden den Islamismus wegformuliert“. Diese ergänzt und rahmt den dargestellten Artikel kritisch ein.

Ein islamistischer Terroranschlag auf den Berliner CSD erschüttert die Queers in diesem Land – doch in der Erklärung des Linken-Bundestagsabgeordneten Ulrich Thoden verschwindet die Ideologie des Täters hinter Floskeln über Vielfalt, Zusammenhalt und die Angst vor der falschen politischen Deutung

Die Pressemitteilung von Die Linken-MdB Ulrich Thoden zum islamistischen Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day ist ein Dokument politischer Verdrängung. Sie ist der Versuch, über einen religiös motivierten Terrorakt zu sprechen, ohne dessen Ideologie auch nur ein einziges Mal beim Namen zu nennen. Man muss das Kunststück erst einmal vollbringen: Ein islamistischer Gefährder rast mit einem Kleinbus in eine Menschenmenge, greift anschließend Menschen mit einer Machete an, eine Frau stirbt, Dutzende werden verletzt – und der Bundestagsabgeordnete der Linken verliert kein Wort über den Islamismus.

Stattdessen wird beschworen, der Anschlag richte sich gegen die „demokratische Vielfalt“, gegen „alle demokratischen Kräfte“ und sogar gegen „migrantische Communities“. Der Täter verschwindet hinter abstrakten Formeln, seine Ideologie löst sich in moralischem Nebel auf. Das eigentliche Problem scheint für Thoden nicht der islamistische Hass auf Homosexuelle und die offene Gesellschaft zu sein, sondern die Möglichkeit, dass Rechte politisches Kapital aus dem Verbrechen schlagen könnten.

Damit vollzieht die Erklärung eine bemerkenswerte Umkehrung der Prioritäten. Während die Opfer noch nicht einmal begraben sind, richtet sich der politische Zeigefinger bereits gegen jene, die den ideologischen Hintergrund der Tat benennen wollen. Die Warnung vor „rassistischer Instrumentalisierung“ nimmt mehr Raum ein als die Auseinandersetzung mit jener mörderischen Weltanschauung, die Frauen entrechtet, Homosexuelle verfolgt und religiösen Fanatismus über die Freiheit des Einzelnen stellt.

Besonders irritierend ist die Behauptung, der Anschlag habe sich gleichermaßen gegen migrantische Communities gerichtet. Nein: Der Anschlag richtete sich nach den bekannten Tatsachen gegen einen Christopher Street Day, also gegen eine Veranstaltung, die wie kaum eine andere für sexuelle Selbstbestimmung, Individualität und die Freiheit des Einzelnen steht. Der Täter handelte nicht trotz seiner islamistischen Überzeugungen, sondern gerade wegen ihnen. Wer diesen Zusammenhang verschweigt, verteidigt weder Minderheiten noch die Demokratie, sondern verweigert sich der Realität.

Das politische Problem der Erklärung liegt tiefer. Teile der Linken haben sich daran gewöhnt, gesellschaftliche Konflikte ausschließlich durch die Kategorien Diskriminierung, Rassismus und Machtverhältnisse zu betrachten. Wer als Minderheit gilt, wird reflexhaft zum Opfer erklärt – selbst dann, wenn aus den eigenen Reihen mörderischer Fanatismus erwächst. Die Folge ist eine fatale Sprachlosigkeit gegenüber islamistischer Gewalt. Aus Angst, Ressentiments zu schüren, wird eine reaktionäre Ideologie geschont, deren erste Opfer oft selbst Muslime, Frauen und queere Menschen sind.

Thodens Erklärung offenbart damit eine paradoxe Entwicklung: Eine politische Strömung, die einst antrat, Autoritäten und Unterdrückung zu bekämpfen, scheut heute die Konfrontation mit einer der autoritärsten Ideologien der Gegenwart. Der Islamismus wird nicht kritisiert, sondern umkreist; nicht benannt, sondern verschleiert.

Antirassismus darf niemals bedeuten, religiösen Fanatismus zu relativieren. Solidarität mit Minderheiten darf niemals bedeuten, die Feinde der Freiheit aus falsch verstandener Rücksichtnahme zu schonen. Eine Linke, die aus Angst vor den falschen Verbündeten die Wahrheit verschweigt, verrät am Ende genau jene Werte, die sie zu verteidigen vorgibt: Freiheit, Emanzipation und die Unteilbarkeit der Menschenrechte.

 

Beliebte Posts aus diesem Blog

„Antifa bedeutet Palästina?“ – Wenn der Palästina-Nationalismus gegen Antifaschist *innen marschiert

Ein Twitch-Live-Talk als ideologischer Offenbarungseid

Das erwartbare Schweigen der Linken zum Völkermord