Sudan schreiben – Anatomie eines Krieges in Fragmenten

TL;DR: Kurz vor dem dritten Jahrestag des Kriegsbeginns im Sudan habe ich meine Artikel aus dem Jungle World-Blog „Von Tunis nach Teheran“ hier zusammengestellt, thematisch geordnet und jeweils kurz eingeordnet.

Meine Texte begreifen den Sudan nicht als „Konflikt“, sondern als System: Gewalt, Hunger, sexualisierte Verbrechen, Ressourcenökonomie und internationale Verflechtungen greifen ineinander. Die Liste zeigt, wie sich daraus eine Analyse eines Krieges ergibt, der keiner einzelnen Logik folgt – sondern vielen zugleich.


Abstrakte, fehlerhaft zusammengesetzte Grafik: Im Hintergrund sind überlappende Dokumentfenster mit kaum lesbarem Text zu sehen. Darüber liegen kräftige rote Farbspritzer und Tropfen, die wie Blut wirken und sich horizontal über das Bild ziehen. Am oberen Rand erscheinen gelb-schwarze, fragmentierte Formen, am linken Rand ein Teil einer Flagge mit grünem Dreieck. Das Gesamtbild wirkt collageartig, verzerrt und visuell unruhig.


 

Eine kommentierte Liste meiner Artikel zum Sudan aus dem Jungle world Blog „Von Tunis nach Teheran“

Die hier versammelten Blogtexte sind für mich keine lose Folge von Kommentaren zum Sudan. In ihrer Gesamtheit bilden sie den Versuch, ein analytisches Archiv eines Krieges zu schreiben, der sich einfachen Erklärungen entzieht.

Während viele Darstellungen zwischen „Machtkampf“ und „Ethnienkonflikt“ pendeln, gehe ich einen anderen Weg: Ich zerlege den Krieg in seine funktionalen Bestandteile.

Insbesondere sexualisierte Gewalt, Hungerpolitik und logistische Netzwerke begreife ich nicht als Nebenfolgen, sondern als strategische Instrumente moderner Kriegsführung.

Der Sudan erscheint mir dabei als Labor eines enthemmten Krieges, in dem klassische Kategorien – Front, Staat, Sieg – zunehmend ihre Bedeutung verlieren.

1. System, nicht Ereignis: Die strukturellen Grundlagen des Krieges

In diesen Texten argumentiere ich bewusst gegen die verbreitete Vorstellung eines klaren „Beginns“ im April 2023. Für mich ist dieser Krieg kein Ereignis, sondern ein Symptom.

Ich versuche zu zeigen, dass die Rivalität zwischen SAF und RSF aus einem historischen Herrschaftssystem hervorgegangen ist, das auf Marginalisierung, Gewalt und der systematischen Produktion von Ungleichheit beruht. Der Staat erscheint dabei nicht als stabiler Akteur, sondern als umkämpfte und fragmentierte Ressource.

2. Gewalt gegen Zivilisten: Strategie statt Kollateralschaden

Hier verschiebe ich den Fokus bewusst auf die Logik der Gewalt selbst. Mich interessiert nicht nur, dass Gewalt stattfindet, sondern wie und warum sie eingesetzt wird.

Ich argumentiere, dass Vergewaltigung, Hunger und Vertreibung im Sudan nicht als Begleiterscheinungen verstanden werden dürfen. In meinen Texten versuche ich zu zeigen, dass sie gezielt eingesetzt werden – als Mittel, um Gesellschaften zu zerstören, Räume zu kontrollieren und Macht zu sichern.

Mein Anspruch ist dabei, die Intentionalität dieser Gewalt sichtbar zu machen.

3. Ökonomie und Logistik: Der Krieg als Markt

In diesen Texten versuche ich, den Blick weg von Frontlinien zu lenken. Mich interessiert der Krieg als System von Zirkulation: von Waren, Ressourcen, Geld und Waffen.

Ich beschreibe den Sudan als einen Raum, in dem Märkte und Gewalt untrennbar miteinander verbunden sind. Ressourcenströme – von Harzen bis Öl – sind für mich keine Nebenaspekte, sondern zentrale Triebkräfte des Konflikts.

Der entscheidende Gedanke, der diese Texte verbindet: Nicht Waffen entscheiden den Krieg, sondern ihre Verfügbarkeit – und die Netzwerke, die sie bewegen.

4. Technologisierung und Transformation der Kriegsführung

Hier lese ich den Sudan als Vorgriff auf zukünftige Kriege. Mich interessiert, wie neue Technologien – insbesondere Drohnen – die Logik von Gewalt verändern.

Ich versuche zu zeigen, dass sich im Sudan eine Form von Kriegsführung herausbildet, in der die Unterscheidung zwischen staatlicher und nichtstaatlicher Gewalt zunehmend bedeutungslos wird. Der Krieg wird fragmentierter, entgrenzter und zugleich schwerer zu kontrollieren.

5. Regionalisierung und Internationalisierung

In diesen Texten verorte ich den Sudan konsequent im Kontext globaler Machtpolitik. Für mich ist dieser Krieg kein isoliertes Ereignis, sondern Teil eines größeren geopolitischen Gefüges.

Ich beschreibe ihn als Knotenpunkt externer Interessen – von den Golfstaaten über Russland bis hin zu europäischen Akteuren. Dabei versuche ich zu zeigen, dass externe Eingriffe den Konflikt nicht nur beeinflussen, sondern aktiv strukturieren und verlängern.

6. Gesellschaft, Widerstand und Zerfall

Diese Texte sind für mich der Versuch, den Blick auf die gesellschaftliche Dimension des Krieges zu richten. Mich interessiert nicht nur, wie Krieg funktioniert, sondern was er mit Menschen und sozialen Strukturen macht.

Ich beschreibe den Sudan als einen Raum zwischen Auflösung und Widerstand. Während staatliche Strukturen zerfallen, beobachte ich zugleich neue Formen von Selbstorganisation – oft getragen von lokalen Initiativen und insbesondere von Frauen.

Mich interessiert dabei, wie Gesellschaft auch unter extremen Bedingungen nicht nur zerfällt, sondern sich neu organisiert.

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