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Die iranische Frauen-Nationalmannschaft – Schweigen als Akt des Widerstands

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  TL;DR: Die iranische Frauen-Nationalmannschaft – Schweigen als Akt des Widerstands: Keine erhobene Faust, kein Pathos. Nur geschlossene Lippen. Während die Hymne erklingt, sagen sie nichts – und sagen alles. Mut ist manchmal leise. Und gerade deshalb unüberhörbar. Es gibt Augenblicke, in denen das Pathos versagt – und das Schweigen beginnt zu sprechen. Da stehen sie also. Junge Frauen, geschniegelt für ein Spiel, das angeblich nur ein Spiel sein soll. Reihenweise aufgestellt, geschniegelt nicht nur von Funktionären, sondern von Erwartungen. Die Hymne erklingt, wie sie immer erklingt: als akustische Pflichtübung nationaler Selbstvergewisserung. Und doch geschieht etwas Unerhörtes – sie singen nicht. Keine große Geste. Kein theatralischer Aufschrei. Kein erhobener Arm. Nur ein Verzicht. Nur das Schweigen. Wer je geglaubt hat, Mut müsse laut sein, sollte sich diese Szene vor Augen führen: Frauen, die wissen, dass jede Kamera ihr Gesicht festhält; Frauen, die wissen, dass jedes...

Die Friedensfreunde vom Rand

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TL;DR: AfD, Linke und BSW rufen „Frieden“ – und meinen doch Verschiedenes. Mal schützt er den Benzinpreis, mal das Völkerrecht, mal das eigene Weltbild. So wird „Frieden“ zur Parole und zur bequemen Ausrede – und erspart die Frage, was die Menschen im Iran statt dieser Diktatur wollen.   Wie Linke, BSW und AfD den Frieden zur Parole und zur Ausrede machen Es ist ein seltener Moment politischer Harmonie, wenn AfD, Linke und BSW im selben Ton sprechen.  Der Angriff auf Iran? Ein Fehler. Eine „Destabilisierung“. Eine „Gefahr für die Region“. Die Vokabeln klingen wie aus einem Restposten der politischen Moraltheologie. Nur die Motive unterscheiden sich – noch. Die AfD, die sich gern als letzte Bastion gegen den politischen Islam geriert, entdeckt plötzlich ihre pazifistische Ader. Nicht aus Sympathie für die Mullahs, versteht sich, sondern aus Sympathie für das eigene Benzinpreisniveau. Außenpolitik, das ist für sie vor allem Heizkostenabrechnung mit Fernwirkung. Wer inte...

Zu „Bombenschütze des Tages: Stephan Grigat“ von Matthias Rude in der junge welt

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TL;DR: Rudes „Bombenschütze des Tages“ etikettiert statt zu analysieren. Zitate ersetzen Kontext, Metaphern die Auseinandersetzung. Wer Grigat kritisiert, müsste seine Bedrohungsanalyse prüfen – nicht ihn zum Typus erklären. So bleibt Polemik ohne Vergleich und Positionsbekundung ohne Argument. Wie politische Parteinahme zur publizistischen Gefolgschaft wird – und Analyse im Dienst der Frontstellung verschwindet Matthias Rude hat mit seinem Text „ Bombenschütze des Tages: Stephan Grigat “ nicht einfach eine Kritik an Stephan Grigat geschrieben. Er hat eine Figur gebaut. Und wie bei solchen Figuren üblich, ist sie weniger ein Gegenstand der Analyse als ein Träger der Abneigung. Der Titel setzt den Ton: „Bombenschütze des Tages“. Das ist keine These, sondern ein Etikett. Wer so einsteigt, will nicht prüfen, sondern festlegen. Man könnte auch sagen: Der Text weiß schon, was er von seinem Gegenstand zu halten hat, bevor er ihn zitiert. Rude schreibt, Grigat habe „schon 2007 ‚geziel...

Unter dem Teppich

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TL;DR: Frankfurt streitet vor der Wahl am 15. März nicht über Mieten, sondern über Antisemitismus bei DIE Linke. Nach „United4Gaza“, Tweet-Skandal und Ausladung durch die Jüdische Gemeinde steht die Frage im Raum: Blindheit oder Problem? Wer eine ‚Antifaschistische‘ Partei sein will, muss hier Klarheit schaffen. Wie Frankfurt am Main über Antisemitismus streitet – und warum das Problem größer ist als eine Partei Der Frankfurter Kommunalwahlkampf 2026 hat ein Thema, das sich nicht plakatieren lässt: Antisemitismus. Nicht der von rechts, der ist politisch eingepreist. Sondern der linke, der sich als Menschenrecht tarnt und als Israelkritik auftritt. Er riecht nicht nach Springerstiefeln, sondern nach Weltgewissen. Und genau deshalb wird er so verbissen bestritten. Den Satz, der die Debatte auslöste, schrieb nicht die CDU, nicht die FAZ, sondern Jutta Ditfurth. Unter der Überschrift „ Unter dem Teppich reformistischen Wohlverhaltens brodelt der Antisemitismus “ behauptet sie, im  ...

