Antifaschistische Restvernunft mit rotem Rückgrat: Ein Nachsatz zu #le1701
TL;DR: #le1701 war keine Machtdemonstration der „palästinasolidarischen“ Anti-Antifa, sondern ihr Offenbarungseid. Während rechte Querfrontfilmer durch die reihen der „palästinasolidarischen“ Anti-Antifa liefen und Live Berichteten, stand Antifa-Connewitz mit Rückgrat vor dem linXXnet. Klartext statt Querfront. Stabil statt verschwurbelt.
In Leipzig demonstriert Die Linke Sachsen, unterstützt von Linken Funktionär*innen und Mandatsträger*innen aus dem Rest der Republik sowie der BAG Shalom vor dem #linxxnet antifaschistische Solidarität – gegen eine „pro-palästinensische“ Anti-Antifa Demonstration – angemeldet von der stellv. BSW-Geschäftsführerin im Leipziger Stadtrat. Sie bleiben politisch stabil an einem Schauplatz mit Widersprüchen, die nicht nur semantischer Natur sind.
Während sich am Connewitzer
Kreuz ein Trupp von maximal 300 „palästinasolidarischen“ Anti-Antifa- Aktivist*innen–
mobilisiert von Handala Leipzig, Lotta_antifa und der BAG Palästinasolidarität
–, stand ein stabiler Block des Antifaschistischen Connewitz und der ebenfalls
Antifaschistischen Linken vor dem linXXnet. Sichtbar, unbeweglich,
unmissverständlich: „Niemals alleine, immer gemeinsam“.
Der antifaschistische Teil der Partei Die Linke zeigte
Rückgrat – nicht im Posemodus für die Galerie, sondern in Form praktischer
Solidarität. Wer dort stand, hatte mehr zu verlieren als Likes. Die
Selbstverständlichkeit, mit der man heute gegen Antisemitismus, Rassismus und
verschwörungsideologisches Geraune eintreten muss, wird einem nämlich nicht
mehr geschenkt. Schon gar nicht, wenn die Angriffe von links kommen – oder was
sich dafür hält.
Dass die Demonstration der sich „palästinasolidarisch“
gebenden Anti-Antifa am #le1701 nicht zur erhofften Machtdemonstration geriet,
lag weniger an der Teilnehmerzahl – die pendelte zwischen 100 und 300, je
nachdem, wie sehr man zählen wollte, was laufen konnte – als an der politischen
Gemengelage: Mobilisiert hatten Handala Leipzig, Lotta_antifa und wie man dem Live Talk von naitan mit „Bundessprecher Thies und Marlon
von BAG PaliSoli“ entnimmt, auch die BAG Palästinasolidarität der Partei
Die Linke.
Was sich da versammelte, war kein Ausdruck revolutionärer
Volkstiefe, sondern eine Art Querfront in Turnschuhen. Neben Transparenten
wurden Kameras getragen – von Kanälen wie „Weichreite TV“, einem
medialen Außenposten des neuen Rechten, der sich bei Telegram zwischen
AfD-Apologie und völkischem Kulturkampf positioniert. Auch mit dabei: ein Team
von „Utopia TV
Deutschland“, angeführt von
Sandra Gabriel, Aushängeschild der verschwörungsideologischen Sekte „Freie
Linke“. Über Gabriel schreibt die “Anti-Antifa Germany“ sie sei „eine unserer Aktivisten“. Eine
solche Ehrung wird in diesen Kreisen nicht leichtfertig vergeben.
Gabriel, die regelmäßig den Schulterschluss mit Neonazis wie
Sven Liebich sucht, bewegte
sich auf der Handala-Demo, ebenso wie wie „Weichreite TV“, frei – nicht als Beobachterin, sondern als
Akteurin mit Mikrofon. Während ihr Team zu Beginn noch jammerte, man sei von der Antifa
„beleidigt“ worden – ein Vorfall, der sich laut eigener Aussage in einem
Grußwort von Juliane Nagel erschöpfte –, durfte sie auf Seiten der Handala Demo
ungehindert Teilnehmer*innen interviewen. Dass sie dort nicht nur geduldet,
sondern willkommen war, belegt der Stream. Wer mitfilmt, gehört dazu – wenn er
dem richtigen Lager entstammt.
Zur selben Zeit
dokumentierte die dju in ver.di aus der Handala Demo heraus einen körperlichen
Angriff auf ein MDR-Kamerateam: Schubsen, Drängen, Ellenbogenschläge. Von
jenen, die sonst bei jeder Gelegenheit an Menschenrechte erinnern, kam: nichts.
Keine Distanzierung, keine Pressemitteilung, kein „Nie wieder“. Der Begriff
„plurale Gesellschaft“ verliert an Gehalt, wenn er nur noch auf der eigenen
Seite gelten soll.
Und so stehen sie da, die 30 bis 40 Linken vor dem
linXXnet, solidarisch mit und Teil der bis zu 1500 Antifaschist*innen die
sich am Connewitzer Kreuz den „palästinasolidarischen“ Anti-Antifa- Aktivist*innen
entgegenstellen – und sehen dabei aus wie das, was einmal politische Haltung
war: nicht modisch, nicht trendy, nicht mehrheitsfähig – aber verlässlich,
stabil. Ihr Statement: Solidarität endet dort, wo Grundwerte beginnen. Und wer
Palästinasolidarität als Deckmantel für autoritäre, antisemitische oder
völkische Narrative nutzt, sollte sich weder auf Rosa Luxemburg noch auf
antikoloniale Bewegungen berufen – es sei denn, man hält George Orwell für ein
Instagram-Format.
In der Gegenwart, die von postlinken Seifenblasen bevölkert
wird, wirkt solcher Antifaschismus fast aus der Zeit gefallen. Doch genau
deshalb ist er so wichtig. Denn eine Linke, die mit der „palästinasolidarischen“
Anti-Antifa, also objektiv Rechten marschiert, wird am Ende von beiden nicht
gebraucht. Und Connewitz? War an diesem Tag nicht bloß ein Stadtteil – sondern
der Ausdruck von linker Klarheit.