Nastić: Am Ende wieder die falsche Partei

TL; DR: Zaklin Nastić tritt aus dem BSW aus und erhebt schwere Vorwürfe gegen die Parteiführung: Intransparenz, Elitenbildung und Anpassung an Medien. Zugleich kritisiert sie die fehlende Zusammenarbeit mit der AfD. Der Konflikt ist weniger neu als strukturell – und wiederholt ein bekanntes Muster politischer Enttäuschung.

Screenshot eines Artikels der Berliner Zeitung mit der Überschrift „Bittere Abrechnung: Zaklin Nastic verlässt das Bündnis Sahra Wagenknecht“. Darunter ein großes Porträt von Zaklin Nastić mit neutralem Gesichtsausdruck; über dem Bild liegt die eingeblendete Schlagzeile „Nastić: Am Ende wieder die falsche Partei“.


Nach Die Linke nun auch Wagenknechts BSW: Nastić kritisiert Machtpolitik, Medienanpassung – und das Ausbleiben von Nähe zur AfD.

Zaklin Nastić geht. Wieder einmal. Diesmal aus dem BSW, das mal das Bündnis Sahra Wagenknecht war und das sie mit aufgebaut hat. Zuvor ging sie aus der Linkspartei. Dazwischen lag die Hoffnung, nun aber wirklich die Partei gefunden zu haben, die keine Partei sein wollte wie die anderen. Man kennt diese Hoffnung: Sie hält ungefähr so lange wie ein Aufnahmeverfahren.

Der Text, den sie zum Abschied vorlegt, ist kein nüchternes Protokoll, sondern eine Selbstvergewisserung in der Form der Anklage. Wer ihn liest, erfährt weniger über die Struktur des BSW als über ein politisches Milieu, das seine Enttäuschungen stets als Verrat codiert.

Nastić schreibt: „Gefallsucht bei großen Medien und parteiinternes Kungeln sind zwei Seiten einer Medaille.“ Das ist ein hübscher Satz, weil er mehr erklärt, als er beabsichtigt. Denn er unterstellt, dass Anpassung nach außen und Intrige nach innen keine Widersprüche sind, sondern systemische Konstanten. Man könnte daraus auch den weniger tröstlichen Schluss ziehen: Parteien funktionieren so. Auch die, die angetreten sind, genau das zu beenden.

Der Bruch wird damit begründet, dass das BSW „die Methoden […] der Linkspartei nachgebaut“ habe. Das ist, wenn man so will, die eigentliche Pointe: Die politische Biografie wiederholt sich, nur schneller. Was früher Jahre brauchte, gelingt nun in Legislaturperiodenhälften. Der Vorwurf ist nicht falsch, aber er ist auch nicht neu. Neu ist höchstens die Geschwindigkeit der Enttäuschung.

Interessanter wird der Text dort, wo er unfreiwillig präzise wird. Etwa bei der Klage über eine „elitäre Selektion von Mitgliedern“ und die Unterscheidung zwischen „Pralinen“ und „Ameisen“. Das ist mehr als ein Skandalzitat. Es zeigt, wie sehr die Sehnsucht nach „den kleinen Leuten“ von oben organisiert wird. Wer entscheidet, wer Ameise ist, hat die Hierarchie bereits akzeptiert, die er kritisiert.

Noch aufschlussreicher ist jedoch eine andere Leerstelle: die politische Strategie. Nastić beklagt, das BSW habe nicht mit der AfD kooperiert. Zugleich fordert sie eine „breite Friedensbewegung […] über politische Grenzen hinweg“. Das klingt nach Öffnung, ist aber in Wahrheit eine Verschiebung. Denn die Frage ist nicht, ob man mit allen spricht, sondern worüber. Wer Unterschiede nur noch als Hindernis begreift, hat sie bereits aufgegeben.

Der Text liefert selbst das Material für diese Diagnose. Wenn es heißt, man habe Hoffnungen der „kleinen Leute“ nicht „verachten“ dürfen, dann ist das zunächst eine demokratische Selbstverständlichkeit. Aber es wird problematisch, wenn daraus ein politisches Kriterium wird. Denn nicht jede Hoffnung ist schon ein Argument. Und nicht jede Enttäuschung ein Beweis.

Am Ende steht ein vertrauter Gestus: der Rückzug ins Außerparlamentarische. „Neue politische Entwicklungen kommen eher von Bewegungen außerhalb als von innerhalb der Parlamente.“ Das mag stimmen. Es erklärt nur nicht, warum man zuvor so viel Energie darauf verwendet hat, genau diese Parlamente zu erreichen. Der Widerspruch wird nicht aufgelöst, sondern verlagert.

Nastić verlässt also eine Partei, die geworden ist wie die Partei, die sie zuvor verlassen hat. Das ist kein individueller Unfall, sondern ein strukturelles Muster. Wer Parteien als Instrumente betrachtet, entdeckt früher oder später, dass sie auch Eigenlogiken haben. Wer diese Logik ignoriert, wird von ihr eingeholt – meist in Form eines Abschiedsbriefes.

Und so bleibt von der „bitteren Abrechnung“ vor allem eines: die Erkenntnis, dass politische Reinheit ein wanderndes Ziel ist. Man erreicht es selten. Und wenn doch, ist man meist schon auf dem Weg zur nächsten Partei.

 

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