Und Geld stinkt doch
TL;DR: Die GdP Rheinland-Pfalz trennt sich von einem AfD-Fördermitglied und überweist den Beitrag zurück – ein spätes, aber klares Signal: Demokratie lässt sich nicht mit völkischem Geld vereinbaren.
Die GdP Rheinland-Pfalz hat etwas entdeckt, das in dieser
Republik oft als Zumutung gilt: Man kann nicht gleichzeitig demokratische
Interessenvertretung sein und sich von AfD-Funktionären aushalten lassen, also
schmutziges Geld annehmen. Eine Einsicht, für die andere bekanntlich erst dann
reif sind, wenn der Laden schon brennt.
Horst Wollenweber, AfD-Mandatsträger aus Westerburg,
verliert seine Fördermitgliedschaft. Nicht wegen schlechten Benehmens. Nicht
wegen falschen Parkens. Sondern weil selbst eine Polizeigewerkschaft irgendwann
merkt, dass zwischen „konservativ“ und „völkisch“ mehr liegt als ein
missratener Witz am Tresen.
Unangenehm wird es, sobald man das Umfeld betrachtet.
Wollenweber und sein Sohn Bailey bewegen sich im Netzwerk um Joachim Paul –
jenem Milieu also, das innerhalb der rheinland-pfälzischen AfD seit Jahren als
Scharnier zur Identitären Bewegung gilt: geschniegelt auftretende
Nationalisten, die ihren autoritären Sehnsüchten nur deshalb zeitgemäße
Frisuren verpassen, damit das Ressentiment auf Instagram weniger nach Keller
und mehr nach Lifestyle aussieht.
Die GdP hat nun beschlossen, auf dieses Geld zu verzichten.
Das ist – man staunt – bemerkenswert. Gewerkschaften sind Organisationen, die
traditionell wissen, dass Geld nicht stinkt. Offenbar gibt es Ausnahmen.
Offenbar riecht es doch: jedenfalls dann, wenn es aus einem politischen Lager
kommt, dessen demokratische Gesinnung ungefähr so belastbar ist wie eine
Reichsmark im Regen.
Man muss der GdP lassen: Sie begreift etwas, das Teile der
bürgerlichen Kommentariatsschule bis heute als „Panikmache“ abtun. Die AfD ist
nicht der etwas ruppigere Nachbar der CDU. Sie ist ein Sammelbecken
autoritärer, nationalistischer und revanchistischer Kräfte, deren Projekt nicht
die Verbesserung der Republik ist, sondern ihre Verrohung – und zwar mit
System.
Dass die GdP den Mitgliedsbeitrag sogar zurücküberweist, hat
fast literarische Qualität. Politische Hygiene, ganz wörtlich: Man will das
nicht im Haus haben. Die höfliche Form von „Behaltet euren Kram“ – und die
unhöfliche wäre, ehrlich gesagt, auch nicht falsch.
Und darin liegt die Pointe. Nicht die Kündigung ist das
Interessante. Interessant ist, dass selbst eine Polizeigewerkschaft inzwischen
schneller erkennt, wo die Gefahr sitzt, als Teile der sogenannten politischen
Mitte, die noch immer so tun, als handle es sich um ein Missverständnis mit zu
lauter Stimme.