Der Mann, der Antisemitismus zur iranischen Staatsdoktrin erhob, ist tot

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TL;DR: Mit Khameneis Tod verliert ein System seinen „Obersten Führer“: Antisemitismus als Staatsdoktrin, Holocaustrelativierung und Vernichtungsrhetorik gegen Israel waren Herrschaftstechnik. Sein politisches Erbe bleibt institutionalisierter Hass. Nach Khameneis Tod steht Irans Staatsantisemitismus auf dem Prüfstand: Ideologie, Holocaustrelativierung und Israelfeindschaft als Machtinstrument. Ali Khamenei ist tot. Getötet, so heißt es, nach amerikanischen und israelischen Angriffen. Dass ausgerechnet jene beiden Staaten, die er über Jahrzehnte rhetorisch vernichten ließ, am Ende militärisch in seine Nähe rückten, besitzt eine Ironie, die er vermutlich als zionistische Verschwörung gedeutet hätte. 37 Jahre lang hat Khamenei den Iran nicht nur regiert, sondern ideologisch imprägniert. Antisemitismus war unter ihm keine Begleiterscheinung, kein Ausrutscher eifernder Freitagsprediger, sondern ein Prinzip. Wer den Holocaust zur „unklaren Realität“ erklärt, wer Holocaustleugner hofiert,...

Der Justizmörder der Islamischen Republik: Gholam-Hossein Mohseni-Ejei – ein Leben im Dienst des Urteils, ein Tod im Bombenhag

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TL;DR:  Irans oberster Justizfunktionär und notorischer Vollstrecker politischer Urteile, Gholam-Hossein Mohseni-Ejei, starb im Bombenhagel einen schnellen Tod. War das gerecht? Wahrscheinlich nicht. Aber die Welt ist ohne einen Mann besser dran, der tausendfach summarische Todesurteile gegen Demonstrant*innen verhängen ließ und Repression zur Staatsräson erhob. Update: Die Hoffnung, der Massenmörder Gholam-Hossein Mohseni-Ejei habe im Bombenhagel sein verdientes, frühes Ende gefunden, war verfrüht. Stattdessen geschah das Gegenteil: Nach dem Tod Ali Chameneis am 28. Februar 2026 rückte Mohseni-Ejei – zusammen mit Massud Peseschkian und Alireza Arafi – in den dreiköpfigen Übergangsrat auf. Der oberste Hüter des göttlich verbrämten Rechts ist tot. Er starb nicht im Bett, nicht im Ruhestand, nicht von Zweifeln geplagt, sondern im Bombenhagel. Ob das gerecht war? Diese Frage stellen gewöhnlich jene, die Gerechtigkeit sonst für ein Verwaltungsdetail halten. Man kann sie also getrost o...

Fairness als Karriereordnung: Boris Palmer zum Wahlkampf

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TL;DR: Palmer nennt die sexualisierte Rede eines Politikers über Schülerinnen eine „alte ungeschickte Aussage“ – und erklärt feministische Kritik daran zum Fairnessproblem. Nicht die sexualisierte Wahrnehmung von minderjährigen stört ihn, sondern das Thematisieren vor der Wahl. Wie aus der sexualisierten Wahrnehmung von Schülerinnen eine „alte ungeschickte Aussage“ wird – und aus feministischer Kritik ein Timingproblem Ich gestehe: Als Bewohner der Stadt Tübingen und überzeugter Nichtwähler von Boris Palmer zähle ich zu jenen Menschen, die es vorziehen, etwas Sinnvolleres zu tun – etwa einer Waschmaschine beim Waschen zuzusehen –, als die neuesten Elaborate ihres Oberbürgermeisters zu studieren. Ich hätte es auch im Falle jenes Beitrags halten sollen, der unter dem schlichten Titel „@Fairness im Wahlkampf“ firmiert und doch nichts anderes ist als eine weitere Übung in Selbstgerechtigkeit. Andererseits: Wenige Tage vor der Baden-Württemberg-Wahl drängt sich eine Einsicht auf, di...