Fanpost von Guillem Riera Quer & meine Stellungnahme dazu

TL;DR: „Wer Israels Existenz verteidigt, ist Faschist“ – sagt Guillem Riera Quer sinngmäß. Wer so denkt, verwechselt Antifaschismus mit Antizionismus, Empörung mit Analyse und steht am Ende genau dort, wo er zu stehen glaubt: rechts außen – mit Antifa-Aufkleber.

Analyse einer antizionistischen Twitter-Position, die Israel mit Faschismus gleichsetzt – und warum das kein Antifaschismus, sondern historisches Ressentiment ist.


Fanpost von Guillem Riera Quer:

Tweet 2:

„You are on the side 99% far-right racists antisemites, this is the side of pro-Israel. Have you ever thought about it? No problem on being next to Trump, Orban, Meloni, AfD, Le Pen,etc. This is your side, fascist one“

In der Übersetzung:

„Ihr steht zu 99 % auf der Seite der rechtsextremen, antisemitischen Rechten – das ist die Seite von pro-Israel. Habt ihr jemals darüber nachgedacht? Es ist kein Problem für euch, mit Trump, Orban, Meloni, AfD, Le Pen usw. auf einer Linie zu stehen. Das ist eure Seite, Faschistenseite.“

Tweet 2:

„No lessons about solidarity and on what side we are, you are next to the all far-right. Who supports Israel genocide, apertheid, will never be Antifa. Antifa means free Palestine everywhere. But of course, you are privileges, the only left on the right side“

In der Übersetzung:

„Keine Lektionen über Solidarität und darüber, auf welcher Seite ihr steht – ihr steht neben der gesamten extremen Rechten. Wer Israels Völkermord und Apartheid unterstützt, wird niemals Antifa sein. Antifa bedeutet Widerstand gegen Apartheid überall. Aber natürlich: Ihr seid privilegiert, die einzigen Linken auf der Rechten.“

Stellungnahme:

Man muss schon mit einer gewissen dialektischen Behändigkeit gesegnet sein, um die Unterstützung eines jüdischen Staates in der Tradition von Auschwitz als Anschluss an „die Faschistenseite“ zu denunzieren. Guillem Riera Quer, der aus seiner Twitterkanzel heraus verkündet, dass „pro-Israel“ zu sein gleichbedeutend sei mit ideologischer Kameradschaft zu Trump, Orban, Meloni, Le Pen und der AfD, beweist damit nur eines: dass die Behauptung, man stehe links, noch nie so wenig über politische Urteilskraft ausgesagt hat.

Die semantische Operation, Israel nicht nur der Apartheid, sondern des „Völkermords“ zu zeihen, wirkt wie der hilflose Versuch, aus Empörung Erkenntnis zu machen. Doch Empörung ist keine Analyse, und Lautstärke ersetzt keine Logik. Wer also behauptet, „keine Antifa“ könne sein, wer nicht Israel boykottiert, betreibt keine antifaschistische Hygiene – er betreibt ideologische Säuberung im Namen einer Reinheit, die sich nur im Hass auf den jüdischen Staat manifestiert. Dass diese Reinheit zu 99 % mit der Rhetorik islamistischer Gruppen übereinstimmt, erwähnt Riera aus Gründen der dialektischen Hygiene lieber nicht.

 Dass „Antifa bedeutet Widerstand gegen Apartheid überall“, klingt schön auf dem Sticker – bis man fragt, warum dieser Widerstand sich dann ausgerechnet dort radikalisiert, wo Juden sich wehren. Wo war dieser Furor gegen die russische Kolonisierung Tschetscheniens, gegen Chinas Uigurenlager, gegen den Sudan? Die selektive Leidenschaft sagt mehr als die Worte selbst. Sie verrät, dass hier nicht das Unrecht bekämpft wird, sondern sein angeblicher jüdischer Urheber.

Was Riera als Solidarität verkauft, ist in Wahrheit die postmoderne Wiederkehr des Ressentiments – säkularisiert, tweetfähig und international anschlussfähig. Wer Israel mit der Rechten gleichsetzt, weil Rechte Israel für eigene Zwecke instrumentalisieren, verwechselt das Objekt der Vereinnahmung mit der Agenda der Vereinnahmer. Eine alte Methode, die schon die Stalinisten pflegten: Wer den Klassenfeind nicht trifft, trifft wenigstens den Juden.

Bleibt das letzte Bonmot: „Ihr seid privilegiert, die einzigen Linken auf der Rechten.“ Richtig wäre: Ihr seid die einzigen Rechten, die sich für links halten – und es mit Antifa-Aufklebern kaschieren. Privilegiert ist hier nur eines: das eigene Weltbild von jeder historischen Verantwortung zu entlasten, um sich selbst zum Opfer einer Weltverschwörung zu stilisieren, in der Zionisten, Kapitalisten und Kolonialisten praktischerweise deckungsgleich sind.

So bleibt von dieser Fanpost nichts als ein Satz, den man sich merken sollte – nicht wegen seiner Wahrheit, sondern als Warnung vor ihr:

„Wer Israels Existenz verteidigt, ist Faschist.

 


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