Nastić: Am Ende wieder die falsche Partei
TL; DR: Zaklin Nastić tritt aus dem BSW aus und erhebt schwere Vorwürfe gegen die Parteiführung: Intransparenz, Elitenbildung und Anpassung an Medien. Zugleich kritisiert sie die fehlende Zusammenarbeit mit der AfD. Der Konflikt ist weniger neu als strukturell – und wiederholt ein bekanntes Muster politischer Enttäuschung.
Nach Die Linke nun auch Wagenknechts BSW: Nastić
kritisiert Machtpolitik, Medienanpassung – und das Ausbleiben von Nähe zur AfD.
Zaklin Nastić geht. Wieder einmal. Diesmal aus dem BSW, das
mal das Bündnis Sahra Wagenknecht war und das sie mit aufgebaut hat. Zuvor ging
sie aus der Linkspartei. Dazwischen lag die Hoffnung, nun aber wirklich die
Partei gefunden zu haben, die keine Partei sein wollte wie die anderen. Man
kennt diese Hoffnung: Sie hält ungefähr so lange wie ein Aufnahmeverfahren.
Der Text, den sie zum Abschied vorlegt, ist kein nüchternes
Protokoll, sondern eine Selbstvergewisserung in der Form der Anklage. Wer ihn
liest, erfährt weniger über die Struktur des BSW als über ein politisches
Milieu, das seine Enttäuschungen stets als Verrat codiert.
Nastić schreibt: „Gefallsucht
bei großen Medien und parteiinternes Kungeln sind zwei Seiten einer Medaille.“
Das ist ein hübscher Satz, weil er mehr erklärt, als er beabsichtigt. Denn er
unterstellt, dass Anpassung nach außen und Intrige nach innen keine
Widersprüche sind, sondern systemische Konstanten. Man könnte daraus auch den
weniger tröstlichen Schluss ziehen: Parteien funktionieren so. Auch die, die
angetreten sind, genau das zu beenden.
Der Bruch wird damit begründet, dass das BSW „die
Methoden […] der Linkspartei nachgebaut“ habe. Das ist, wenn man so will,
die eigentliche Pointe: Die politische Biografie wiederholt sich, nur
schneller. Was früher Jahre brauchte, gelingt nun in Legislaturperiodenhälften.
Der Vorwurf ist nicht falsch, aber er ist auch nicht neu. Neu ist höchstens die
Geschwindigkeit der Enttäuschung.
Interessanter wird der Text dort, wo er unfreiwillig präzise
wird. Etwa bei der Klage über eine „elitäre
Selektion von Mitgliedern“ und die Unterscheidung zwischen „Pralinen“
und „Ameisen“.
Das ist mehr als ein Skandalzitat. Es zeigt, wie sehr die Sehnsucht nach „den
kleinen Leuten“ von oben organisiert wird. Wer entscheidet, wer Ameise ist,
hat die Hierarchie bereits akzeptiert, die er kritisiert.
Noch aufschlussreicher ist jedoch eine andere Leerstelle:
die politische Strategie. Nastić beklagt, das BSW habe nicht mit der AfD
kooperiert. Zugleich fordert sie eine „breite
Friedensbewegung […] über politische Grenzen hinweg“. Das klingt nach
Öffnung, ist aber in Wahrheit eine Verschiebung. Denn die Frage ist nicht, ob
man mit allen spricht, sondern worüber. Wer Unterschiede nur noch als Hindernis
begreift, hat sie bereits aufgegeben.
Der Text liefert selbst das Material für diese Diagnose.
Wenn es heißt, man habe Hoffnungen der „kleinen
Leute“ nicht „verachten“
dürfen, dann ist das zunächst eine demokratische Selbstverständlichkeit. Aber
es wird problematisch, wenn daraus ein politisches Kriterium wird. Denn nicht
jede Hoffnung ist schon ein Argument. Und nicht jede Enttäuschung ein Beweis.
Am Ende steht ein vertrauter Gestus: der Rückzug ins
Außerparlamentarische. „Neue
politische Entwicklungen kommen eher von Bewegungen außerhalb als von innerhalb
der Parlamente.“ Das mag stimmen. Es erklärt nur nicht, warum man zuvor so
viel Energie darauf verwendet hat, genau diese Parlamente zu erreichen. Der
Widerspruch wird nicht aufgelöst, sondern verlagert.
Nastić verlässt also eine Partei, die geworden ist wie die
Partei, die sie zuvor verlassen hat. Das ist kein individueller Unfall, sondern
ein strukturelles Muster. Wer Parteien als Instrumente betrachtet, entdeckt
früher oder später, dass sie auch Eigenlogiken haben. Wer diese Logik
ignoriert, wird von ihr eingeholt – meist in Form eines Abschiedsbriefes.
Und so bleibt von der „bitteren
Abrechnung“ vor allem eines: die Erkenntnis, dass politische Reinheit ein
wanderndes Ziel ist. Man erreicht es selten. Und wenn doch, ist man meist schon
auf dem Weg zur nächsten Partei.